VfB-Präsident Wolfgang Dietrich sprach vor Fans über die Lage. (Symbolbild) Foto: Pressefoto Baumann

Am Donnerstagabend stellte sich das VfB-Oberhaupt der murrenden Basis beim Fanclub „Highlander“ im oberschwäbischen Ummendorf. Abstiegsangst, Guido Buchwald, Fehleinkäufe, Pablo Maffeo, Tayfun Korkut – an Themen gab es keinen Mangel.

Ummendorf - Wegducken ist nicht die Sache von Wolfgang Dietrich. Gestählt in der Fehde um Stuttgart 21, krisenerprobt auch als Präsident des VfB Stuttgart. Da kann ihn auch die aktuelle Lage bei seinem Verein nicht schocken. Oder etwa doch?

Ortsbesuch im Fanclub „Highlander“ in Ummendorf

Am Donnerstagabend jedenfalls stellte sich das VfB-Oberhaupt der murrenden Basis. Ortsbesuch beim Fanclub „Highlander“ im oberschwäbischen Ummendorf. 600 Mitglieder, keine Ultras, eher Normalos. Unzufrieden dennoch. Wie eigentlich alle im Kreise der weiß-roten Familie. Als „Gang nach Canossa“ hatte die örtliche „Schwäbische Zeitung“ die bereits im Sommer terminierte Gesprächsrunde bei der Ummendorfer Bürgerstiftung angekündigt. Dietrich in der Höhle der Highlander. Bühne frei.

Abstiegsangst, Guido Buchwald, die Ausgliederung, Fehleinkäufe, Pablo Maffeo, Tayfun Korkut, Jan Schindelmeiser – an Themen ist vor den 200 Besuchern kein Mangel. Und der 70-Jährige spricht Klartext. Wie zur jüngsten Eskalation im VIP-Raum, nach der Aufsichtsrat Guido Buchwald hinschmiss. „Wir bedauern das“, erklärte der Club-Boss. Wirklich verstehen konnte er es nicht. Denn: „Keiner hat ihm den Vorwurf gemacht, er sei schuld an Platz 16. Das wäre ja auch absurd.“ Natürlich seien die Nerven nach dem 2:2 gegen Freiburg blank gelegen, habe „ein Wort das andere ergeben“. Aber: „Wenn jeder zurücktreten würde, wenn solche Sätze fallen, müsste ich fünfmal am Tag zurücktreten.“

Dietrich hofft, dass Maffeo doch kein Flopp war

Stichwort Pablo Maffeo. Den Zehn-Millionen-Euro-Einkauf hatte Dietrich kürzlich als „Flop“ bezeichnet, ihn dann aber nicht wie beabsichtigt verliehen bekommen. Stopp, sagte Dietrich. Und rückte die Geschichte mit dem Flop zurecht. Er habe gesagt, „ich bin überzeugt, dass wir das hinbekommen. Wenn nicht, dann war es ein Flop.“ Das sei ein Unterschied. Und zumindest Dietrich hat die Hoffnung, dass das noch was wird mit Maffeo und dem VfB: „Er ist ein Riesenfußballer.“

Der dennoch sinnbildlich für die missglückte Einkaufspolitik steht. Diesem ständig wiederkehrenden Vorwurf wollte der Häuptling der Roten gar nicht widersprechen. Genauso wie so manch falscher Personalentscheidung wie bei der Vertragsverlängerung mit Tayfun Korkut. Immer wieder muss Dietrich eingestehen: „Hinterher ist man immer schlauer.“

Als auch im Nachhinein richtig bezeichnete er hingegen die Entscheidung, sich im Sommer 2017 von Jan Schindelmeiser zu trennen. Für viele Fans markierte die Trennung des einstigen Managers den Beginn der aktuellen Krise. „Sagen Sie doch bitte endlich, warum genau sie Jan Schindelmeiser entlassen haben“, fühlte der Fanclub-Vorsitzende Martin Koch dem Präsidenten unter großem Beifall auf den Zahn. Dietrich sagte nur soviel: „Alle waren sich einig: Es geht nicht mehr.“ Und er sieht sich auch heute noch bestätigt. „Er war vor seinem Engagement bei uns fünf Jahre ohne Job im Fußball und ist es jetzt seit zwei Jahren auch nicht mehr. Die Nachfrage nach ihm ist offenbar nicht sonderlich groß.“

Eine Antwort zu jedem Abgang in der vergangenen Zeit

So ging es weiter. Von Daniel Ginczek („Er wollte weg“) über die Jugendarbeit („Wir sind dran“) bis zu Markus Weinzierl („ein Riesentyp, aber auch er braucht Punkte“). Dietrich wusste auf alles eine Antwort. Am Ende konnte er die Highlander zumindest zähmen. Auch als es um den zweiten Investor ging. Mit zwei möglichen Partnern sei er täglich im Austausch, zeigte sich Dietrich überzeugt, bis Juni eine Ergänzung zu Anker-Investor Daimler gefunden zu haben. Das gelte selbst bei einem möglichen Abstieg in die zweite Liga. Dieses Szenario wollte er aber nicht vertiefen. Und die Fans auch nicht.

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