Trägt beim VfB als einer von vier Spielern gerne und grundsätzlich lang: Maximilian Mittelstädt Foto: Ikolbert-press

In der Mode kommt bekanntlich alles wieder – auch das Langarmtrikot. Warum ist das so? Wir haben beim VfB Stuttgart und Ausrüster Jako nachgefragt.

Kleine Spezialfrage zum Start: Was verbindet Angelo Stiller, Maximilian Mittelstädt, Atakan Karazor und Tiago Tomás? Die Antwort zielt aufs Äußere und lautet: Die Vier tragen beim VfB Stuttgart Lang statt Kurz. Also echte Langarmtrikots. Wie sie früher gang und gäbe waren, dann aus der Mode kamen, durch eng anliegende Unterzieh-Shirts ersetzt wurden und nun wieder ihr modisches Comeback feiern. Doch der Reihe nach.

 

Wer beim VfB Stuttgart auf das lange Shirt setzt

Früher, also bis etwa Ende der Nuller-Jahre, war die Sache in den Kabinen relativ klar geregelt. Im meist kurzen Fußball-Sommer wurde in kurzen Trikots gespielt. Sobald es kälter wurde, legte der Zeugwart den Herren Profis die Langarmvariante in den Spind. Logisch, oder?

Bis die Ersten begannen, merkwürdige Moden zu entwickeln. Etwa winters im kurzen Shirt plus Handschuhen aufzulaufen. Was die Variante derer konterkarierte, die auch bei arktischen Temperaturen komplett im Sommer-Look über den Platz rannten. Um zu demonstrieren, was für ein harter Hund man doch sei.

Bis zu besagtem Zeitpunkt in den Nuller-Jahren irgendwann Kompressionswäsche auf den Markt kam. Besonders eng anliegendes Textil, das nicht nur warm halten, sondern auch die Durchblutung fördern soll. Und die ersten Fußballer damit begannen, bei Kälte gleichfarbige Kompressions-Shirts unter ihre kurzärmligen Trikots zu ziehen. Vielen gilt Bastian Schweinsteiger als Initiator dieser modischen Bewegung, die sich schnell vom FC Bayern über die Bundesliga bis hinunter in die Kreisklasse ausbreiten sollte.

Machte das Unterzieh-Shirt salonfähig: Bastian Schweinsteiger im Jahr 2011 Foto: imago sportfotodienst

Sah zwar anfangs komisch aus – warum aber auch nicht? Nur über die Wirkung der presswurstartigen Kompressionshemden hinsichtlich der angeblichen Durchblutungsförderung herrscht in der Sportwissenschaft bis heute Uneinigkeit. Es gibt zum Beispiel die Meinung, dass Leistungssportler über eine so trainierte Muskulatur verfügen, dass sie stets genügend Blutfluss und somit auch Leistung garantiert. Ganz egal, in welches Korsett man sie presst.

Irgendwann verschwand das Langarmtrikot von der Bildfläche

Doch zurück zum Langarmtrikot: Das verschwand irgendwann. Erst von den Fußballplätzen, dann aus den Fan-Shops. Weil auch die Hersteller dazu übergingen, nur noch die kurze Variante anzubieten. Was den gemeinen Fan nicht davon abhielt, sie auch bei fünf Grad und Nieselregen aufzutragen. Allerdings weniger elegant als die Herren Profis in Kombination mit gleichfarbigem Kompressions-Shirt, sondern meist viel zu eng über Pullover oder Jacke gespannt.

Doch pünktlich zum Herbst feiert das klassische Langarmtrikot sein Comeback. Es ist wie immer in der Mode: Irgendwann kommt alles wieder. Auch das Fußballtrikot mit langen Ärmeln, von echten Connaisseuren der Trikotkunst schon immer als die schönere der beiden Varianten gerühmt. Die Rückkehr des Langarmjerseys lässt sich überall beobachten, unabhängig von Liga, Verein oder Ausstatter.

„Es fühlt sich einfach besser an“

Beim VfB ist es das besagte Quartett um Mittelstädt, Karazor, Tomás und Stiller, das neuerdings und grundsätzlich wieder lang trägt. Und zwar unabhängig vom Wetter. Auch unlängst beim 2:0 gegen St. Pauli und bei noch sommerlichen Temperaturen liefen die Vier mit langen Ärmeln auf. „Es fühlt sich einfach besser an“, lautet der lapidare Kommentar von Maximilian Mittelstädt.

So sehen es offenbar auch viele Fans. Denn das jahrelang von der Bildfläche verschwundene Stück Stoff erweist sich als echter Verkaufsschlager. Das rote Auswärtstrikot ist derzeit sogar vergriffen und muss nachproduziert werden. Die Langarmtrikots hätten sich „außergewöhnlich gut verkauft“, und zwar in allen drei Farben, teilt der VfB mit. Wenn auch die Kurzarmvarianten noch immer dominierten.

Das sagt Ausrüster Jako zum Comeback

„In der Vergangenheit gab es von Vereins- wie Spielerseite kaum Nachfrage nach Langarmtrikots, weshalb diese auch nicht Teil der Ausrüstung waren“, erklärt Ausrüster Jako, der neben dem VfB unter anderen Mainz 05 und Dynamo Dresden austattet. „Erst in der vergangenen Saison kam erstmals der Wunsch vom VfB auf, dass Spieler gerne wieder Langarmvarianten tragen möchten. Inzwischen beobachten wir diesen Trend auch bei anderen Vereinen.“ Als Trendsetter vermutet das Unternehmen aus Hohenlohe Nationalspieler Kai Havertz, der das einst aus der Mode gekommene Leibchen wieder salonfähig gemacht habe. Jetzt sei es vielerorts ausverkauft.

Vor dem Auswärtsspiel des VfB an diesem Sonntag beim 1. FC Köln (17.30 Uhr) hat der Herbst Einzug gehalten. Mal schauen, ob das Langarm-Quartett des VfB Zuwachs erhält. Und auch für die Fans bietet die abendliche Garderobe nun wieder eine passende Alternative.