Mäuser mit Dieter Hundt. Foto: Pressefoto Baumann

Der künftige Ex-Präsident Mäuser ließ am Rande des VfB-Siegs gegen Mönchengladbach schon mal verlauten, was er nach seinem Rücktritt zu tun gedenkt. Bei den Planspielen hinter den Kulissen manifestiert sich derweil immer mehr ein fester Wille zum Neuanfang.

Stuttgart - Der künftige Ex-Präsident Gerd Mäuser ließ am Rande des VfB-Siegs gegen Borussia Mönchengladbach (2:0) schon mal verlauten, was er nach seinem Rücktritt am 3. Juni zu tun gedenkt: Sein Stuttgarter Weg führt ihn zum Powerbootfahren nach Kroatien. Den VfB-Verantwortlichen hinterlässt er nach seinem gescheiterten Intermezzo aber einen Berg von Arbeit. Der Fußball-Bundesligist muss sich nicht nur sportlich neu orientieren, er braucht auch eine neue Mannschaft für die Führungsgremien. Bei den Planspielen hinter den Kulissen manifestiert sich immer mehr ein fester Wille zum Neuanfang.

Die Präsidenten-Frage: Ob Dieter Hundt dann noch eine entscheidende Rolle spielt, ist fraglich. Im Gespräch mit dem Ehrenrat wurde ihm nach Informationen unserer Zeitung bedeutet, dass es kein Fehler wäre, den Weg für einen Neubeginn frei zu machen. „Er muss überlegen, wie lange er sich das noch antun will“, sagt sein Aufsichtsrats-Kollege Hansi Müller. Beim VfB selbst gehen die Beobachter davon aus, dass Dieter Hundt intensiv über einen baldigen Rückzug nachdenkt.

Er selbst dementierte solche Eindrücke am Montagabend entschieden. Beim Wirtschaftsforum der BW-Bank wehrte er sich gegen Vermutungen er könne an seinem Aufsichtsratsmandat die Lust verloren haben. „Es gibt überhaupt keine andere Überlegung, als dass ich bis 2014 Vorsitzender des VfB-Aufsichtsrats bleibe“, sagte er. “ Die Fans lassen trotzdem keinen Zweifel, was dem Chef des Aufsichtsrats blüht: die Abwahl bei der Mitgliederversammlung am 22. Juli. „Dieter, und wann gehst Du?“, fragten sie auf Spruchbändern im Stadion.

Auch der mit Rücksicht auf ­Mercedes verhinderte Hauptsponsoren-Deal mit Porsche – unsere Zeitung deckte den Vorgang auf – trägt zum Verlangen bei, die bisherigen Götter vom Sockel zu stürzen. „Schluss mit der Vetterleswirtschaft“, forderten sie an die Adresse von Hundt und seinen Stellvertreter Joachim Schmidt, Marketing- und Vertriebschef bei Mercedes-Benz. Für Hundt ist die Kritik aus den eigenen Reihen aber ein zusätzliche Ansporn: „Diese Proteste motivieren mich umso mehr, Lösungen zu finden, die akzeptiert werden.“

Unklar ist nach wie vor, wer die Vakanz im Präsidentenamt beheben könnte, klar ist inzwischen aber, dass der VfB wieder einen hauptamtlichen Chef bekommen soll.

Die sportliche Situation: Fredi Bobic gehört jetzt dem Vorstand an. Bei Aufsichtsratssitzungen sitzt er nicht nur dann am Tisch, wenn es um sportliche Belange geht, er hat auch bei der Ausgestaltung des Vereinsetats ein Wörtchen mitzureden. Das ist gut für Bruno Labbadia und sein Team. Finanzvorstand Ulrich Ruf muss sich dagegen an Gegenwind gewöhnen. „So wie im vergangenen Sommer wird es nicht mehr laufen“, sagt Bobic. Er arbeitet an einem Kader, der mehr Spiellaune verbreiten soll. Der Stuttgarter Weg war eine Sackgasse, die Jungen Wilden trugen Züge einer Mogel­packung. Künftig sollen Hunger nach Erfolgen, ehrliche Arbeit und die Leidenschaft im Spiel wieder im Mittelpunkt stehen.

Finanzielle Abenteuer will Bobic auch künftig nicht eingehen. „Mit dem aktuellen Kader war einfach nicht mehr drin. Wenn wir jetzt noch nach Berlin fahren, hat Bruno Labbadia das Optimale herausgeholt. Mehr kann ich vom Trainerteam nicht erwarten“, sagt der neue starke Mann im Club. In der nächsten Saison müssen sich alle an den veränderten Maßstäben messen lassen – die Führungscrew, der Coach und die Spieler.

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