Der Mittelfeld-Allrounder Tunay Torun muss sich mehr ins VfB-Spiel einbringen. Foto: Pressefoto Baumann

Beim VfB Stuttgart schwärmen sie von den Qualitäten des Neuzugangs. Noch hält der türkische Nationalspieler sie weitgehend im Verborgenen.

Stuttgart - Seine Freundin Franziska, eine Immobilien-Fachfrau, hat jetzt auch einen neuen Job bekommen. Jetzt muss Tunay Torun noch bis zum Monatsende durchhalten, dann bezieht das Paar in der Stuttgarter Innenstadt eine Wohnung. „In den eigenen Möbeln fühlen wir uns wohler“, ahnt Torun. Dann ist er endgültig angekommen in Stuttgart. Dann kann er beim VfB durchstarten.

Darauf warten alle. Allen voran Bruno Labbadia. „Wir sehen jeden Tag den Grund dafür, warum wir ihn geholt haben“, sagt der Trainer über den gebürtigen Hamburger, den er als Trainer beim HSV selbst gefördert hat. 2008 verhalf er ihm zum Bundesligadebüt, seither hat Torun 50 Erstligaspiele mit sechs Toren absolviert. Nach drei Einsätzen für den VfB schränkt Labbadia aber auch ein: „Tunay muss seine Freude am Fußballspielen noch mehr rauslassen.“

Bisher wirkte es eher, als spiele er mit angezogener Handbremse. Und nicht wie einer, dessen Namen Experten gern in einem Atemzug mit Talenten wie Mario Götze oder Marco Reus nennen. Weil Torun, der mit 20 Jahren sein Debüt für die türkische Nationalmannschaft gefeiert hat, wie die beiden Dortmunder über Technik, Schnelligkeit und Dynamik verfügt und überdies seine Mitspieler mit präzisen Pässen einzusetzen vermag. Dass er seine Fähigkeiten links, rechts und zentral im Mittelfeld einsetzen kann, ist auch kein Nachteil – am liebsten hinter den Spitzen, dort fühlt er sich seit der Jugend heimisch. „Er bringt alles mit“, sagt Labbadia. Aber Torun selbst weiß, dass er sein wahres Gesicht auf dem Platz noch zu selten gezeigt hat. Deshalb erklärt er die Schnupperphase für beendet und verordnet sich mehr Mut: „Ich muss mir mehr zutrauen.“ Er ist überzeugt: „Das kommt, wenn ich besser im Rhythmus bin.“

Seinen Wechsel von Hertha BSC zum VfB empfindet er „wie einen Sechser im Lotto“

Vorerst verfährt er nach dem Motto: In kleinen Schritten zum großen Glück. Seinen Wechsel von Hertha BSC zum VfB empfindet er „wie einen Sechser im Lotto. Der VfB ist ein Riesenverein mit tollen Fans und tollem Stadion.“ In Labbadia hat er einen Vertrauten: „Zu ihm kann ich mit allem kommen.“ Am Tag, als Labbadia als HSV-Trainer entlassen wurde, zog sich sein Hamburger Schützling einen Kreuzbandriss zu. Nach jenem 26. April 2010 ging Torun in sich, malte sich eine Zukunft ohne Fußball aus: „Es war meine erste große Verletzung. Ich habe da vielleicht überreagiert.“

Vorbei, vergessen. Auch den Bundesligaabstieg mit Hertha BSC im Sommer hat Torun verarbeitet: „Man darf sich nicht zu sehr am Negativen festhalten.“ Sein Blick geht nach vorn, zuweilen schon bis zum DFB-Pokalspiel am 31. Oktober gegen den FC St. Pauli, für den er zehn Jahre lang gekickt hat. Im Profikader steht sein früherer Klassenkamerad Dennis Daube. Ein besonderes Spiel wie auch die Begegnung in der Europa League gegen Steaua Bukarest an diesem Donnerstag (19 Uhr/Sky). Sie zelebriert Torun innerlich wie einen Feiertag: „Ich habe schon mit dem HSV international gespielt, solche Abendspiele in dieser ganz speziellen Atmosphäre sind das Größte.“

Es ist für Torun die nächste Gelegenheit zu zeigen, was in ihm steckt. Und Anlass für ein Versprechen: „Ich werde versuchen, so schnell wie möglich meine individuelle Klasse zu zeigen.“ Die VfB-Fans nehmen ihn gern beim Wort.

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