Bei den VfB-Fans herrscht große Vorfreude auf die neue Saison Foto: dpa

Am Samstag hat das lange Warten ein Ende: Dann starten die Fußballer des VfB Stuttgart bei Holstein Kiel ihre Mission Neuanfang. Viel Gesprächsstoff für die Fans – auch mit Blick auf das große vereinspolitische Thema des Jahres.

Stuttgart - Joachim Schmid ist ein gefragter Mann. Sein Handy klingelt an diesem Abend in der Vereinsgaststätte des Stuttgarter SC in einem fort. Der Vorsitzende des VfB-Fanclubs Rot-Weiße Schwaben Berkheim hat sich mit den anderen Mitgliedern des Fanausschusses bei Apfelschorle und Radler zusammengefunden, um über die Lage beim Fußball-Bundesligisten zu befinden.

Aber viel zum Reden kommt Schmid nicht, er ist mehr mit Mitgliedsanfragen beschäftigt. „Ich bekomme bis zu zehn Anfragen pro Tag. 90 neue Mitglieder haben wir schon“, berichtet der Ur-Rote mit funkelnden Augen. Er sagt dann noch den bemerkenswerten Satz: „So eine Euphorie habe ich noch nie erlebt.“ Schmid ist immerhin schon seit 30 Jahren dabei.

Die Wolken über dem Cannstatter Wasen leuchten für die VfB-Fans in diesen Tagen in zartem Rosarot. Zart ist die Hoffnung, dass alles besser wird. Endlich. Oder mal wieder. Die Perspektiven sind vorhanden. Der Sportvorstand: hat endlich aufgeräumt. Schaffen statt schwätzen – das schätzen die Fans. Der neue Trainer: „Ein guter Typ mit klaren Positionen“, findet Oliver Schaal vom Commando Cannstatt. Dass sich Alexander Zorniger durch seine selbstbewusste Art und seine risikoreiche Spielphilosophie auf dünnem Eis bewegt, sehen zwar die meisten so. Dennoch geht der Gmünder mit einem größeren Vertrauensvorschuss in die am Samstag (20.30 Uhr) mit dem Pokalspiel bei Holstein Kiel beginnende Saison als die meisten seiner Vorgänger. Ob ihm seine Vergangenheit beim ungeliebten Emporkömmling RB Leipzig bei Misserfolg nicht zum Verhängnis werden könnte? Schaal, der Ultra, schüttelt den Kopf: „Wir sind keine Sozialromantiker.“ Seine Botschaft: Jeder ist willkommen im Club, wenn er (endlich) gute Arbeit leistet.

Fans sind beim Thema Ausgliederung noch unentschieden

Der weiß-rote Anhang ist bescheiden geworden. „Im Pokal weiterkommen und gegen Köln nicht verlieren – das wär’ doch schon mal ein guter Start“, sagt Achim Hennige von den Cannstatter Jungs. Freilich kann er nicht garantieren, dass der Friede auch dann noch hält, sollte im Herbst doch wieder die VfB-Tristesse Einzug halten und der VfB nach fünf Spielen mit zwei Punkten dastehen. Clemens Knödler vom Schwabensturm formuliert mit Bedacht: „Im Moment ist die Bereitschaft da, Vertrauen wieder aufzubauen.“

Vertrauen – das Stichwort auch für das große vereinspolitische Thema dieser Spielzeit: die Ausgliederung der Profis. Auf der Mitgliederversammlung am 11. Oktober will Präsident Bernd Wahler darüber informieren. Ob er im kommenden Jahr die erforderliche Dreiviertelmehrheit bekommen wird, ist aus Sicht des Fan-Ausschusses noch völlig offen. Die von Vereinsseite kolportierten 2000 Gegner hält das Gremium für überzogen. Die große Mehrheit wolle sich die Pläne erst einmal anhören. Die Fans sind selbstbewusst genug, dem VfB klare Ansagen zu machen: „Bei der Mitgliederversammlung wollen wir wissen: Was plant ihr – wann, warum und mit welchem Ziel?“, sagt Schaal.

„Vertrauen ist das Wichtigste“, ergänzt Joachim Schmid. „Vertrauen in den richtigen Umgang mit dem eingenommenen Geld.“ Die entscheidende Frage sei doch, ob der Verein als Fußball AG hinterher besser dastehe, gibt Ariane Haußmann vom Fanclub Stuttgarter Mädle zu bedenken. „Vor allem nachhaltig besser dasteht.“ Der Hamburger SV, der den Schritt bereits vor einem Jahr vollzogen hat, dient dem weiß-roten Anhang als abschreckendes Beispiel. „Dort ist den Mitgliedern ungefragt etwas übergestülpt worden“, sagt Schmid, „so sollte es nicht gehen.“ Als langjähriger Aktiver der Fanszene sorgt er sich um die Mitspracherechte. Etwa die Frage, ob es künftig noch einen Fan-Ausschuss geben wird. Der Fanclub-Vorsitzende will schließlich auch in Zukunft ein gefragter Mann sein – bei seinen Mitgliedern genauso wie beim VfB.

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