51 Gegentore in 23 Spielen schmerzen auch Torwart Ron-Robert Zieler Foto: Getty

In Bremen hielt Ron-Robert Zieler dem VfB Stuttgart am Ende einen Punkt fest. Seine Paraden in der zweiten Halbzeit täuschen aber darüber hinweg, dass die Nummer eins des VfB nicht mehr der große Rückhalt wie in der Vorsaison ist.

Bremen/Stuttgart - Die Bremer Fans setzten in der 79. Minute bereits zum Torschrei an, da machte ihnen Ron-Robert Zieler einen Strich durch die Rechnung. Mit einer Parade, für die man guten Torhütern einst den Beinamen „Katze“ verpasste, setzte Zieler zum Sprung an und kratzte den Kopfball von Theodor Gebre Selassie noch von der Linie. Ähnlich stark hatte er kurz zuvor noch einen Schuss von Nuri Sahin gegen die Laufrichtung abgewehrt. Weshalb es am Ende nicht verkehrt war zu behaupten, dass Zieler dem VfB Stuttgart beim 1:1 einen Punkt gerettet hat. Auf alle Fälle waren die zwei Paraden Balsam auf die Torhüter-Seele. „Es tut mir gut, dass ich die Bälle noch rausgekratzt habe“, bekannte der 30-Jährige.

Keine guten Statistiken

Denn Erfolgserlebnisse hatte der frühere Nationaltorhüter und Weltmeister von 2014 schon lang keine mehr. Nicht mit seiner Mannschaft, und auch nicht persönlich. Es läuft nicht rund für Zieler und den VfB in dieser Saison, an dieser Gesamtbetrachtung ändert auch das Spiel in Bremen nicht viel.

Denn so zwiegespalten der Stuttgarter Tross das grundsätzlich zufriedenstellende Unentschieden an der Weser wertete – auf Grund etlicher vergebener Großchancen wäre auch mehr drin gewesen – so ambivalent erschien auch die Leistung der Stuttgarter Nummer eins.

Denn da war ja auch noch die erste Halbzeit. Mit dem Gegentor kurz vor der Pause, das zwar nicht in die Kategorie Torwartfehler fällt. Aber auch nicht unhaltbar erschien. Ein strammer Schuss von Davy Klaassen war es, zweifellos, aber eben auch einer aus 20 Metern, halbhoch. Zieler hatte die Hände noch dran. Vergebens.

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Ein weiterer Gegentreffer (von mittlerweile 51 insgesamt) aus der Distanz. Zielers Torwartspiel bedingt dieses Risiko, gern steht er zwei, drei Meter vor der Linie, wie es dem heutigen Verständnis vom Schlussmann als elftem Feldspieler entspricht.

Zieler macht das Spiel selten schnell

So soll das Spiel der eigenen Mannschaft bei Ballgewinn schnell gemacht werden. Nur ist davon beim Tabellen-16. der Fußball-Bundesliga nicht viel zu sehen. Dass die Mannschaft mit Ball nur schwer in die Gänge kommt, hat auch mit Zieler zu tun. Sehr lange, oft zu lange dauert es, bis die Nummer eins seine Vorderleute mit Abwürfen in Aktion bringt. Meist hat sich der Gegner längst wieder sortiert.

In der vergangenen Saison war RRZ, der sich nach Spielen meist als Erster den ­Fragen der Journalisten stellt, noch der ­große Rückhalt. Sein Anteil an Platz sieben mit nur 36 Gegentoren (nur die Bayern ­kassierten weniger) war enorm. Umso mehr wird das Schwächeln der Stuttgart Nummer eins in dieser Spielzeit augenscheinlich. Zahlreiche Statistiken, ob bei der Zahl der gehaltenen Torschüsse oder der Zahl ­vereitelter Großchanchen, unterstreichen diesen Eindruck.

Von einer Torwartdiskussion ist man beim VfB dennoch weit entfernt. Zum Einen, weil sich keiner der beiden Ersatzleute Jens Grahl oder Alexander Meyer wirklich aufdrängt. Zum anderen ist der Stellenwert Zielers, der dem Mannschaftsrat angehört, unverändert hoch. Daran ändern auch die gezeigten Leistungen nichts.

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