Kein perspektive beim VfB: Stürmer Vedad Ibisevic Foto: Baumann

Der neue Trainer Alexander Zorniger stellt den VfB Stuttgart taktisch und personell neu auf. Unbeirrt geht er bei der Umsetzung seinen Weg. Auch vor Nationalspielern macht er nicht halt.

Mayrhofen - Es war eine imposante Leistungsschau, die der VfB-Kader den Zuschauern beim 6:3 (3:1) gegen Viktoria Pilsen bot. Jung und Alt mischten sich aufs Prächtigste, um den tschechischen Meister im Sturm zu erobern und regelrecht zu zerpflücken. Drei Profis mit einigem Renommee suchten die mitgereisten Anhänger aber vergebens. Die Stürmer Vedad Ibisevic und Mohammed Abdellaoue fehlten im VfB-Aufgebot ebenso wie Verteidiger Antonio Rüdiger. Nicht, dass sie verletzt oder krank gewesen wären. Nein, das Trio spielt in den Planungen von Trainer Alexander Zorniger keine (Ibisevic, Abdellaoue) oder bis auf weiteres nur noch eine untergeordnete Rolle (Rüdiger). Die einen sollen den Verein möglichst rasch verlassen, der andere befindet sich auf dem Sprung zum VfL Wolfsburg, dem FC Chelsea oder einem anderen zahlungskräftigen Abnehmer. „Bei Toni geht die Entwicklung dahin, dass wir nicht wissen, ob er zum ersten Spieltag da ist. Dementsprechend musste ich etwas probieren“, sagte Alexander Zorniger und setzte in der Innenverteidigung je 45 Minuten lang auf Stephen Sama (22/VfB II) und Mart Ristl (18). Ob Rüdigers Wechsel zu den Wölfen klappt, ist weiter offen. „Die Ablöseforderung, die da im Raum steht, erscheint uns doch etwas hoch“, sagt VfL-Manager Klaus Allofs. Der VfB pocht auf 18 Millionen Euro Ablöse, die Wolfsburger bieten höchstens zwölf Millionen Euro.

Auch in den kommenden Vorbereitungsspielen wird Zorniger Alternativen für Rüdiger testen. Sollte der Nationalspieler am Ende wider Erwarten doch beim VfB bleiben, wird der Trainer ihn wieder zum vollwertigen Kadermitglied aufwerten und Rüdiger auf seine Stammposition in der Abwehr zurückkehren. Eine Perspektive, die Vedad Ibisevic und Mohammed Abdellaoue verwehrt bleiben wird.

Die beiden Angreifer, die schon in der vergangenen Saison unter Huub Stevens zu den Aussortierten zählten, spielen auch unter dessen Nachfolger nur eine Außenseiterrolle. Und Alexander Zorniger, das hat er beiden bereits klargemacht, ist nicht gewillt, sie im Profikader durch die neue Saison zu schleppen. „Ich habe die Spieler informiert, dass wir mit sieben Spitzen übervoll sind und sie jetzt gerade nicht die Rolle spielen, die sie sich wünschen“, sagte der Trainer. Das wird so bleiben, denn einen anderen Angreifer wird der VfB nicht abschieben. Also müssen Ibisevic (30) und Abdellaoue (29) aktiv werden. Dumm nur, dass für beide kein Abnehmer in Sicht ist. Sollte das so bleiben, können sie auf gültige Verträge und auf die Erfüllung derselben pochen. Und dann? „Wichtig ist, wie sich ein Spieler verhält. Erst dann muss man überlegen, welche Wege man gehen muss“, sagt VfB-Sportvorstand Robin Dutt. Widersetzen sich Ibisevic, Abdellaoue und der eine oder andere weitere Spieler dem Vereinswunsch nach einer vorzeitigen Trennung, wäre eine Trainingsgruppe 2 nach dem Vorbild der TSG Hoffenheim denkbar. Vor zwei Jahren hatte der Club aus dem Kraichgau den Profis Tim Wiese, Edson Braafheid, Eren Derdiyok, Tobias Weis, Matthieu Delpierre und Matthias Jaissle auf diese Weise eine Trainingsmöglichkeit geboten, ohne dass sie den Profi­kader blockierten.

Statt auf die Routiniers Ibisevic und Abdellaoue setzt Alexander Zorniger lieber auf die Talente, auch wenn er sagt: „Die Hälfte der Spieler, die gegen Pilsen begonnen haben, werden am ersten Spieltag nicht anfangen.“ Statt Sama und Philipp Heise werden dann wohl Timo Baumgartl und Adam Hlousek in der Abwehr stehen, statt Kevin Stöger und Lukas Rupp werden Christian Gentner und Serey Dié ins Mittelfeld rücken, statt Jerome Kiesewetter dürfte Timo Werner stürmen, und im Tor könnte Mitch Langerak seinen Rivalen Przemyslaw Tyton ablösen. Zurzeit ist Langerak verletzt, wegen einer Zerrung im rechten hinteren Oberschenkel fällt er wohl drei Wochen lang aus.

Ungeachtet des Personals nimmt die neue VfB-Taktik auf dem Platz Konturen an. Mit ständigem Pressen, Bedrängen und Jagen legt es der VfB darauf an, dem Gegner den Ball abzuluchsen oder ihn zu Ballverlusten zu zwingen. Das setzt die Mannschaft schon ganz passabel und nach Zornigers Vorstellungen um: „Die Spieler finden Vertrauen in diese Art Fußball.“ Allerdings sehen sie auch die Risiken, die bei Ballverlusten der Abwehr drohen, allen voran Christian Gentner. „Alle haben eine große Vorfreude, an die erfolgreichen Spiele am Ende der vergangenen Saison anzuknüpfen und die neuen Dinge zu probieren“, sagt der Kapitän, „aber in dem neuen System gibt es natürlich Risiken. Wir sehen das aber als hochinteressante Aufgabe.“ Gegen Pilsen war der VfB in der Offensive variabel und stets gefährlich, in der Defensive aber anfällig. Da fehlt es noch an Qualität – in der Spitze und in der Breite.

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