Fritzle sei Dank: Pablo Maffeo steht in Stuttgart nicht ganz allein da. Foto: dpa

Pablo Maffeo kam als Zehn-Millionen-Euro-Rekordtransfer. Warum ist der 20-jährige Außenverteidiger beim VfB aber gerade auf dem besten Weg dahin, ein Top-Flop zu werden? Eine Spurensuche.

Stuttgart - Es ist ein verzwicktes Unterfangen, etwas über die Ansichten des Pablo Maffeo zu erfahren. Helfen würde da sein Berater und Mentor Pere Guardiola, der Bruder des ManCity-Chefcoaches Pep Guardiola, der sicher reichlich über seinen Klienten erzählen könnte – über einen Spieler nämlich, den man im Sommer als Zehn-Millionen-Rekordtransfer an den Neckar gelotst hat, und den sein Boss, also VfB-Präsident Wolfgang Dietrich, ­unverblümt als „Flop“ bezeichnet hat, als Akteur, der „quer im Stall“ stehe und den Manager Michael Reschke nun zeitnah „einnorden“ will. Aber nur, wenn er Maffeo nicht noch an diesem Donnerstag, dem letzten Tag der Transferperiode, für ein halbes Jahr an einen anderen Club verliehen bekommt.

Pere Guardiola betreibt mit seiner Firma Media Base Sports Büros in Barcelona, Madrid, London, Dubai und Montevideo. Zu sprechen ist der Maffeo-Agent aber nirgendwo – genießt er doch den Ruf, äußerst selten und dann nur ausgewählten Journalisten Rede und Antwort zu stehen. Geradezu logisch ist es da, dass auch die Nummer sieben des VfB nicht reden will. Pablo Maffeo, so lässt es der Spieler ausrichten, will über den im Raum stehenden Vorwurf, ein ziemlicher Quertreiber und Sonderling mit mangelhafter Berufseinstellung zu sein, erst in der kommenden Woche Stellung beziehen – falls er dann noch in Deutschland kickt.

Als der Stuttgarter Sportvorstand Reschke noch als Kaderplaner für den FC Bayern tätig war, da haben er und die Guardiola-Brüder sehr viel miteinander geredet. Gerne erzählt der umschmeichelte Reschke die Anekdote, wie der damalige Münchner Cheftrainer Pep Guardiola ihm einst in einem Nobellokal auf die Schulter klopfte – und sagte: „Michael, wir zwei verstehen etwas vom Fußball!“ Keine Frage, zwischen den beiden stimmt die Chemie.

Maffeo kommt auf Empfehlung der Guardiola-Brüder

Hat aber derlei Sympathie für den Startrainer Pep Guardiola, eine der gefragtesten Marken im Weltfußball, im Fall Maffeo den Blick des Fachmanns Reschke ein wenig eingetrübt? Hat man beim VfB den Spieler, vor der Verpflichtung von den eigenen Scouts, ausreichend, also auch charakterlich, geprüft? Einen Rechtsverteidiger, der in Barcelona nahe des Stadions Camp Nou des ruhmreichen FC aufwuchs, sich aber bald dem Rivalen Espanyol anschloss; der sich mit 15 Jahren für den Nachwuchs von ManCity entschied und der 2015 beim spanischen Club FC Girona geparkt wurde; einem Verein, an dem die Guardiolas Anteile besitzen.

Pablo Maffeo, 20, ist spanischer U-21-Nationalspieler, ein 1,73 Meter kleiner Kraftwürfel, dessen robustes, gradliniges Spiel von der körperlichen Fitness lebt. Maffeo ist keine technische Zaubermaus, zählte aber auch in seiner fußballerischen Wahlheimat England zur Riege der absoluten Toptalente. Das zeigte sich allein daran, dass sich ManCity für den Youngster, der beim VfB bis 2023 unterschrieb, ein Rückkaufsrecht sicherte. Den Nachweis allerdings, die zehn Millionen Euro Ablöse auch wert zu sein, den ist Maffeo (acht Ligaspiele für den VfB) bisher komplett schuldig geblieben.

Denn wer den Spanier, den Sohn des Italieners Alfonso Maffeo und der Argentinierin Marisa, aus gutbürgerlichen Verhältnissen schon Ende September 2018 beim Training des VfB sah, der benötigte bereits da keine Fußballlehrerlizenz, um zu erkennen: Hier ist einer nicht mit vollem Herzen bei der Sache. Dies passierte, bevor sich der Neuzugang Ende November am Sprunggelenk verletzte, was ihn zusätzlich zurückwarf.

Der Spanier nörgelt gerne

Inzwischen hat die interne Kritik an Maffeo fundamentale Ausmaße erreicht. Das ist ungewöhnlich für eine Branche, die stets den Marktwert des Spielers im Auge hat. Beim VfB wird dem Außenverteidiger der Vorwurf gemacht, er stelle seine persönlichen Interessen allzu gerne über das Wohl des Clubs. Mal sei das Training zu lasch, dann zu hart, Pablo Maffeo nörgelte gerne, kam zu spät zur Teamsitzung – und er schleppte über Wochen eine Nagelbettentzündung am Zeh mit sich herum, weil er sie offenbar unzureichend behandeln ließ.

Auch in die spanischsprachige Fraktion des VfB ist Maffeo nicht integriert. In der Runde der Argentinier etwa, die sich regelmäßig bei der Familie des ehemaligen VfB-Profis Nicolas Sessa trifft, fehlt er. In der Mixed Zone, wo die Spieler nach Schlusspfiff mit den Reportern reden, hat der 20-Jährige noch nie ein Wort gesprochen.

Weinzierl hielt lange die schützende Hand über Maffeo

Pablo Maffeo, der in Bad Cannstatt mit zwei französischen Bulldoggen, Partnerin Yaiza Soler und der Mutter Marisa unter einem Dach lebt, wird bald erstmals Vater. In den sozialen Netzwerken lässt sich ablesen, dass der junge Mann etwa für familiären Zusammenhalt durchaus Empathie entwickeln kann. In Fußball-Deutschland aber fremdelt er. Lange hielt Markus Weinzierl die schützende Hand über ihn, ehe sich der Trainer erst an Michael Reschke wandte, um Maffeo dann öffentlich abzuwatschen.

„Wir brauchen Spieler, die sich mit der Aufgabe und dem Verein identifizieren“, sagt der VfB-Trainer über seinen (fast) verlorenen Sohn, den viele Fans bereits in die Riege der Top-Flops der jüngeren Clubgeschichte einsortieren: an die Seite von Yildiray Bastürk etwa, den kraftlosen Regisseur, von dem noch seine Vorliebe für süße türkische Waffeln in Erinnerung ist, und Fehlgriffe wie Stürmer Ewerthon, den man trotz leichtem Wohlstandsbauch verpflichtete, oder den recht wirkungslosen 2006er-Weltmeister Mauro Camoranesi – und auch Alexander Hleb, der beim zweiten VfB-Engagement seine Spritzigkeit irgendwo im Nachtleben an der Theodor-Heuss-Straße verlor.

Im Gegensatz zu ihnen besitzt Pablo Maffeo die Chance, das Blatt noch zu wenden.

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