Willkommen im Bergland: VfB-Profi Daniel Didavi im Trainingslager im Zillertal Foto: Baumann

Es ist ein Trend der Zeit, und der VfB Stuttgart ist vorne dabei. Immer mehr Bundesliga-Vereine kooperieren mit Urlaubsregionen – zum beiderseitigen Nutzen. Siehe: der VfB und das Zillertal.

Mayrhofen - Ein paar Meter neben der Autobahn verweist ein großes Plakat auf das anstehende Trainingslager des SV Werder Bremen im Zillertal. Wer dem VfB nahekommen will, muss etwas weiter fahren – an den Schildern vorbei, die von Konzerten der Poldauer und der Zillertaler in der Region künden, geradewegs auf das Felsmassiv mit den Eisresten auf dem Gipfel zu. In Mayrhofen wird er fündig. Im dortigen Elisabeth Hotel hat der VfB Quartier bezogen, bis kommenden Montag legt Trainer Alexander Zorniger hier im Lauf-Trainingslager die körperlichen Grundlagen für die neue Saison. Weshalb die Profis, was schade ist, kaum einen Blick haben für die umliegende Idylle – Berge, Seen und Restaurants, von denen viele auf -stüberl enden.

Schuften, wo andere Urlaub machen.

Schuften und schwitzen – und mehr.

Vor einem Jahr hat der VfB einen Kooperationsvertrag mit dem Tourismusverband Mayrhofen-Hippach geschlossen. Als einer der Teampartner, die zwischen 300 000 und 750 000 Euro pro Saison an den Verein zahlen, stellen die Zillertaler das Hotel in Mayrhofen und die Trainingsplätze im fünf Kilometer entfernten Hippach. Alles tipptopp. Nicht kostenlos zwar, aber preiswert und damit höchst attraktiv. „Die Vergünstigungen sind sehr vorteilhaft für uns“, sagt VfB-Marketingchef Jochen Röttgermann, „der Vertrag lohnt sich für uns, und ich hoffe, für das Zillertal auch.“ Was Marion Pepeunig gern bestätigt. „Der VfB war ja schon vergangenes Jahr hier, das haben wir sehr wohl gespürt“, sagt die Marketingchefin des Tourismusverbandes, „seither haben wir das Gefühl, dass verstärkt Gäste aus dem Stuttgarter Raum bei uns Urlaub machen.“

Das ist Sinn und Zweck der Kooperation: Die Clubs und ihre mitreisenden Fans kurbeln die örtliche Wirtschaft an, der Werbewert ist aktuell und mittelfristig beträchtlich. Und der VfB ist nicht der einzige Bundesligist, der sich als Lokomotive für die Bergregionen in Österreich, Italien und der Schweiz vor den Karren der Tourismusmanager spannen lässt. Trendsetter war der FC Bayern, der seit fünf Jahren die Region Trentino bereist. „Das dortige Trainingscamp ist für uns gewissermaßen die fünfte Jahreszeit in unserem jährlichen Rhythmus“, sagt Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Wie der VfB und Werder Bremen im Zillertal und der FC Bayern in Trentino, so folgen Borussia Dortmund (Kitzbüheler Alpen/Österreich), der Hamburger SV (Graubünden/Schweiz), Bayer Leverkusen (Salzburger Land/Österreich), der VfL Wolfsburg (Heidiland/Schweiz) sowie der 1. FC Köln (Burgenland/Österreich) dem Trend der Zeit. Und die Tourismuswerber lassen sich einiges einfallen für ihre Gäste. Mayrhofen lud am Mittwoch die VfB-Fans zu einem Fest ein, die Profis können sich beim Klettern und Paragliding ablenken oder verbringen einen Abend am Stausee. Der Verband Kitzbüheler Alpen veranstaltet eine BVB-Erlebniswoche, und auf der Bergbahn Westendorf fährt sogar eine schwarz-gelbe BVB-Gondel. Kein Wunder, dass Marion Pepeunig vom Verband Mayrhofen-Hippach von einer „Win-win-Situation“ spricht.

Denn nicht nur der VfB wirbt für das Zillertal, die Region präsentiert sich regelmäßig auch in Stuttgart. In der Mercedes-Benz-Arena hat der Verband Werbebanden und -plakate gebucht, bei der Saisoneröffnung des VfB mit Tausenden (bestimmt irgendwann urlaubssuchenden) Fans ist er mit einem eigenen Stand ebenso präsent wie bei der VfB-Sponsorenmesse. Zur Nachhaltigkeit trägt auch die VfB-Fußballschule bei, die Mitte August in Mayrhofen ein Sommerferiencamp abhält. Merke: Wo die Kids sind, da sind die (finanzkräftigeren) Eltern nicht weit. Weshalb die Zillertaler das Ansinnen von Jochen Röttgermann, die Kooperation über 2016 hinaus zu verlängern, kaum torpedieren dürften. „Wir sind gesprächsbereit“, sagt der Marketingchef des VfB.

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