Der Stürmer überzeugt nicht nur als Torschütze und ist inzwischen voll angekommen beim VfB – nach einem schwierigen Start im Sommer.
Zweimal wurde es richtig laut, als die Profis des VfB Stuttgart mit den Fans das 3:2 gegen Union Berlin feierten. Zunächst wegen Atakan Karazor. Der hatte sein erstes Bundesliga-Tor für den VfB erzielt, was nach Spielende auch mit einem Sonderapplaus bedacht wurde. Der zweite Jubelsturm fiel dann aber nochmals um einiges intensiver aus – schließlich kam der Mann des Spiels nach vorne: Nick Woltemade trug mit seinen beiden Treffern maßgeblich zum Sieg gegen die Köpenicker bei, was nach Abpfiff absolut niemand in Zweifel stellte.
„Natürlich war Nick der entscheidende Spieler heute. Er hat das Momentum kreiert, was uns in der ersten Halbzeit nie gelungen ist“, sagte Trainer Sebastian Hoeneß über den zur Pause eingewechselten Stürmer, dem Sportvorstand Fabian Wohlgemuth die besten 45 Minuten seiner Zeit in Stuttgart attestierte.
Das lag natürlich zum einen an den Treffern, bei denen Woltemade Union-Keeper Frederik Rönnow sehr abgezockt überwand. Beim ersten umkurvte er ihn, beim zweiten spitzelte er den Ball gezielt in die lange Ecke. Clever und in absoluter Mittelstürmer-Manier habe der 22-Jährige jeweils abgeschlossen, lobte Wohlgemuth den Stürmer.
Karazor imponiert Woltemades Technik
Woltemades Einfluss beschränkte sich aber nicht auf die Tore: Er sicherte Bälle, verteilte sie weiter, war präsent und eingebunden. „Er hat wahrscheinlich die beste Technik, die jemand haben kann mit so einer Größe“, sagte Kapitän Karazor über den 1,98 Meter großen Hünen. Der bekam vor der Einwechslung eine klare Ansage: „Bring’ Energie rein“ habe Sebastian Hoeneß von ihm gefordert. „Ich glaube“, sagte Woltemade mit einiger Bescheidenheit, „ich habe die Aufgabe heute ganz gut angenommen.“
Keine Frage, der ablösefreie Sommer-Neuzugang von Werder Bremen kommt beim VfB immer besser in Fahrt – nachdem er keinen ganz einfachen Start gehabt hatte mit eher wenig Spielzeit. Hier ging auch Kapitän Karazor mit ihm in den Austausch, immer wieder. „Ich verstehe mich sehr gut mit ihm, wir reden sehr viel miteinander“, berichtete Karazor, der Woltemade in der Zeit ohne allzu viele Einsatzminuten Mut zusprach: „Ich sage den Jungs immer wieder: Das sind alles Erfahrungen, die ihr in eurer Karriere machen könnt. Wenn es mal schlechter läuft, kann man daran wachsen und daraus lernen. Genau das hat Nick in den letzten Wochen gemacht und sich jetzt dafür belohnt.“
Er hoffe, so Karazor, dass der starke Auftritt Woltemade weiteren Aufwind gebe: „Er muss aber dranbleiben und weitermachen. Wir reden immer noch über einen sehr jungen Spieler.“ Woltemade hilft dabei auch der Rückhalt der eigenen Familie: Seine Eltern sind auf einem der beiden Schienbeinschoner abgebildet, den er auch vor seiner Einwechslung gegen die Berliner wieder küsste. Weshalb? „Ich bedanke mich einfach, dass ich hier bin. Sie haben mich dahin gebracht. Daher sind sie immer auf dem Platz dabei.“
Einen Wermutstropfen aber gibt es im derzeitigen Höhenflug des Stürmers: Am Mittwoch in der Champions League gegen die Young Boys Bern (21 Uhr) wird Woltemade nicht spielberechtigt sein, da er im August nicht für den Kader in der Königsklasse gemeldet wurde und auch nicht nachnominiert werden kann. „Äußerst schade für ihn und für uns“ sei das, so Wohlgemuth, „er ist über die Wochen und Monate immer besser geworden.“ Das nächste Bundesliga-Spiel kommt aber natürlich schnell, vier Tage nach dem Bern-Spiel geht es für den VfB zum 1. FC Heidenheim. Mit einem dann ebenso ausgeruhten wie formstarken Nick Woltemade im Kader.