War kaum zu halten: VfB-Kapitän Atakan Karazor (rechts). Foto: Pressefoto Baumann/Volker Müller

Der VfB Stuttgart gewinnt mit 3:2 gegen den 1. FC Union Berlin. Ein Spiel, das viele Geschichten produziert. Die wohl schönste schreibt der VfB-Kapitän.

42 Versuche hat es gebraucht. In 118 Bundesliga-Spielen. Dann gelang es ihm endlich, das erste Tor in Deutschlands Eliteklasse. Ja, Atakan Karazor kann tatsächlich treffen, das Runde ins Eckige befördern. Lange Zeit, Wochen, Monate, ach was, Jahre musste der 28-jährige Essener Sprüche über sich ergehen lassen. In der Stuttgarter Mannschaftskabine war Karazors Harmlosigkeit vor der Kiste so etwas wie der Running Gag. Jetzt nicht mehr.

 

„Brutal. Ein brutales Gefühl. Ich wusste nicht einmal, was ich jetzt machen soll. Ich hätte zehn Jubel gleichzeitig machen können“, stammelte Karazor überglücklich in das Dazn-Mikrofon nach Ende der Partie. Er entschied sich für den Lauf an die Trainerbank, zu den Mitspielern, und verschwand in einer riesigen Jubeltraube. Wer diese Aktion aus der Nähe betrachten konnte und wer sah, wie sich selbst die Betreuer mit ihrem Kapitän freuten, konnte viel über dessen Stellenwert im Team erfahren und feststellen, wie es um den mannschaftsinternen Zusammenhalt in der Truppe bestellt ist.

Endlich ist er die Frotzeleien los

Denn selbst die verletzten Topstars Deniz Undav und Jamie Leweling freuten sich, waren mittendrin im Stuttgarter Freudentaumel beim Treffer zum 3:2. „Ich wollte zeigen, dass wir als Mannschaft einfach stark sind. Die Jungs haben wirklich immer an mich geglaubt, auch wenn ich mir das eine oder andere anhören musste“, so Karazor. Jetzt bin ich einfach froh, dass es geklappt hat und dass sich alle so sehr für mich gefreut haben.“

Endlich ist er sie los, die Sprüche, die Frotzeleien, die Witzchen, die in einer Mannschaftskabine zum guten Ton gehören und auch wichtig sind für das Gemeinschaftsgefühl.

Mit seinem 42. Schuss im 118. Bundesligaspiel gelang Karazor sein 1. Tor. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Als wäre das allein nicht schon erwähnenswert genug, legte Karazor auch noch das zwischenzeitliche 2:2 von Nick Woltemade auf, dem entscheidenden Mann an diesem Freitagabend in Stuttgart. „Er hat ein brutales Spiel gemacht, hat brutale Präsenz auf den Platz gebracht und genau so brauchen wir ihn“, verteilte Karazor Blumen an seinen Mitspieler, der nun bei vier Toren und einer Vorlage aus seinen letzten fünf Einsätzen steht. Ähnlich äußerte sich auch Trainer Sebastian Hoeneß.

„Natürlich war Nick der entscheidende Spieler heute, er hat das Momentum kreiert, was uns in der ersten Halbzeit nie gelungen ist. Er macht zwei wichtige Tore - und am Ende macht Ata auch noch sein erstes Bundesligator. Das sind natürlich zwei super Geschichten“, so VfB-Coach.

Trotz aller Freude über das Erreichte richtete sich Karazors Blick auch gleich nach vorn, schließlich steht bereits am Mittwoch ein immens wichtiges Spiel in der Champions League für ihn und den VfB an. „Ich würde sagen, wir nehmen die komplette zweite Halbzeit mit. Auch als wir das zweite Gegentor kassiert haben, haben wir nicht die Köpfe in den Sand gesteckt. Wir haben weiter gemacht und wieder einmal gezeigt, wie gut wir eigentlich sind. Wenn wir das wieder auf den Platz bringen, die Basics abrufen, dann sind wir sehr schwer zu halten“, sagte Karazor mit Blick auf die Partie gegen Young Boys Bern am Mittwochabend (21 Uhr).

„Ich hoffe, der Sieg heute gibt uns Aufwind für die nächsten Spiele“, so Karazor weiter. Drei sind es noch bis zur kurzen Winterpause zwischen Weihnachten und dem 11. Januar, wenn die Bundesliga ihren Spielbetrieb wieder aufnimmt.