Rivalen im Rennen um den Stammplatz: Die VfB-Torhüter Mitch Langerak (links) und Ron-Robert Zieler. Foto: AFP, Baumann

Es kann nur einen geben: Mitch Langerak und Ron-Robert Zieler kämpfen beim VfB um den Torhüterposten. Nun naht die Entscheidung. Ein Vergleich der beiden Keeper und unser Fazit.

Stuttgart - Zieler oder Langerak? Das ist die große T-Frage beim VfB Stuttgart. Und Hannes Wolf muss sie beantworten. Bisher hat der Trainer des Fußball-Bundesligisten aber noch nicht verkündet, welchem Torwart er den Posten zwischen den Pfosten anvertraut. „Das ist eine schwierige Entscheidung, und ich will sie nicht zu früh treffen“, sagt Wolf. Doch jetzt naht der Pflichtspielauftakt mit der DFB-Pokal-Partie am Sonntag (18.30 Uhr) bei Regionalligist Energie Cottbus, und damit die Stunde der Klarheit. Eine Einschätzung.

Die Ausgangslage

Mitch Langerak trägt beim VfB das Trikot mit der Nummer eins. Er ist auch der Aufstiegstorwart und bei den Fans beliebt. Zuletzt jubelten sie ihm in Reutlingen zu, als er sich hinter dem Tor seines ­Rivalen Ron-Robert Zieler (Rückennummer 16) auf seinen Einsatz gegen Real Betis Sevilla (1:2) vorbereitete. Doch die Sympathien für Langerak sind das eine, die Anforderungen an einen modernen Erstligatorwart das andere. Deshalb haben die Stuttgarter Zieler von Leicester City verpflichtet. Für vier Millionen Euro an Ablöse. Reichlich Geld für eine Stelle, die nicht schlecht besetzt war. Aber einen Torhüter musste der VfB holen, da Benjamin Uphoff zum Karlsruher SC wechselte – und er ­entschied sich für einen starken Mann.

Die Vorbereitung

Trainer Hannes Wolf hat die Spielzeit in den Vorbereitungsbegegnungen zwischen den beiden Anwärtern auf den Torhüterposten gerecht aufgeteilt. So hatten sowohl Zieler als auch Langerak die Chance, sich in Position zu bringen. Von der Anzahl der Gegentore hat Langerak dabei die bessere Bilanz. Zieler musste allein beim 3:3 gegen den Premier-League-Aufsteiger Huddersfield Town dreimal hinter sich greifen und gegen Betis landete seine Faustabwehr bei Fabian Ruiz, der zum 1:1 traf. Dennoch hat der Weltmeister von 2014 nach seinem Einstieg im ersten Trainingslager des VfB am Chiemsee insgesamt einen guten Eindruck hinterlassen. Auch wenn ihm nach einem halben Jahr ohne Einsatz in England die Spielpraxis fehlt. Insgesamt, so heißt es, hat sich das Leistungsniveau in der Gruppe (Jens Grahl gehört noch dazu) von Torwarttrainer Marco Langner deutlich verbessert, seit Zieler beim VfB ist. Das spricht für den leistungsfördernden Konkurrenzkampf, den sich Wolf versprochen hat.

Die Stärken

Mitch Langerak ist ein Linientorhüter. Der Ex-Dortmunder fühlt sich am wohlsten, wenn er seinen 7,32 breiten und 2,44 Meter hohen Kasten um sich weiß. Dann kann er blitzschnell reagieren. Und wenn er schon raus muss, dann am besten, um mutig eine Eins-gegen-eins-Situation zu klären. Auch darin ist Langerak stark. Zieler ist dagegen der Typ elfter Feldspieler. Sicher mit beiden ­Füßen am Ball, mit guter Antizipation und unspektakulären Paraden. Aber gerade das macht den 28-Jährigen zu einem kompletten Schlussmann. Dazu dirigiert der frühere Nationaltorwart seine Vorderleute lautstark und klar bis in das Mittelfeld hinein.

Die Schwächen

Ron-Robert Zieler muss erst wieder an Vertrauen gewinnen – an Selbstvertrauen nach einer schwierigen Saison in Leicester, aber auch die Mitspieler und Fans brauchen Zutrauen. Und je länger der Trainer Hannes Wolf damit wartet, sich auf eine Nummer eins festzulegen, desto schwieriger wird es für den Ex-Hannoveraner, sich auch in der Kabine einzubringen. Das ist aufgrund ­seiner Erfahrung aber vorgesehen. Mitch Langerak gehört seit vergangenem Winter zum Mannschaftsrat. Der gerne als Sonnyboy bezeichnete Australier ist beim Fußball jedoch ein in sich gekehrter Typ. Sobald er das Trainingsgelände sieht, verschwindet er in seinen mentalen Tunnel. Dann spricht er kaum und gibt sich seit Zielers Verpflichtung noch wortkarger, weil er diese als Degradierung empfindet. Eine Alternative zu ihm wurde gesucht, weil sich Langerak in seiner Fußarbeit zwar verbessert hat, aber es immer noch Defizite gibt. Wolf benötigt für die Umsetzung seiner Spielidee jedoch jemanden, der bei Rückpässen nicht flattert.

Die Pokallösung

Hannes Wolf könnte es sich etwas einfacher machen und dem Verlierer im Torwartduell zumindest Einsätze im Pokalwettbewerb zusichern. Eine solche Lösung haben bereits Clubs wie der FC Barcelona oder Borussia Dortmund gewählt. Allerdings kommen diese Mannschaften mit ihren internationalen Auftritten auf eine viel höhere Anzahl von Spielen als der VfB. Deshalb ­ergibt die Aufteilung in einen Ligatorwart und einen Pokalkeeper wenig Sinn.

Das Fazit

Ron-Robert Zieler wird Stammtorhüter. Ganz einfach, weil er in der Summe der Bessere ist und ein größeres Sicherheitsgefühl vermittelt. Gerade wenn man vor dem VfB-Schlussmann eine Wackelabwehr hat. Allerdings gibt es keinen Automatismus, denn Hannes Wolf gibt ständig Bekenntnisse zum ewigen Konkurrenzkampf ab – auf allen Positionen. Mitch Langerak muss sich im Fall der Fälle bei diesem Trainer ­also nicht abgeschrieben fühlen.

VfB Stuttgart - 1. Bundesliga

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