Enttäuschung: Die VfB-Profis nach dem Pokalspiel in Bochum Foto: Baumann

Raus im Pokal – und trotzdem bereit für den Ligastart? Irgendwie schwer vorstellbar. Doch Armin Veh bleibt noch gelassen. „Ich bin nicht beunruhigt“, versichert der Trainer des VfB Stuttgart.

Bochum/Fellbach - Ja, es gab auch gute Nachrichten von der Profitruppe des VfB Stuttgart an diesem Wochenende. Erstens: Die Jungs haben gewonnen – 11:2 das Freundschaftsspiel am Sonntag beim Landesligisten SV Fellbach. Und zweitens: Die Kicker mit dem Brustring sind noch immer begehrt. Bei der Autogrammjägern in Fellbach ebenso wie bei den Kontrahenten vom Samstag. Gleich mehrere Spieler des VfL Bochum warteten vor der VfB-Kabine, um den Trikottausch vorzunehmen. Klingt doch gut – doch die Mängelliste ist wenige Tage vor dem Start der Bundesliga länger.

Mit einem kurzen und knappen „Ja“ beantwortete Fredi Bobic am Sonntag zwar die Frage, ob das Erstrunden-Aus im DFB-Pokal gegen Bochum bereits verdaut sei – und rechnete dann vor, dass dies dem VfB nun erstmals nach 19 Jahren passiert sei. So cool wie der Sportvorstand können aber nicht alle VfB-Anhänger (und Spieler) die 0:2-Pleite abhaken. Sie treibt vielmehr die Sorge um: „Ja geht denn das schon wieder los?“

Die vergangene Saison samt Fast-Abstieg steckt den Fans noch in den Knochen, der Blick nach vorn war dennoch voller Hoffnung – und dann beginnt die ganze Chose gleich wieder mit einem Nackenschlag. „Das war ein erheblicher Dämpfer“, klagte Kapitän Christian Gentner, der wie die Kollegen mit hängendem Kopf in die Fankurve („Wir woll’n euch kämpfen sehen“) getrottet war – nachdem sich sein Team in der gesamten Partie gegen den Zweitligisten nicht eine einzige große Torchance erarbeitet hatte. Ja, die Köpfe.

Für Armin Veh liegt dort der Grund des Übels zum Pflichtspielauftakt. Klar, die neue Art von Fußball im neuen System sei noch nicht vollends verinnerlicht. Und sicher, Bochum war ein undankbares Los, der VfL hatte schon zwei erfolgreiche Pflichtspiele auf der Habenseite. Auch ein früher Rückstand wirkt nicht wie Balsam auf der Seele. „Aber man muss dann trotzdem klug weiterspielen“, sagte Veh, „das haben wir nicht gemacht. Wir wollten mit dem Kopf durch die Wand.“ Mit dem Ergebnis, dass sich die Bochumer über einen völlig verdienten Sieg freuen durften – und der VfB raus ist aus einem Wettbewerb, der nicht nur „Spaß macht“ (Bobic), sondern auch ein interessantes Verhältnis von Aufwand und finanziellem Ertrag bietet. Diese Geldquelle ist für diese Saison versiegt – viel schlimmer aber sind womöglich die Auswirkungen auf die kommenden Spiele.

„Nein“, sagte Veh, „er sei zwar überrascht, aber nicht beunruhigt.“ Obwohl es am Sonntag (17.30 Uhr) zum Ligastart gleich zu Borussia Mönchengladbach geht. Die VfB-Strategen wissen aber auch, dass es durchaus von Vorteil wäre, wenn der Prozess des Wiederaufbaus zügig vonstatten ginge. „Natürlich müssen wir versuchen, gut zu starten“, sagte Bobic. Auch, weil Trainer Veh weiß: „Wenn du erfolgreich bist, geht Vieles schneller.“ Was übertragen auf die Lage des VfB aber eine verflixte Situation ergibt.

Der VfB will vorankommen, um erfolgreich zu sein. Er muss aber erfolgreich sein, um voranzukommen. Das klingt nicht gut – zumal die Zeit drängt .

Die Integration der wichtigen Neuzugänge verläuft schleppend. Oriol Romeu war zwar zentraler Spieler in Vehs 4-1-4-1-Systems. Der Spanier holte sich aber viel zu oft den Ball hinter der eigenen Abwehr von Keeper Sven Ulreich ab und patzte dabei auch noch kapital vor dem 0:1. Filip Kostic stand ebenfalls in der Startelf, zeigte Ansätze, hatte aber kaum Bindung zum Spiel. „Die bekommt er aber nur, wenn er auch spielt, deshalb bin ich das Risiko eingegangen, ihn zu bringen“, sagte Veh. Abstimmung ist das eine, Einstellung das andere.

Zwar hatte der VfL Bochum tatsächlich einen „kleinen Vorteil“ (Veh) durch den früheren Saisonstart in der zweiten Liga. Sämtliche entscheidenden Zweikämpfe hätte der VfB dennoch nicht verlieren müssen. Dazu kommt: Veh hatte zwar gute spielerische und taktische Ansätze gesehen, beklagte aber die Anfälligkeit seiner Profis: „Man darf sich nicht verrückt machen lassen, wenn mal was nicht klappt.“ Damit beschrieb der neue Coach ein altes Problem. Wenn es gilt, Widerstände zu überwinden, gerät der VfB aus der Bahn. Den Roten, so scheint es kurz vor dem Saisonstart der Bundesliga, fehlen nach wie vor die Typen, die sich gegen Widrigkeiten stemmen. „Das ist mentale Stärke“, sagte Veh, „daran müssen wir arbeiten.“ Denn: Wer lässt einen schon gewähren? Nicht mal der SV Fellbach – gegen den Landesligisten stand es am Sonntag zur Pause 2:2.

In den kommenden Wochen heißen die Gegner dann Gladbach, 1. FC Köln und Bayern München, Hoffenheim und Dortmund. Da besteht nur, wer die Erkenntnisse des Fehlstarts zur schnellen Besserung nutzt.

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