Hansi Müller und Dieter Hundt Foto: Pressefoto Baumann

Nüchtern betrachtet ist das Präsidentenamt beim VfB Stuttgart ein toller Job. Trotzdem tut sich der Aufsichtsrat um Dieter Hundt schwer, einen Nachfolger für Gerd Mäuser zu finden.

Stuttgart - Nüchtern betrachtet ist das Präsidentanamt beim VfB Stuttgart ein toller Job. Die Bezahlung ist gut, der Mitarbeiterstab erfahren und hoch motiviert, das Stadion auf der Höhe der Zeit, das wirtschaftliche Umfeld im Ligavergleich beneidenswert und die Fan-Gemeinde hungrig auf neue Erfolge. Trotzdem tut sich der Aufsichtsrat um Dieter Hundt schwer, einen Nachfolger für Gerd Mäuser zu finden. Erste Kontakte wurden geknüpft, nach Informationen unserer Zeitung aber ohne Erfolg.

Ex-Coach Ralf Rangnick, jetzt Sportdirektor bei den Red-Bull-Clubs in Leipzig und Salzburg, lehnte dankend ab. Er will sein Projekt nicht schon nach einem Jahr wieder beenden. Auch DFB-Sportdirektor Robin Dutt schüttelte bedauernd den Kopf. Sein Vertrag beim Deutschen Fußball-Bund läuft bis 2016. Und wer ihn kennt, weiß: Irgendwann wird er womöglich wieder als Trainer an der Außenlinie stehen.

Würde Hansi Müller von den VfB-Fans akzeptiert?

Aber die Zeit drängt. Am 22. Juli steigt die Mitgliederversammlung, bei der ein neuer Vereinschef gekürt werden soll. Und das Kontrollgremium sucht unverändert nach der großen Nummer, die auch jene überzeugt, die dem Aufsichtsrat nach dem Irrweg mit Mäuser mit Misstrauen begegnen. Namen wie Ottmar Hitzfeld, Jens Lehmann und Thomas Helmer werden diskutiert. Neuerdings auch wieder der von Hansi Müller. Als Retter in der Not – und als ehrenamtlicher Präsident, flankiert von einem Vorstandsvorsitzenden Fredi Bobic. Oder von einem geschäftsführenden Vizepräsidenten. Jochen Röttgermann, Chef der VfB-Marketing GmbH, gilt als geeigneter Kandidat. Ob Hansi Müller von den Fans akzeptiert würde, ist eine andere Frage. Er sitzt seit 2011 im Aufsichtsrat. Vor seiner Wahl kritisierte er die damalige Opposition und Teile der Fans. Das wird ihm bis heute angekreidet.

Immer mehr zeichnet sich ab, dass die aktuelle VfB-Struktur ein Hindernis sein könnte, einen profilierten Kandidaten zu überzeugen. Nicht jeder verspürt Lust, seine berufliche Zukunft von der emotionalen Befindlichkeit der VfB-Mitglieder abhängig zu machen, die je nach Tabellenplatz den Daumen heben oder senken.

Nahezu ausgeschlossen scheint aber, dass die Mitgliederversammlung eine Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung beschließt, die diese Art von Basisdemokratie in Zukunft verhindern könnte. Sinn ergeben würde sie überdies nur dann, wenn sich ein starker Partner finanziell zum Beispiel in eine Kapitalgesellschaft auf Aktien (KGaA) einkaufen würde. 2003, in der Stunde wirtschaftlicher Beklemmung, wurde unter Präsident Erwin Staudt die Ausgliederung vorbereitet. „Es ist alles vorhanden, der Mantel hängt im Schrank. Man muss ihn nur herausholen“, sagt der Ex-Präsident. Seinerzeit gelang aber unter Trainer Felix Magath der Einzug in die Champions League. Mit einem Schlag standen Einnahmen von 15 Millionen Euro ins Haus. Die Ausgliederungspläne landeten in der Schublade – auch, weil kein potenzieller Investor in Sicht war. Jetzt könnten die Überlegungen neu aufgerollt werden.

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