Möglicher Ersatz für Carlos Dié: Lukas Rupp Foto: Baumann

Es ist das erste Pflichtspiel unter Alexander Zorniger – und ein Sprung ins Ungewisse. Wie reagiert die Mannschaft des VfB Stuttgart auf mögliche Stresssituationen? „Ich bin selbst gespannt“, sagt der neue Trainer vor dem DFB-Pokalspiel beim Drittligisten Holstein Kiel.

Stuttgart - Bisher konnte sich Alexander Zorniger nicht beklagen, was das Verletzungspech seiner Profis angeht. Durch die Saisonvorbereitung kam die Mannschaft mit Ausnahme von Mitch Langerak und Antonio Rüdiger nahezu ungestreift, und auch vor dem Pokal-Auftritt bei Holstein Kiel an diesem Samstag (20.30 Uhr/Sky) fällt nur ein weiterer Spieler aus. Dummerweise heißt er Serey Dié, und das ist aus Sicht von Zorniger eine mittlere Katastrophe. Ausgerechnet der Ivorer – dieser Kämpfer vor dem Herrn! „Serey ist derjenige bei uns, der mit jeder Faser die Bequemlichkeit aus der Truppe jagt“, seufzt der Trainer. Dié kämpft, rennt und rackert. Er läuft Bälle ab, rüttelt wach und fährt dazwischen. Mit Worten und mit seinem Körper. An ihm können sich alle anderen orientieren. Spieler wie er tun jeder Mannschaft gut. Nur: Spieler wie er sind selten. Auch beim VfB. „Wir können ihn nicht eins zu eins ersetzen, wir haben keinen echten Ersatz für ihn“, sagt Zorniger und legt die Stirn in Falten.

Für einen Moment entspannt er sich und sagt: „Nun gut, wir reden nicht von einem Kreuzbandriss.“ In zwei Wochen soll der defensive Mittelfeldmann wieder einsatzfähig sein. Schon Mitte kommender Woche soll er aus der Reha-Welt auf den Trainingsplatz zurückkehren. „Ich will seine Qualität und seine positive Art bei uns haben“ begründet Zorniger die Eile. Nur: Auf die Schnelle muss er sich anders behelfen. Und dann kehrt diese ungute Verspannung in seine Gesichtszüge zurück.

Es gibt zwei Optionen, wer Dié ersetzen kann. Neuzugang Lukas Rupp, den Zorniger als den „klareren Strategen“ bezeichnet. Oder Carlos Gruezo, der „aggressivere Zweikämpfer“. Einer von beiden wird den Sechser im Spiel geben. Doch damit ist es nicht getan. „Die ganze Mannschaft muss Mentalität zeigen“, fordert er. Zorniger erhebt das Spiel in Kiel zum Charaktertest.

Zorniger warnt vor lascher Einstellung

Er sagt das lieber dreimal zuviel als einmal zu wenig. Denn für ihn ist die Partie wie ein Sprung ins Ungewisse. Er ist sich alles andere als sicher, dass die Mannschaft sein System und die daraus resultierenden Anforderungen verinnerlicht hat: immer wach sein, immer pressen, immer laufen, immer nachsetzen. „Nach unserem Sieg gegen Manchester City denkt womöglich mancher, es reichen auch 20 Prozent weniger, es geht ja nur gegen einen Drittligisten“, sagt Zorniger, „aber mit so einer Einstellung wären wir schlecht beraten.“ Im Training erkennt er ab und zu leichte Nachlässigkeiten, die ihn an die vergangene Saison erinnern. Deshalb wehrt er den Anfängen, mahnt zu höchster Konzentration und hofft, dass die Mannschaft dies nun auch im ersten Pflichtspiel umsetzt: „Ich bin selbst gespannt, die Mannschaft jetzt richtig kennenzulernen.“ Da geht es ihm wie den 1450 mitreisenden Fans.

Die Stürmer Daniel Ginczek und Martin Harnik, die zuletzt pausiert hatten, sind zurück im Training – und wichtige Bausteine für den ersehnten Erfolg in Kiel. „Führungsspieler wie sie sind jetzt noch mehr gefragt“, mahnt der Trainer und zählt auch Christian Gentner, Florian Klein und Daniel Didavi namentlich auf: „Wenn Zweikämpfe nicht korrekt geführt werden, müssen sie ihre Mitspieler wachrütteln. Jeder muss ein paar Prozent mehr geben.“

Der Trainer kalkuliert das Scheitern ein

Die vergangene Saison müsste genug Warnung sein. Damals schieden neun Bundesligisten in der ersten Runde gegen unterklassige Gegner aus, auch der VfB (gegen Zweitligist VfL Bochum). Diesmal will er nicht dazu gehören, auch wenn Zorniger davon alles andere als überzeugt ist: „Es wäre kein Wunder, wenn etwas schief ginge.“

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