Der Chef in Sachen Athletik: Christos Papadopoulos (re.) mit Filip Kostic Foto: Baumann

Das Testspiel beim VfR Aalen hat gezeigt: Noch greifen nicht alle Rädchen ineinander. Im Trainingslager in St. Gallen muss der VfB Stuttgart taktisch reifen – und athletisch zulegen. Für Letzteres ist Christos Papadopoulos zuständig.

Aalen - Am Ende hatte Christos Papadopoulos seine Schäfchen wieder um sich – denn kurz nach dem Abpfiff, das ist seine Zeit. Dann ist der Athletiktrainer des VfB Stuttgart gefragt, der Mann für Muskeln und Sehnen, für An- und Entspannung, der ein Spiel nach anderen Gesichtspunkten zu analysieren hat als der Chefcoach. Und so leitete Papadopoulos das Dehnen an, während Alexander Zorniger schon in die taktische Aufarbeitung einstieg.

"Solche Chancen müssen meine Spieler machen"

Gerade hatte der VfB Stuttgart das Testspiel beim VfR Aalen bestritten, die Partie endete 1:0 für die Roten, Lukas Rupp erzielte das Tor des Tages, zufrieden war Zorniger dennoch nicht. Nicht mit der Umsetzung der taktischen Vorgaben (erstmals im 4-4-2-System), „wir haben zu viele Chancen zugelassen“, sagte er. Nicht mit der Verwertung der Möglichkeiten – vor allem, weil Neuzugang Jan Kliment eine riesige Möglichkeit ausließ und Alexandru Maxim einen Elfmeter verschoss: „Solche Chancen müssen meine Spieler machen, auch wenn ich sie nachts um vier aus dem Bett hole.“

Und auch nicht mit der Einstellung. Zu oft zogen seine Schützlinge das schöne Spiel vor, dabei „müssen wir erst mal die einfachen Dinge beherrschen“, grantelte Zorniger. Und somit war klar: Die Arbeit geht dem Trainerteam bis zum Start der Bundesligasaison am 16. August gegen den 1. FC Köln nicht aus.

Dass der VfB-Tross direkt nach dem Spiel in Aalen ins zweite Trainingslager dieser Saisonvorbereitung aufgebrochen ist, ist also durchaus sinnvoll. Im schweizerischen St. Gallen wird Alexander Zorniger versuchen, seinem Team den taktischen Feinschliff zu verpassen – und dabei kommt auch wieder Christos Papadopoulos ins Spiel.

Taktische Anforderungen eng an athletische Fähigkeiten geknüpft

Wie gesagt: In spieltaktische Fragen mischt sich der in Schorndorf geborene Sportwissenschaftler nicht ein – und dennoch sind sie maßgeblich für seine Arbeit. „Das ist immer wieder eine Herausforderung“, sagt Papadopoulos zur Tatsache, dass er sich in den viereinhalb Jahren beim VfB nicht nur immer wieder auf einen neuen Chefcoach einstellen musste, sondern auch auf dessen Ansprüche in Fitnessfragen. Denn: Die taktischen Anforderungen sind eng an die athletischen Fähigkeiten geknüpft. „Der Job ist im Grunde immer der gleiche“, sagt der 50-Jährige, „trotzdem ist es immer wieder etwas Neues.“ In diesem Sommer in doppelter Hinsicht.

Unter Armin Veh und Huub Stevens war Christos Papadopoulos jeweils nicht mehr der Mann, der auf dem Trainingsplatz die Stammspieler in Form brachte. Veh brachte Günther Kern mit, Stevens Chima Onyeike, weil der Niederländer der Meinung war: „Papa allein kann das nicht schaffen.“

Innerhalb eines Bundesligakaders sind die Aufgaben für die Fitnesscoaches schließlich vielfältig. Die einen Spieler müssen therapiert, die anderen herangeführt, beim Rest das Toplevel noch ein bisschen gesteigert werden. „Wenn man allein ist, muss man mindestens zwei Jobs auf einmal erledigen“, sagt auch Papadopoulos.

Cheftrainer fordert Schnelligkeit in fast allen Aktionen

Auf Onyeike, den Mann mit der Figur eines Kleiderschranks, muss er derzeit dennoch verzichten. Zwar ist nicht ausgeschlossen, dass der Niederländer bald noch einmal beim VfB anheuert, weil die Roten auch in Sachen Athletik eine einheitliche Ausrichtung für alle Teams installieren wollen. „Dafür braucht man Manpower“, sagt Papadopoulos.

Derzeit allerdings sind die Aufgaben anderweitig verteilt: Die Physiotherapeuten Gerhard Wörn, Manuel Roth und Matthias Hahn sind weit mehr als nur Masseure. Zudem haben sich einige „Sitten und Gebräuche“ (Papadopoulos) mittlerweile verselbstständigt. Schon vor den Trainingseinheiten absolvieren die Profis ein Präventionsprogramm im Kraftraum.

Auf dem Platz hat nun wieder Christos Papadopoulos das Sagen. Vor allem in den kommenden Tagen in St. Gallen. „Konditionell wird es jetzt detaillierter“, kündigt der Sportwissenschaftler an, „jetzt machen wir das, was wir zu Beginn der Vorbereitung noch nicht machen können.“ Vor allem geht es ab sofort in den Schnelligkeitsbereich – was unter Alexander Zorniger ein besonders wichtiger Punkt ist.

Der Cheftrainer fordert Schnelligkeit in fast allen Aktionen, Papadopoulos nennt es „aggressive Fußballgeschwindigkeit“ – so oder so: Das Team muss darauf vorbereitet werden. „Es wird noch mal intensiver“, sagt der Athletiktrainer, „die Muskeln der Spieler sind bereit dafür.“ Er selbst ist es sowieso.

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