Ist nicht mehr Präsident des VfB Stuttgart: Wolfgang Dietrich. Foto: Baumann

Nach der chaotischen Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart am Sonntagabend hat Wolfgang Dietrich die größtmöglichen Konsequenzen gezogen. Der 70-Jährige erklärte am Montagvormittag seinen Rücktritt.

Stuttgart - „Es war mir eine Ehre, dem Verein dienen zu dürfen.“ Mit diesem Satz endet die Stellungnahme, die Wolfgang Dietrich am Montagvormittag über seinen Facebook-Kanal abgegeben hat. Der Inhalt davor: der Rücktritt des 70-Jährigen als Präsident des VfB Stuttgart.

„Nichtsdestotrotz habe ich mich dazu entschlossen, heute mit sofortiger Wirkung vom Amt des Präsidenten des VfB Stuttgart 1893 e.V., sowie vom Vorsitz des Aufsichtsrats der VfB Stuttgart 1893 AG zurückzutreten“, schreibt Dietrich am Tag nach der chaotischen Mitgliederversammlung des VfB am Sonntagabend.

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In der Mercedes-Benz-Arena wollte sich Dietrich dem Votum der Mitglieder stellen. 65 Anträge auf seine Abwahl waren zuvor eingegangen. Zu einer Abstimmung war es aber gar nicht gekommen. Aufgrund technischer Probleme konnten keine Wahlen durchgeführt werden, die Veranstaltung wurde nach rund sechs Stunden daher abgebrochen und auf Mitte September vertagt.

Vor dem Abbruch hatte es erneut einen hitzigen und emotionalen Schlagabtausch zwischen Kritikern und Befürwortern Dietrichs und dem Präsidenten selbst gegeben.

Manches erreicht, aber nicht alles

Dietrich war im Oktober 2016 für vier Jahre ins Amt des Präsidenten gewählt worden. Im Juni 2017 gliederte der Club unter seiner Regie die Profifußballsparte in die VfB Stuttgart AG aus, schon diese Entscheidung war zuvor sehr kontrovers diskutiert worden.

Nach dem Wiederaufstieg 2017 sowie der erfolgreichen Rückrunde der folgenden Saison beruhigte sich auch die Lage um den vor seiner Wahl heftig umstrittenen früheren Unternehmer. Im Laufe der Abstiegssaison nahmen die Proteste wieder zu und wurden lautstarker und heftiger. Kurz vor der Mitgliederversammlung erreichte die Debatte geschmacklose Züge.

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Dietrich hat in seiner fast dreijährigen Amtszeit Verein und AG (er war deren Aufsichtsratsvorsitzender) finanziell gut aufgestellt, die Daimler AG als Investor gewonnen, und die Mitgliederzahlen erheblich steigern (auf fast 70 000), konnte andere selbst gesteckte Ziele aber nicht erreichen. Zum einen sollte der VfB unter ihm den Weg zurück ins obere Drittel der Bundesliga gehen – nun stieg das Team erneut ab. Zum anderen gab es auf den sportlichen Führungspositionen auch unter Dietrich keine Kontinuität. Tim Walter ist aktuell der fünfte Cheftrainer der Profimannschaft des VfB, Thomas Hitzlsperger der dritte Sportvorstand.

Kritik auch am Verein

„Die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft und den sofortigen Wiederaufstieg sind gestellt“, schreibt er nun, rechnet aber auch noch einmal mit seinen Kritikern ab – und auch mit dem Verein als solchem.

„Ich lasse mir meine Würde und Ehre nicht von denjenigen nehmen, die ihre Macht lautstark und mit verbaler Gewalt demonstrieren. Ebenso wenig wie von denen, die sich schon seit langem an den gut gefüllten Töpfen unseres Vereins bedienen wollen“, schreibt Dietrich, „auch kann und möchte ich nicht mehr einer Organisation vorstehen, die weder willens ist, sich mit mir gemeinsam diesen Interessen entgegenzustellen, noch in der Lage, den einwandfrei funktionierenden Ablauf einer Mitgliederversammlung zu gewährleisten. Ganz egal, was sich im Nachlauf zur gestrigen Veranstaltung als Erklärung auftut – dafür hätte ein Verein wie der VfB Stuttgart gewappnet sein müssen.“

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