Bruno Labbadia Foto: dpa

Mannschaft im Umbruch: Der VfB Stuttgart steht vor der Reise in eine unsichere Zukunft.

Stuttgart - Vielleicht wird ja noch alles gut. Der VfB Stuttgart qualifiziert sich für die Europa-Liga, und manch offene Frage beantwortet sich von selbst. Vielleicht aber auch nicht. Dann beginnt in vielerlei Hinsicht die Reise in eine unsichere Zukunft. Unsere Rundfahrt über die Baustellen auf dem Cannstatter Wasen erklärt, warum.

Die Mannschaft

Das Stück überzeugte mäßig, der Applaus erklang dürftig, und das Publikum blieb einigermaßen ratlos zurück. Das 0:0 gegen den Tabellenletzten aus Kaiserslautern lieferte wenig Anlass, die Faszination des Spiels zu demonstrieren. „Uns fehlen die Einzelspieler, die über Eins-eins-Situationen solche Problemlagen auflösen können“, sagte Bruno Labbadia nach einem Duell, in dem seine Mannschaft zwar alles tat, um zum Erfolg zu kommen, sich aber ein ums andere Mal im geschickt ausgelegten Abwehrnetz der Lauterer verfing.

Der Trainer hätte auch sagen können, dass es vor allem dem Mittelfeld um William Kvist, Tamas Hajnal und Zdravko Kuzmanovic an jenen Fähigkeiten fehlte, die in solchen Situationen helfen können: Passschärfe, Ballmitnahme, Präzision, Mut und Esprit. Wenn dann noch Spieler wie Martin Harnik, Khalid Boulahrouz oder Shinji Okazaki ihre formschwachen Doubles aufs Feld schicken, wird es schwierig mit dem Halali auf die Europa-Liga-Plätze. Unterm Strich verfestigte sich gegen Kaiserslautern jedenfalls der Eindruck: Die Mannschaft hat unüberseh­bare Probleme, das Spiel zu machen.

Das stimmt nicht gerade optimistisch für den Rest dieser Spielzeit und weckt Sorgen im Hinblick auf die nächste Saison. Die Verträge der erfahrenen Besserverdiener Khalid Boulahrouz und Matthieu Delpierre (geschätzte Jahresgehälter: drei Millionen Euro) werden nicht verlängert. Zdravko Kuzmanovic (geschätztes Gehalt: 2,5 Millionen Euro) ist auf der Flucht ins von ihm gelobte Land Italien, und nicht auszuschließen ist, dass auch Cacau (ca. drei Millionen), Timo Gebhart (ca.1,2 Millionen) und Julian Schieber (ca. 1,0 Millionen) ihre Bank-Lehre frühzeitig ­abbrechen.

Architekt Labbadia baut auf das Potenzial von Eigengewächsen wie Patrick Bauer und Antonio Rüdiger (beide Innenverteidiger), Steffen Lang (Rechtsverteidiger), Christoph Hemlein (Sturm), Kevin Stöger und Raphael Holzhauser (beide Mittelfeld), außerdem könnten Rechtsverteidiger Timothy Chandler (1. FC Nürnberg) und Mittelfeldspieler Sejad Salihovic (1899 Hoffenheim) noch hinzukommen. Möglich ist auch, dass die VfB-Leihgabe Daniel Didavi vom Club zurückkehrt. Einen Stammplatz hat er sich dort allerdings noch nicht erkämpft.

Wie tragfähig das weiß-rote Haus dann sein wird, ist schwer abzuschätzen. „Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir unsere Substanz nicht schwächen“, warnt Manager Fredi Bobic und macht ein Gesicht, als wolle er sagen: Aber greif mal einem nackten Mann in die Tasche!

Finanzen und Trainer

Die Finanzen

Der VfB Stuttgart wäre nicht der erste Club, der in der Kasse zwar ein Plus ausweist, sportlich aber bedrohlich ins Minus rutscht. Das Gehaltsvolumen der Lizenzspielerabteilung, so verlangen es die Sparkommissare Gerd Mäuser (Präsident) und Dieter Hundt (Aufsichtsratschef), soll auf rund 40 Millionen Euro heruntergefahren werden. Gleichzeitig sprudeln die Einnahmen nicht wie gewünscht.

Die Suche nach dem neuen Hauptsponsor gestaltet sich zäher als erhofft. Vor dem arabischen Edelflieger Etihad Airways durfte sich der VfB zwar präsentieren, holte sich aber einen Korb. Manchester City und die englische Premier League leuchten eben heller als ein mittelmäßiger deutscher Bundesliga-Club. Und Qatar Airways zögert angeblich, weil die Scheichs als Sponsor erst dann groß auftischen möchten, wenn ihre Fluglinie international weiter ausgebaut wird. Die Verhandlungen mit einem Computerriesen gestalten sich zäh, und die Hoffnungen, dass sich Gazprom in Süddeutschland positionieren will, erwiesen sich als pure Illusion. Bleiben einige schwäbische Mittelständler, die zwar Interesse zeigen, allerdings nicht mehr bezahlen können und wollen als der bisherige Sponsor Gazi. Ganz nebenbei wäre es auch kein Fehler, die Marketing-Experten des VfB würden sich nach einem Nachfolger für Groß-Sponsor EnBW umschauen. Der Vertrag läuft zwar erst in zwei Jahren aus, schon jetzt ist aber abzusehen, dass der Energieriese den Geldstrom (rund 3,5 Millionen per annum) abstellen wird.

Die Infrastruktur

Dabei könnte der Verein ein bisschen Spielgeld ganz gut gebrauchen. Der VfB konkurriert um Nachwuchsspieler unter anderem mit 1899 Hoffenheim. Das Trainingszentrum der Nordbadener in Zuzenhausen hinterlässt bei der Jugend, deren Eltern und Beratern mächtig Eindruck. Das VfB-Jugendinternat soll ausgebaut, das Trainingszentrum (Kraftraum, Umkleiden für Jugendmannschaften, Aufenthaltsräume) auf dem Clubgelände modernisiert werden. Bis dahin dient ein Container als zweiter, provisorischer Kraftraum für die Spieler.

Die Trainer

Und die Profis lassen nicht nur an den Geräten ihre Muskeln spielen. Zu spüren bekommt das vor allem Labbadias Co-Trainer Eddy Sözer, dem seine Kritiker vorwerfen, die Nase ein wenig zu hoch zu tragen. Vor allem die jüngeren Spieler wünschen sich mehr Gehör und Wertschätzung vom „Trainer-Flüsterer“. Was Fredi Bobic allerdings so sehr interessiert wie ein Eigentor von Traktor Peking. „Das ist das übliche Geschrei der Unzufriedenen“, knurrt der Manager, „wenn ihnen etwas nicht passt, sollen sie das direkt beim Trainerteam ansprechen.“

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