Dennis Aogo vom VfB Stuttgart spielt seit 14 Jahren in Deutschlands höchster Liga und musste schon oft mit viel Verantwortung und Drucksituationen umgehen. Foto: Pressefoto Baumann

VfB-Defensivspieler Dennis Aogo hat in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz sehr offen über Drucksituationen im Sport, das bemerkenswerte Interview von Per Mertesacker und die prägendste Zeit seiner Karriere gesprochen.

Stuttgart - Druck ist im Leistungssport, besonders auch im Fußball, ein Dauerthema. Wer Woche für Woche vor Zehntausenden in den Stadien der Bundesrepublik „abliefern“ muss, der muss damit umgehen können. Manche Spieler können dies besser, andere weniger.

„Ich befinde mich seit Jahren in einem Dauerdruckzustand. Ich spüre den Druck vor lauter Druck nicht mehr“, sagte einst Oliver Kahn zu seiner Zeit als Nationaltorhüter. Andere sind da deutlich sensibler. So gab unlängst Per Mertesacker ein großes Interview indem er zugab, sich manchmal vor Spielen vor lauter Druck erbrochen zu haben. Martin Amedick, ehemaliger Abwehrspieler in den obersten deutschen Ligen, gab zu, am Druck beinahe zerbrochen zu sein. Heute studiert er Psychologie und will jungen Spielern helfen, mit diesen Situationen umzugehen.

Auch Dennis Aogo vom VfB Stuttgart spielt seit 14 Jahren in Deutschlands höchster Liga und musste schon oft mit Drucksituationen umgehen. Darüber hat er vor gut zwei Wochen im Interview mit unserer Zeitung gesprochen und nun auch in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz, die in der vergangenen Woche aufgezeichnete worden ist. Wir haben seine Aussagen zusammengefasst.

Dennis Aogo über … Drucksituationen im Fußball und das Interview von Per Mertesacker

„Ich habe großen Respekt vor den Aussagen von Per Mertesacker. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Spieler mit seiner Reputation noch während der aktiven Karriere so ein Interview gibt. Druck ist immer gegeben, er ist immer da, das ist kein Geheimnis. Das ist auch der medialen Präsenz geschuldet, die sich in den letzten Jahren vervielfacht hat. Ich denke man muss als Aktiver einen Weg finden, damit umzugehen. Ich finde mich – zum Glück – nicht wieder in den Aussagen, denn ich hatte nie so extreme Probleme mit dem Druck. Ich habe Per immer als sehr ruhigen, in sich ruhenden Spieler erlebt. Umso unglaublicher sind seine Aussagen.“

Dennis Aogo über … das Problem, Schwäche zu zeigen

„Im Fußball ist es immer noch ein Problem, Schwäche zu zeigen. Das ist natürlich auch dem System geschuldet. Man weiß, dass man funktionieren muss und austauschbar ist. Es herrscht eine unglaubliche Konkurrenzsituation. Man muss sich jeden Tag beweisen, jeden Tag seinen Platz verteidigen. Wenn ich da dem Gegenüber zeige, dass ich eine gewisse Schwäche oder Ängste habe, dann wäre das ja eine Steilvorlage für den direkten Konkurrenten.“

Dennis Aogo über … psychologische Hilfe

„Viele Vereine bieten ja mittlerweile psychologische Hilfe an. Meist sind das festabgestellte Personen. Ich bin persönlich der Meinung – und die muss ja nicht richtig sein – dass es immer schwierig ist, sich jemandem zu outen, der vom Verein ist. Weil man immer irgendwie das Gefühl hat, dass es irgendwie transportiert wird. Daher würde ich es, so ich es in Anspruch nehmen wollte, immer extern machen. Was ich auch schon getan habe. Zu meiner HSV-Zeit.

Das war für mich eine wichtige und prägende Phase. Ich war jung, Nationalspieler, das Aushängeschild des Vereins. Auf mir lastete eine unglaubliche Verantwortung. Damit hatte ich damals Probleme und ich habe mir professionelle Hilfe gesucht. Rückblickend war das die beste Entscheidung meiner Karriere. Ich habe viel über mich gelernt und Werkzeuge an die Hand bekommen, um mich selbst zu regulieren. Das war wichtig, um eine schöne, lange und erfolgreiche Karriere zu haben. Deshalb würde ich diesen Schritt niemals bereuen.“

Dennis Aogo über … Geld, das die Profis verdienen

„Der wirtschaftliche Faktor im Fußball spielt eine große Rolle. Wir sind ein großer Teil dessen und müssen dafür auf einen großen Teil unserer persönlichen Freiheit verzichten. Ich bin jedoch von meinem Naturell her so, dass ich mich nicht darüber beklagen möchte und Energie für Dinge verschwenden möchte, die ich nicht beeinflussen kann. Mein Schwerpunkt ist es eine Lösung zu finden, in diesem Umfeld mit allen Vor-, und Nachteilen leistungsfähig zu sein. Es bringt mir nichts, wenn ich jeden Tag schlecht gelaunt zur Arbeit komme oder mich darüber aufrege, dass Fans mich kritisieren. Das bringt mich am Ende nicht weiter.“

Hier gibt es die komplette Sendung in der Mediathek zu sehen.

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