Mitch Langerak geht als klare Nummer eins in die Saison. Foto: Pressefoto Baumann

Mitch Langerak gilt als sichere Bank im Tor des VfB – dabei hat der Australier in den vergangenen Jahren kaum gespielt. Was dürfen die Fans von dem Torhüter erwarten?

Stuttgart - Es war dem Torwarttrainer überlassen, zu verkünden, was ohnehin längst klar war: „Mitch wird unsere Nummer eins sein“, sagt Marco Langner, nachdem Chefcoach Jos Luhukay sich mit einer klaren Ansage zurückgehalten hat.

Mitch Langerak (27) wird also in der nächsten Saison beim VfB Stuttgart zwischen den Pfosten stehen und mithelfen, den Traum vom Wiederaufstieg so schnell wie möglich wahr werden zu lassen. Die einschlägigen Expertenmeinungen lassen nur einen Schluss zu: Mit Langerak ist der künftige Zweitligist zumindest im Tor erstklassig besetzt. „Er ist für mich ganz klar ein Erstliga-Keeper“, urteilt Langner.

Andere sehen in dem Australier den Besten der zweiten Liga, was sich allerdings schwer verifizieren lässt. Erstens, weil Vergleiche unter Schlussmännern meist subjektiven Sichtweisen folgen. Und zweitens, weil der Nationaltorhüter in den vergangenen Jahren nur wenig Gelegenheiten hatte, sein Können beweisen zu können. Bei Borussia Dortmund stand er lange im Schatten von Roman Weidenfeller. Eine Schwächephase Weidenfellers konnte Langerak in der Spielzeit 2014/15 nur kurzzeitig zum Aufstieg zur Nummer eins nutzen. Nach der Saison verpflichtete die Borussia Roman Bürki als neue Stammkraft. Langerak war gut, aber nicht gut genug für die Spitzenmannschaft aus dem Pott.

Was Langner über Tyton sagt

Dann der Wechsel nach Stuttgart, mit der Aussicht auf ein Duell um den festen Platz im Tor. Doch drei Wochen vor dem Saisonstart verletzte sich Langerak. Aus einem „kleinen Muskelbündelriss an der Oberschenkelrückseite“ erwuchs eine hartnäckige Verletzung, in deren Folge der Schlussmann erst zur Rückrunde wieder fit wurde. Przemyslaw Tyton spielte eine wechselhafte Saison und wurde am vorletzten Spieltag in einer Panikaktion von Trainer Kramny durch Langerak ersetzt. Doch da war die Bundesliga für den VfB schon den Neckar runter.

Langerak möchte nicht mehr auf das erste unglückselige Jahr in Stuttgart zurückblicken, und auch Torwarttrainer Marco Langner lässt sich nur soviel entlocken: „Für Titti (Tyton; d. Red.) wäre es nach dem Abstieg schwer geworden. Er war bei den Fans in einer Schublade drin, von daher war ein Wechsel die richtige Entscheidung.“

Tyton darf sich in La Caruna auf die Primera Division freuen, und beim VfB herrschen klare Verhältnisse. Die Rangfolge im Tor ist fix, hinter Langerak duellieren sich Hoffenheim-Neuzugang Jens Grahl (27) und Benjamin Uphoff (22) um die Stellvertreterposition – mit dem erfahreneren Grahl als Favoriten. Dass der gebürtige Stuttgarter wiederum keine Ansprüche auf einen Stammplatz stellt, erspart dem Trainerteam eine Torhüterdiskussion.

Stärken und Schwächen der Nummer eins

Langeraks rasches VfB-Bekenntnis nach dem Abstieg kam beim Anhang gut an. Durch seine offene Art hat er das Zeug zum Publikumsliebling. Seine Argumente für den Verbleib klingen nachvollziehbar. „Ich will spielen. Außerdem bin ich kein Typ, der jedes Jahr den Verein wechselt.“ Für ihn sei schon früher klar gewesen, dass er nicht aus Stuttgart weg will – unabhängig vom Ausgang der Saison.

„Ob Bundesliga oder zweite Liga, ist ihm gar nicht so wichtig“, meint Langner. „Er hat in Dortmund mit Meisterschaft und Pokal alles erreicht, jetzt freut er sich einfach darauf, zwischen den Pfosten zu stehen.“ Und das verletzungsfrei. „Ich habe viel Selbstvertrauen und weiß, was ich kann“, sagt der Aussie in seinem typischen Denglisch-Singsang. Weil es mangels Einsätzen den meisten bisher verborgen geblieben ist, preist Torwarttrainer Langner die Stärken seines Schützlings: „Seine Ausstrahlung und seine Fangsicherheit. Außerdem hat er eine super Sprungkraft und geht mutig aus dem Tor heraus.“ Von Schwächen will der frühere Kickers-Keeper nicht sprechen, man arbeite aber noch daran, das Spiel schnell zu machen, sagt er.

Und die fehlende Spielpraxis? „Die holt er sich schnell“ , ist Langner überzeugt. Nach der Vorsaison mit 75 Gegentoren wären sie beim VfB über einen unterbeschäftigten Schlussmann aber auch ganz froh.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: