VfB-Trainer Veh will sein Team um Kapitän Gentner stark reden Foto: Baumann

Den Fehlstart im Rücken, den BVB vor der Brust: Es gibt bessere Gelegenheiten, die sportliche Wende herbeizuführen als ein Auswärtsspiel in Dortmund. Der VfB Stuttgart jedoch steht unter Zugzwang – und Trainer Armin Veh sieht offenbar nur eine Chance: „Ich werde die Mannschaft starkreden.“

Stuttgart - Auswärtsspiele in Dortmund können eine wahre Freude sein. 80 000 auf den Rängen, ein Gegner, der dem Spektakel nicht abgeneigt ist, und einige Erlebnisse, die nach einer Wiederholung schreien – wie das 4:4 vor zweieinhalb Jahren. Nun reist der Tross des VfB Stuttgart wieder einmal zum BVB – doch vor der Partie an diesem Mittwoch (20 Uhr/Sky) ist es mit der Vorfreude so eine Sache. Erst recht mit der Zuversicht.

Fünf Pflichtspiele hat der VfB in dieser Saison absolviert, die Ausbeute ist mehr als mager: Ein Punkt, ein Tor, Aus im Pokal, Platz 18 in der Liga – und eine Stimmung rund um den Verein, die mit dem Wort miserabel noch recht wohlwollend beschrieben ist. Wie da beim Champions-League-Teilnehmer in Gelb und Schwarz was zu holen sein soll? Magie wäre eine Sache.

Weil beim VfB aber statt Harry Potter ein gewisser Armin Veh („Ich bin kein Zauberer“) auf der Trainerbank sitzt, fällt diese Variante aus. Immerhin ist der Coach auf der Suche nach einer Alternative fündig geworden: Psychologie. „Ich werde mit der Mannschaft im mentalen Bereich arbeiten“, sagt Veh mit Blick auf das Spiel in Dortmund und betont: „Ich werde sie starkreden.“

Unter Berücksichtigung der bisher gezeigten Leistungen wird sich der Trainer vermutlich den Mund fusselig reden müssen, da eine Fortentwicklung gegenüber der vergangenen Horrorsaison bislang nicht zu erkennen ist. Und weil er sich ja auch ein Stück weit selbst revidieren muss. Schließlich hat Veh nach einigen gemeinsamen Wochen mit seinem Team dessen überschaubares Potenzial tatsächlich überrascht. Und den Kampf gegen den Abstieg bis zum letzten Spieltag hat der Augsburger ebenfalls als durchaus realistische Möglichkeit für die kommenden Monate angeführt. Kann er nun die Mannschaft dennoch glaubwürdig starkreden?

Veh gibt sich nach dem Fehlstart kämpferisch: „Ich bin keiner, der am Boden zerstört ist und sagt: Bitte, Spieler, helft mir mal. Ich lasse mich nicht verrückt machen.“ Und Hilfestellung will er eher seinen Jungs geben, die seit geraumer Zeit auf Erfolgserlebnisse warten. „Wir müssen durch Gespräche versuchen, die Unsicherheit aus den Köpfen zu bekommen“, sagt Armin Veh.

Weil vom Reden allein aber noch keiner einen Ball über die Linie gedrückt hat, müssen dann auch Taten folgen. Gerne bereits in Dortmund, spätestens am Samstag (15.30 Uhr) im Heimspiel gegen Hannover 96 braucht der VfB Punkte. „Der Zeitpunkt ist gekommen, uns zusammenzureißen und unser Bestes zu geben.“

Das sagt Oriol Romeu, die spanische Leihgabe vom FC Chelsea, der als einer der wenigen unvorbelastet in die Saison gestartet ist. Und so hat er sich seinen Optimismus bewahrt und sagt vor dem Auswärtsspiel in Dortmund nicht nur: „Es wird ein schwieriges Spiel.“ Sondern auch: „Wir hoffen, überraschen zu können.“ VfB-Keeper Sven Ulreich klingt da schon verzagter, wenn er sagt: „Wir haben in Dortmund die Aufgabe, es dem BVB so schwer wie möglich zu machen. Uns wird keiner Chancen einräumen.“ Immerhin: Auch der Gegner hatte zuletzt so seine Probleme.

Zwar ist der BVB erfolgreich in die neue Saison der Champions League gestartet (2:0 gegen den FC Arsenal), und die Rückkehr von Shinji Kagawa hat ordentlich Euphorie geschürt. Aktuell plagen Trainer Jürgen Klopp aber Personalsorgen, und die 0:2-Niederlage am Samstag in Mainz drückte zu Wochenbeginn auch noch aufs Gemüt. Die Frage aber ist: Kann das dem VfB helfen?

Armin Veh wird wohl sagen: „Ja, absolut.“ Schließlich ist er ja jetzt auch Mentaltrainer.

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