Der VfB Stuttgart hält lange mit – doch am Ende heißt es 4:1 für den FC Bayern München. Foto: Bongarts

Mit einem Sieg beim FC Bayern war nicht zu rechnen. Dennoch gilt nach dem 1:4 des VfB Stuttgart in München: Der Druck wird immer größer. Vor allem mit Blick auf die kommenden Spiele.

München - Eigentlich war die 64. Minute im Spiel des VfB Stuttgart beim FC Bayern ja dafür auserkoren, sinnbildlich zu sein für die Lage des Tabellen-16. Nicolas Gonzalez hatte die Chance, das 2:2 zu erzielen – der Stürmer traf nur den Pfosten. Und im Gegenzug störte Marc Oliver Kempf den Bayern-Stürmer Robert Lewandowski derart ungeschickt, dass Schiedsrichter Frank Willenborg gar keine andere Wahl hatte, als Elfmeter zu pfeifen.

Lewandowski trat an – doch weil der Pole ebenfalls nur den Pfosten traf, durfte der VfB noch ein bisschen länger davon träumen, in München einen Bonuspunkt zu ergattern. Genau genommen: bis zur 71. Minute. Dann erzielte Leon Goretzka nach einem Eckball von Joshua Kimmich und einer erfolglosen Flugeinlage des VfB-Keepers Ron-Robert Zieler per Kopf das 3:1. Es war die Entscheidung in einem Spiel, das die Stuttgarter überraschend lange offen gehalten hatten – das den Kickern in Weiß und Rot aber nun das erwartete Signal in die kommenden Wochen mitgibt.

Mario Gomez erstmals auf der Bank

Am Sonntag (18 Uhr) zählt im Heimspiel gegen den SC Freiburg nur ein Sieg. Für das folgende Auswärtsspiel bei Fortuna Düsseldorf gilt im Grunde das gleiche, auch wenn Stürmer Mario Gomez meinte: „Der Kampf gegen den Abstieg wird nicht in den nächsten beiden Spielen entschieden.“ Aber der VfB steht eben auch nach zwei Spielen der Rückrunde mit lediglich 14 Punkten auf Tabellenplatz 16 und kann nicht ewig davon ausgehen, dass auch die Nürnberger (Platz 18), Hannoveraner (17) und Augsburger (15) verlieren. „Es waren positive Dinge dabei, die wir für die kommenden Spiele mitnehmen müssen“, sagte Spielführer Christian Gentner. Für die erste Überraschung aus VfB-Sicht hatte Trainer Markus Weinzierl dabei schon vor dem Anpfiff gesorgt.

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Erstmals in dieser Saison trat der VfB nämlich ohne seinen vermeintlich wichtigsten Mann an: Mario Gomez saß nur auf der Bank, hatte aber Verständnis: „Ich will das Beste für die Mannschaft“, sagte er und berichtete, den Trainer aus taktischen Gründen sogar bestärkt zu haben, ihn draußen zu lassen. Chefcoach Weinzierl baute also auf Offensivspieler, die für schnelles Konterspiel eher taugen als Strafraumstürmer Gomez: Anastasios Donis an der Seite von Nicolas Gonzalez. Auf den Außenbahnen sollten Alexander Esswein und Steven Zuber für Umschaltmomente sorgen. Doch schon nach fünf Minuten schien das Konzept wertlos.

Der VfB ist nicht effektiv genug

Ein Lupfer von Joshua Kimmich in den Stuttgarter Strafraum genügte, um erstmals Unordnung zu stiften. Am Ende landete der Ball vor den Füßen von Thiago – und der Mittelfeldmann des FCB hatte keine Mühe, einzuschieben. Es drohte schon da ein ganz bitterer Nachmittag – doch dann kam das, was Gentner mit den positiven Dingen gemeint hatte.

Der VfB zog sich nicht ängstlich zurück, sondern nutzte die größer werdende Passivität der Münchner für eigene Angriffe – und wurde dafür in der 26. Minute belohnt. Gentner schlug einen langen Pass auf Donis, der Grieche behauptete die Kugel gegen Thiago und schlenzte den Ball traumhaft schön ins rechte obere Eck. 1:1 – und nicht wenige VfB-Fans stellten sich verwundert die Frage: „Geht da doch was?“ Erst recht, nachdem Donis das 2:1 in der 33. Minute nur knapp verpasste.

„Wir haben es in der ersten Hälfte nicht so schlecht gemacht“, analysierte Abwehrspieler Marc Oliver Kempf – der aber zugeben musste: „Wir konnten das nicht halten.“ Trainer Weinzierl kritisierte: „In München musst du effektiv sein, das waren wir nicht.“ Die Bayern dagegen traten noch mal das Gaspedal durch.

Gentner zweifelt nicht am Charakter des Teams

2:1 stand es in der 55. Minute, als Gentner einen Schuss des eingewechselten Serge Gnabry ins eigene Tor lenkte. Goretzkas 3:1 folgte in der 71., das 4:1 durch Lewandowski sechs Minuten vor dem Ende – das standesgemäß war. Und dem VfB bis Sonntag ein paar Denkaufgaben gibt.

Ist das Modell ohne Gomez auch eine Heimspiel-Option? Bleibt Neuzugang Ozan Kabak im Team? Wie stellt der VfB seine immer noch viel zu vielen Fehler ab? Und: Verhindert das Team gegen den SC Freiburg einen so trostlosen Auftritt wie gegen den 1. FSV Mainz 05 (2:3)? „Ich glaube fest an uns“, sagte Kempf. „Die Situation ist schwierig, aber der Charakter der Mannschaft ist nicht die Problematik“, versicherte Gentner. Beweise sollten nun dringend folgen – auch fußballerische.

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