Stuttgarter Jubel: Simon Terodde (links.) und Keeper Ron-Robert Zieler (Zweiter von rechts) feiern mit den Kollegen den Sieg in Cottbus Foto: Baumann

Die Stuttgarter bezwingen den Regionalligisten Energie Cottbus erst im Elfmeterschießen. Försters Fehlschuss brachte den VfB eine Runde weiter.

Cottbus - Am Ende rannte der VfB-Torhüter Ron-Robert Zieler strahlend aus seinem Kasten, seine Mitspieler stürmten jubelnd auf ihn zu – bei den Stuttgarter Profis herrschte die pure Erleichterung. Nach 120 Minuten Kampf und viel Krampf. Und nach einem nervenaufreibenden Elfmeterschießen, das das Team von Trainer Hannes Wolf am Sonntagabend beim Regionalligisten Energie Cottbus mit 4:3 für sich entschied. Nach der regulären Spielzeit hatte es 2:2 (0:2) gestanden.

Dabei blieb es in der Verlängerung, weshalb der VfB den Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals in der Lotterie vom Punkt klarmachen musste. Die beiden letzten Cottbuser Schützen Björn Ziegenbein und Benjamin Förster vergaben, nachdem zuvor der VfB-Profi Berkay Özcan verschossen hatte.

Gute Moral gezeigt

„Wir können uns glücklich schätzen, dass wir weiter im DFB-Pokal spielen dürfen“, sagte Trainer Hannes Wolf, „Cottbus hätte den Sieg verdient gehabt.“ Das wiederum war Torhüter Zieler egal. „Am Ende fragt keiner mehr, wie wir gewonnen haben, wir haben gute Moral gezeigt“, sagte er – und lag damit wohl nicht ganz richtig. Denn der über weite Strecken fahrige, konfuse und uninspirierte Auftritt des VfB samt des 0:2-Rückstandes zur Pause gegen einen Viertligisten war ein deutliches Alarmsignal vor dem Bundesligastart an diesem Samstag bei Hertha BSC. So jedenfalls wird sich der Aufsteiger nicht mehr präsentieren dürfen, will er den Liga-Auftakt nicht vermasseln.

Dabei hatte der VfB kurzfristig auf Innenverteidiger Timo Baumgartl verzichten müssen, den Schwindelgefühle plagten. Er hatte am Samstag im Training einen Ball an den Kopf bekommen. Damit verschärfte sich die Problematik in der Abwehr noch zusätzlich. Der Linksverteidiger Emiliano Insua (tiefe Risswunde) fällt ohnehin noch wochenlang aus, sein Vertreter Ailton fehlte ebenso verletzt wie die beiden jüngsten Neuzugänge. Holger Badstuber (Gelbsperre) und Dennis Aogo (leichte muskuläre Probleme) waren gar nicht im Kader.

So lief der VfB beim FC Energie mit einer Not-Viererkette auf – und ohne einen Abwehrspieler auf der Bank. Benjamin Pavard und Marcin Kaminski bildeten die Innenverteidigung, der gelernte Mittelfeldspieler Dzenis Burnic (links) und Matthias Zimmermann (rechts) halfen auf den Außen aus.

Burnic war ein Unsicherheitsfaktor

Was die neuformierte Abwehrreihe in Cottbus ablieferte, erinnerte an den viel zitierten Hühnerhaufen. Insbesondere Burnic war ein Unsicherheitsfaktor und verschuldete prompt das 0:1. Unglücklich legte er den Ball in der sechsten Minute im eigenen Strafraum nach rechts auf den Cottbuser Fabio Viteritti, der frei stehend einschieben konnte.

Zu allem Überfluss agierte auch der defensive Mittelfeldspieler Ebenezer Ofori fahrig und unsicher – und verschuldete den Freistoß, der in der 28. Minute zum 0:2 führte. Nach einer misslungenen Kopfballrückgabe beging er ein Foul an der Strafraumgrenze. Maximilian Zimmer nutzte die Chance und schlenzte den Ball an die Unterkante der Latte. Die Kugel landete im Netz. Der VfB war nun mehr denn je gefordert. Nachdem Offensivmann Takuma Asano in der 12. Minute den Ball an die Latte schoss, war es Stürmer Simon Terodde, der nach einer Hereingabe von rechts und einer Reaktion des Cottbuser Keepers Alexander Meyer zu überrascht war und die Kugel nicht im Tor unterbrachte (38.).

Nur zwei Chancen vorne, totale Konfusion hinten – der VfB lieferte eine miserable erste Hälfte ab. Auch Kapitän Christian Gentner erwischte einen schwachen Tag. Eigentlich war er gar nicht für die Startelf vorgesehen, er rückte nur aufgrund des kurzfristigen Ausfalls von Timo Baumgartl ins Team.

Defensife stabilisierte sich

In der zweiten Hälfte stabilisierte sich der VfB immerhin in der Defensive – und kam zum Ausgleich. Zunächst erzielte Josip Brekalo nach feiner Einzelleistung das 1:2 (49.). Auf der linken Seite startete er sein Solo, zog dynamisch nach innen und traf mit einem platzierten Flachschuss von der Strafraumgrenze ins lange Eck.

Wer nun aber einen Stuttgarter Sturmlauf erwartete, sah sich getäuscht. Nach vorne agierte der VfB weiter planlos und konnte sich keine großen Chancen herausspielen. So war es der Cottbuser Innenverteidiger José Matuwila, der weiterhelfen musste – mit einem Eigentor. In der 77. Minute wollte VfB-Stürmer Simon Terodde den Ball auf Daniel Ginczek legen. Matuwila ging mit dem linken Fuß dazwischen und fälschte den Ball unglücklich gegen den Lauf von Keeper Meyer zum 2:2 ins Tor ab.

2:2 stand es nach 90 Minuten – und 2:2 nach Verlängerung, in der Energie dominierte. Marc Stein köpfte den Ball zunächst an die Latte, ehe Ginczek allein aufs Cottbuser Tor zulief, den Ball aber vertändelte. In der Nachspielzeit kam Cottbus fast zum Siegtreffer, als Marcelo Freitas die Kugel knapp vorbei köpfte. Es ging ins Elfmeterschießen, nach dem der VfB jubeln durfte.

VfB Stuttgart - 1. Bundesliga

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