Alexander Zorniger, wie er leibt und lebt – und bleiben will Foto: Getty

Alexander Zorniger steht in der Kritik: sportlich – und weil er immer wieder die eigenen Spieler vor den Kopf stößt. Das kommt beim VfB Stuttgart und seinem Anhang nicht gut an. Doch Zorniger bleibt, wie er ist – eine Gratwanderung.

Stuttgart - Alexander Zorniger macht einen aufgeräumten Eindruck, als er zur Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen Ingolstadt an diesem Sonntag (17.30 Uhr/Sky) erscheint. Der Trainer verströmt den Eindruck: Die Länderspielpause hat ihm gutgetan. Der Dauerdruck auf den Coach des Tabellenletzten hat in der spielfreien Phase etwas nachgelassen, er konnte etwas Abstand gewinnen, die Dinge überdenken – aber hat er auch sich und sein vielkritisiertes Auftreten in der Öffentlichkeit überdacht?

Für einen Augenblick scheint es, als sei Zorniger mit sich ins Gericht gegangen und habe sich zu jener Mäßigung ermahnt, die der Sportvorstand Robin Dutt von ihm einfordert. „Mach das eine oder andere bitte das nächste Mal intern und nicht so laut“, hat Dutt ihn ermahnt, nachdem Zorniger (48) erst Georg Niedermeier, danach Daniel Didavi und schließlich auch Timo Werner gerüffelt oder veräppelt hatte. „Wenn ihm alle vier Wochen am Spieltag ein Ding rausrutscht, ist das okay“, sagt Dutt über die Äußerungen des Trainers, „wenn aber in einer Woche drei Dinge gehäuft kommen, wäre das zu viel.“

Zorniger, wie gesagt, wirkt geläutert, zumindest ein Stückchen weit. „Für die Kritik“, sagt er, „habe ich aus pädagogischer Sicht Verständnis.“ Pause, Zusatz: „Vielleicht bin ich deshalb kein Pädagoge geworden.“ Wobei er, würde das so ausschließlich stimmen, das Berufsbild eines Trainers fehlinterpretieren würde. Wer 25 Individuen mit 25 Egos zu einer Einheit zusammenführen muss, ist sehr wohl auch als Pädagoge gefordert.

„Es muss erlaubt sein, dass man seine Emotionen auslebt“

Sei’s drum, mit seinem Zugeständnis, findet Zorniger, habe er genug Buße getan. Denn dann fordert er seinerseits Verständnis – für sich und sein zuweilen brüskes Verhalten. Etwa, wenn er die sportliche Misere mit Begriffen aus der Fäkalsprache beschreibt. Oder wenn er Didavi abspricht, wegen seines lange Zeit anfälligen Knies nicht den Ansprüchen eines Champions-League-Clubs wie Bayer Leverkusen zu genügen, der ihn im Sommer verpflichten wollte. Oder wenn er mit übertriebener Geste Timo Werner und dessen Kusshändchen beim Torjubel in Hoffenheim nachäfft. „Als Trainer muss ich das Recht haben, das Verhalten eines Spielers in einer Art zu kommentieren, die nur ich festlege“, sagt Zorniger – und fühlt sich durch Robin Dutt bestätigt. Schließlich habe der Sportvorstand bei der Mitgliederversammlung am vergangenen Sonntag betont: „Mit einem Kuschelkurs kommen wir nicht aus der sportlichen Krise.“ Damit sieht Zorniger sein zuweilen ruppiges Auftreten ausreichend legitimiert: „Wenn wir keinen Kuschelkurs fahren, muss es erlaubt sein, dass man seine Emotionen auch mal auslebt.“

Damit hat er aber etwas missverstanden, wie Robin Dutt deutlich macht. „Wir wollten einen Trainer, der auch bereit ist, den Finger in alte Wunden zu legen. Aber zuletzt waren ein paar Dinge dabei, die man ansprechen musste.“ Und so haben sie miteinander gesprochen – erst die Spieler mit Zorniger, dann Dutt sowie Präsident Bernd Wahler mit Zorniger. Die Botschaft der beiden Vorstandsherren scheint jedoch nur unzureichend angekommen zu sein. „Mir wurde gesagt: Zorniger, bleib, wie du bist“, sagt der Trainer. Daran hält er sich.

Er werde demnächst bestimmt nicht mit Anzug und Krawatte am Spielfeldrand stehen, und genauso wenig werde er stumm die Faust in der Hosentasche ballen, wenn ihm etwas missfällt: „Das Einzige, worauf ich aufpassen muss, ist, dass das, was ich sage, gar nicht mehr richtig rüberkommt – aufgrund dessen, wie ich es sage.“

Entertainer Harald Schmidt findet Zorniger „sehr sympathisch“

Alexander Zorniger oder: Ein Trainer geht unbeirrt seinen Weg.

Im Spiel beim Hamburger SV hatte er sich Daniel Ginczek zur Brust genommen, „und 30 Sekunden später hat er ein Tor gemacht“. So falsch, leitet er daraus ab, könne also nicht sein, was er tut und redet. Und überhaupt, hebt er an und schmunzelt: „Solange Harald Schmidt auf meiner Seite steht, ist alles gut.“ Der Entertainer hatte kürzlich erklärt, er finde Zorniger „sehr sympathisch“ und finde, der VfB-Trainer sei auf einem guten Weg: „Punkte sind ja nicht alles im Fußball.“ Wenn das bloß kein weiteres Missverständnis war.

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