Patrick Bauer (links): 18 Jahre, Vertrag bis 2015. Foto: dapd

Von den sieben Nachwuchsprofis des VfB Stuttgart sind nur zwei nah dran am Bundesligakader.

Stuttgart - Wo ist der neue Serdar Tasci, wo der nächste Sami Khedira, wann schießt wieder einer wie Mario Gomez die Roten nach oben? Diese drei waren die letzten Talente, die beim VfB groß herauskamen. Weil das schon eine Weile her ist, lechzen die Fans nach frischen Kräften. Und tatsächlich: Der VfB macht(e) ihnen Hoffnung. Vor der Saison stattete Manager Fredi Bobic gleich sieben Talente mit Profiverträgen aus. Spielmacher Raphael Holzhauser, Innenverteidiger Patrick Bauer, Spielmacher Kevin Stöger, Rechtsverteidiger Steffen Lang sowie die Stürmer Christoph Hemlein, Pascal Breier und Alexander Riemann sollen über kurz oder lang den Sprung schaffen. Das ist, nach den ersten Erfahrungen, leichter gesagt als getan.

Trainer Bruno Labbadia kann sie schon nicht mehr hören, die Rufe nach immer jüngeren Talenten aus den eigenen Reihen. Warum hat noch keiner den Durchbruch zu den Profis geschafft, warum wirft der Trainer nicht einfach einen Jungspund ins kalte Wasser, warum trauen sich das die anderen Clubs und nicht der VfB? Das sind die gängigen Fragen. Sie machen Labbadia richtig wütend. "Ja denken die Leute draußen eigentlich, wir Trainer sind Idioten?", ereifert er sich, "wir sehen die Jungs täglich, können ihr Leistungsvermögen einschätzen und wissen, wie weit sie sportlich sind und ob sie körperlich und mental robust genug sind."

Und, Herr Labbadia?

"Noch sind sie nicht so weit. Und wenn ich einen bringe, muss er besser sein als der, der bei den Profis spielt."

Aber muss er das wirklich? Kann ein Christoph Hemlein besser sein als ein Pawel Pogrebnjak, der als russischer Nationalspieler mit 27 Jahren ungleich mehr Erfahrung hat? Oder wiegt die Unbekümmertheit des Jungen nicht dessen Routine auf?

Da erinnert Bruno Labbadia an seine Anfänge beim VfB. Damals setzte er in einer sportlich prekären Lage gegen Bayern München auf Ermin Bicakcic: "Ich hatte 100 Prozent das Gefühl, dass er das kann. Und er hat nur einen fatalen Fehler gemacht. Aber danach hieß es: Wie könnt ihr? Mit Ermin hatte damals kein Mensch Geduld." 

U19-Spieler trainieren mit den Profis

Das bedeutet nicht, dass der VfB-Trainer ein Hasenfuß wäre. "Ich bin der Letzte, der nicht auf junge Spieler setzt", sagt er, "ich habe schon einen 19-Jährigen anstelle eines Nationalspielers gebracht, und das in einer WM-Saison." Das war 2009/10, als Labbadia den Hamburger SV trainierte und Tunay Torun den Vorzug vor Piotr Trochowski (damals 25) gab. 

Die Roten setzen sogar früher an. Robin Yalcin, Rani Khedira, Sven Mende und Torhüter Odisseas Vlachodimos sind 17 Jahre jung, spielen in der U 19 und trainieren regelmäßig bei den Profis. "Ich kenne nicht viele Vereine, die das machen", sagt Labbadia. Die aktuelle U 23 des VfB ist die jüngste, die der Verein je hatte. "Wenn du als 18-Jähriger in der dritten Liga auf 30-Jährige triffst, ist das eine tolle Schule. Da sammelst du mehr Erfahrung, als wenn du ein paar Minuten Bundesliga spielst", sagt er und bittet um Geduld: "Wir hoffen, dass der eine oder andere in ein, zwei Jahren rauskommt. Man sollte sich da auf das Urteil der sportlichen Leitung verlassen." Denn als ständiger Besucher der U-23- Spiele ist Labbadia auch nicht verborgen geblieben, dass Raphael Holzhauser zurzeit im Leistungstief steckt und Kevin Stöger noch zu viele Fehler macht, als dass er sie bedenkenlos nach oben holen könnte. Schon gar nicht, solange die Profimannschaft so anfällig und labil ist wie zurzeit.

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