Gegen Celtic Glasgow gelingt Tiago Tomas kein Tor – in den anstehenden Partien will es der VfB-Stürmer besser machen. Foto: Baumann/Hansi Britsch

Für die Hoeneß-Elf stehen viele wichtige Spiele an – und die Leistungen zuletzt werfen vor dem Europa-League-Duell mit dem FC Porto eine Frage auf.

Die Spannung ist kurz vor 13 Uhr noch mal gestiegen in der Kabine – und die Blicke beim VfB Stuttgart richteten sich nach Nyon. Dort saß der Sportdirektor Christian Gentner in der Schweizer Zentrale der Europäischen Fußball-Union, um die Auslosung vor Ort zu verfolgen. Knapp 500 Kilometer entfernt, in der Mercedesstraße, schauten die Spieler vor dem Training neugierig auf ihre Mobiltelefone. FC Porto oder SC Braga – um diese Möglichkeiten ging es. Vor allem für Tiago Tomas, den Portugiesen im VfB-Trikot, eine reizvolle Konstellation.

 

Die Auflösung durch den Ex-Profi Maniche an den Losen: FC Porto (Hinspiel in Stuttgart am 12. März/Rückspiel am 19. März). Darauf hatte sein Landsmann Tomas gehofft. „Ich spiele lieber gegen sie“, sagt der 23-Jährige. Aus alter Rivalität. Der Stürmer ist vor den Toren Lissabons geboren und aufgewachsen. Mit zwölf Jahren zog er in die Nachwuchsakademie von Sporting – und neben dem Erzfeind Benfica gibt es in seinem Heimatland eben noch die dritte Kraft.

Doch aus sportlicher Sicht stellt der FC Porto für die Stuttgarter wohl die größere Herausforderung dar. Denn sie bekommen es in der Europa League nun mit dem Tabellenführer der portugiesischen Liga zu tun, der sich zudem über die Ligaphase direkt für die K.-o-Runde qualifiziert hat. „Für uns ist es großartig, erstmals seit 13 Jahren wieder im Achtelfinale eines europäischen Wettbewerbs vertreten zu sein“, sagt der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth zum Duell.

Unbestritten ist der FC Porto auch wieder ein klangvoller Name auf der weiß-roten Reise über den Kontinent. Wie zuvor Celtic Glasgow. Der schottische Meister wurde in der Zwischenrunde ausgeschaltet – trotz der 0:1-Niederlage im Rückspiel. Denn im Hinspiel eine Woche zuvor hatte der deutsche Pokalsieger mit 4:1 geglänzt. Und allein schon diese beiden Begegnungen führen zu der Frage, wie stark die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß wirklich ist.

Der VfB-Trainer blickt auf die nächsten Herausforderungen. Foto: Baumann/Hansi Britsch

Einerseits präsentiert sich da eine Einheit, die gegen die nationalen Spitzenvereine Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt eindrucksvoll zum Jahresauftakt gewonnen hat. Die Stuttgarter haben ebenso nicht nur gegen den guten SC Freiburg ein Spiel in der Schlussphase für sich entschieden. Das ist ein Qualitätsmerkmal und der VfB liegt in der Liga auf dem vierten Rang.

Andererseits offenbart der VfB immer wieder Defizite und hat zuletzt weder beim damaligen Vorletzten FC St. Pauli (1:2) noch später beim Schlusslicht 1. FC Heidenheim (3:3) gewonnen. Und gegen die Gäste aus Glasgow gerieten die Stuttgarter am Donnerstagabend in der MHP-Arena bereits nach 32 Sekunden durch Luke McCowan in Rückstand. Agiert so eine Topmannschaft?

In der Theorie natürlich nicht. Praktisch zeigt sich, dass die Hoeneß-Elf erst auf dem Weg ist, sich auf höchstem Niveau zu stabilisieren. Ausreißer nach unten inklusive. „Natürlich müssen wir uns nach so einem Beginn wie gegen Celtic die Frage nach der fehlenden Spannung gefallen lassen, aber ich sehe da kein grundsätzliches Thema. Wir haben einiges zu bieten“, sagt Hoeneß.

Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass sich der VfB öfter mit Gegnern schwer tut, die ihm mit mehr Körperlichkeit und weniger spielerischen Mitteln begegnen. Dennoch haben die Erfolge in den vergangenen zweieinhalb Jahren die Erwartungen nach oben getrieben. Das bekommen die Verantwortlichen nach Champions-League-Teilnahme und Pokaltriumph zu spüren. Sie plädieren deshalb immer wieder für Realitätssinn.

„Wir genießen diesen Moment ins Achtelfinale eingezogen zu sein. Und wir haben nicht vergessen, dass wir viele Jahre beim internationalen Wettbewerb nur Zuschauer waren“, sagt Wohlgemuth. Vor drei Jahren war der VfB sogar noch ein Abstiegskandidat. Das scheint bei der rasenden Entwicklung mit wachsenden Umsätzen, steigenden Marktwerten und dauerhaft guten Resultaten von manchem verdrängt zu werden. Der nächste Schritt auf der europäischen Bühne ist vor diesem Hintergrund keine Selbstverständlichkeit, wenngleich er aus der Überlegenheit in Glasgow abgeleitet wurde.

Hohe Ansprüche dürfen aber sein. Sie werden ja auch von Kapitän Atakan Karazor und Co. formuliert. Erneute Spiele in der Königsklasse, ein weiterer Titelgewinn – das sind die Ziele, von denen die Profis und Fans träumen. In unterschiedlichen Ausprägungen und in verschiedenen Wettbewerben.

Halbfinale im DFB-Pokal, Achtelfinale in der Europa League, die Wochen der Klarheit in der Liga – für den VfB bieten die entscheidenden Saisonwochen reizvolle Aufgaben und das Team hat voller Selbstbewusstsein viel vor. Zunächst steht jedoch das Heimspiel an diesem Sonntag (15.30 Uhr) gegen den VfL Wolfsburg an. Für Tomas ist auch das eine besondere Begegnung, da er für die Niedersachsen schon gestürmt ist und in der Mannschaft noch einige Freunde hat.