Stephen Sama (li.) geht in der Abwehr des VfB beherzt zur Sache. Foto: dpa

In der jungen Zweitligasaison haben sich beim VfB zwei Youngster in den Vordergrund gespielt: Innenverteidiger Stephen Sama erinnert an Antonio Rüdiger, und Berkay Özcan bekam den Vorzug vor Alexandru Maxim.

Stuttgart - Das Internet handelt ihn bereits als „the next Antonio Rüdiger“ – was vielleicht ein wenig vorschnell geurteilt ist. Trotzdem hat der junge VfB-Innenverteidiger Stephen Sama, 23, mehr mit dem Nationalspieler vom AS Rom gemein als Körperbau, Spielposition und Hautfarbe. Wie Rüdiger agiert Sama robust und kopfballstark, ist zuweilen aber noch zu ungestüm auf dem Spielfeld unterwegs, was etwa in der zweiten Zweitligapartie seiner aufstrebenden Karriere, beim 0:1 in Düsseldorf, zu sehen war: Da ging der Abwehrmann ungeschickt in den Zweikampf mit dem Fortunen Oliver Fink – und verursachte so einen letztlich spielentscheidenden, wenn auch heftig umstrittenen Foulelfmeter.

Trotzdem steht es außer Frage: Wie sein dicker Kumpel Antonio Rüdiger, mit dem Stephen Sama einst das Innenverteidiger-Pärchen in der U 17 von Borussia Dortmund bildete, ist auch Stephen Sama ein Versprechen für die Zukunft. Auch wenn die Nummer 41 des VfB in seiner Entwicklung dem Vergleich mit seinem zwei Tage älteren Freund (noch) nicht standhalten kann. Denn Rüdiger, der sich nach seinem Kreuzbandriss im deutschen EM-Trainingslager in Evian wieder im Aufbautraining befindet, musste am Dienstagabend tatenlos zusehen musste, wie die Roma in den Play-offs beim 0:3 gegen den FC Porto den Einzug in die Gruppenphase der Champions League verspielte. Sama dagegen ist erst dabei, sich im deutschen Profifußball zu etablieren – in Liga zwei wohlgemerkt.

In der Beurteilung seines jungen Verteidigers geht der VfB-Trainer Jos Luhukay, sonst eher ein Freund der moderaten Töne, aber emotional regelrecht aus dem Sattel: „Er ist auf dem Spielfeld ein echte Antreiber mit einer tollen Mentalität“, lobt der Chefcoach den jungen Profi, der in Kamerun geboren wurde und als Siebenjähriger mit der Familie nach Bochum kam: „Man muss ihn eher bremsen als anschieben. Denn er tut alles dafür, um in der ersten Elf zu stehen.“

2009 eingebürgert, hat Sama sämtliche Juniorenteams des DFB durchlaufen. Noch in der Jugend ging er zum FC Liverpool, schaffte dort aber auch aufgrund vieler Trainerwechsel nicht den erhofften Durchbruch. Also lotste ihn Rainer Adrion vor zwei Jahren zum VfB, wo Sama zunächst in der zweiten Mannschaft Fuß fasste.

Öffentlich darf sich Sama nicht äußern

Weil er sich im Gefüge des VfB-Zweitligateams nun in Ruhe zu einer Stütze entwickeln soll, spricht ihm Luhukay vor dem Spiel am Freitag (18.30 Uhr) beim SV Sandhausen eine Einsatzgarantie aus („Ich bin kein Freund davon, die Abwehr jede Woche zu verändern“). Die Presseabteilung des Clubs hat dem jungen Innenverteidiger zeitgleich liebevoll einen Maulkorb umgehängt. Also wird es von Stephen Sama bis auf weiteres nichts zu hören geben, denn er soll sich ganz auf den Fußball konzentrieren.

Selbiges gilt auch für den zweiten Hoffnungsträger aus dem eigenen Stall, den 18 Jahre jungen Berkay Özcan. Der Deutschtürke ist von seinem Naturell her ohnehin anders als der lebensfrohe Sama ein ziemlich ruhiges Naturell, weiß sich aber durchzusetzen. „Er besitzt einen sehr guten Charakter, um als Profifußballer durchzustarten“, sagt Jos Luhukay: „Er ist lernwillig und sehr aufnahmebereit. Berkay hat noch viel vor sich. Wenn er so weiter macht, wird der VfB noch viel Freude an ihm haben.“

Wie Sama besitzt auch der türkische Junioren-Nationalspieler Özcan, der einst von Michael Gentner, dem Leiter des VfB-Nachwuchszentrums vom Karlsruher SC losgeeist wurde, einen prominenten Fürsprecher: Dies ist der Nationalspieler Mesut Özil. Dessen Bruder Mutlu betreibt in Düsseldorf die Özil Marketing GmbH – und kümmert sich auch um die Karriere des VfB-Youngsters, der aus der eigene A-Jugend der Stuttgarter kommt. „Mesut ist ein fußballerisches Vorbild – und überhaupt nicht abgehoben“, sagte Özcan, als ihn der Arsenal-Profi im vergangenen Herbst in Stuttgart besuchte. Kein Wunder also, dass auch Scouts aus der englischen Premier League und der italienischen Serie A Witterung aufgenommen haben – und die Entwicklung des Talents verfolgen.

Alexandru Maxim wird wohl wieder auf der Bank sitzen

Als feiner Techniker und Zukunftskandidat für die Position des Regisseurs im VfB-Spiel muss der 18-Jährige unter anderem noch an seiner Schnelligkeit arbeiten, die als sein größtes Manko gilt. Jos Luhukay ist aber schon jetzt von Özcan derart angetan, dass er ihn in der Zweitliga-Auftaktpartie gegen den FC St. Pauli sowie am vergangenen Wochenende im DFB-Pokal beim FC Homburg dem etablierteren Alexandru Maxim vorzog.

Warum der rumänische Nationalspieler Maxim, der von den Fähigkeiten her ein Spielmacher von gehobenem Zweitligaformat ist, bei ihm nur die zweite Geige spielt, das will der Niederländer nicht verraten. Lieber spricht Luhukay über die Qualitäten seines Talents: „Er kann es in seiner Laufbahn weit bringen“, sagt der VfB-Cheftrainer über Özcan, der bis auf weiteres in einem bescheidenen Ein-Raum-Apartment in der Jugend-Akademie des Vereins wohnt.

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