Zwischen 2012 und 2015 erzielte Vedad Ibisevic in 86 Spielen 33 Tore für den VfB. Foto: www.winter-sportfoto.de

Er will nur noch nach vorne schauen, sagt der zuletzt beim VfB Stuttgart unglückliche Vedad Ibisevic vor dem Spiel seines neuen Clubs Hertha BSC gegen seinen alten (VfB) am Samstag (15.30 Uhr/Sky).

Berlin - Ein sanfter Sommertag in der Hauptstadt. Entspannung liegt in der Luft, eine gewisse Leichtigkeit. Auch draußen auf dem Trainingsgelände von Hertha BSC, gleich am Olympiastadion. Vom Platz kommen ein paar heitere Rufe, ein Lachen. Leichtigkeit überall. Kaum zu glauben, dass sich hier Fußballprofis auf das kommende Wochenende vorbereiten.

Der Trainer will das so. „Es ist ein Zwischentag“, sagt Pal Dardai. Erst ab Mittwoch soll es ernst werden. „Der Donnerstag wird hart, wir müssen viel üben, Laufwege einüben.“ Dass die Einheit am Dienstag länger dauert als sonst, liegt vor allem an Vedad Ibisevic. Den haben sich die Berliner kurz vor Transferschluss vom VfB geschnappt. Kostenlos; das heißt, der VfB musste sogar noch eine Million drauf legen. Am Dienstag trainierte der Bosnier zum ersten Mal mit. Und am Samstag (15.30 Uhr/Sky) dann das Treffen mit dem Ex-Club.

Ausgerechnet der VfB, bei dem Ibisevic erfolgreich war – zunächst. Aber bei dem er auch lange gelitten hat, später. Sportlich nur noch Reservist, psychisch in Abwehrhaltung – so war es am Ende. Er hatte sich in die innere Immigration begeben. Kein Wort mehr zu den Journalisten.

Während Dardai noch vom Glück redet, „einen zweiten Mittelstürmer zu haben“, hat der neue hauptstädtische Hoffnungsträger schon Platz genommen. Erstes Treffen mit der Berliner Presse. Ibisevic schaut freundlich in die Runde. Als er hört, dass auch unsere Zeitung anwesend ist, meint man, ein leichtes Blitzen in den Augen zu erkennen, ein angedeutetes Lächeln.

Aber das ist keine Kampfansage. Ibisevic will es gut sein lassen. Kein Blick zurück im Zorn. Will er es in Berlin den Roten beweisen? Will er zeigen, dass man ihn zu Unrecht aussortiert hat? Wenn er es so sieht, sagt er es zumindest nicht. Er antwortet höflich, ruhig, ohne Zorn. „Das will ich alles zur Seite schieben“, erklärt er. „Nicht einfach“, sei das Ende in Stuttgart gewesen, aber daraus habe er „als Mensch und Spieler gelernt.“ Er fügt sogar noch hinzu, „dass es mir insofern sogar gut getan“ habe. Auf seiner Facebook-Seite gibt es viele freundliche Kommentare zu seinem Wechsel. Das hat ihm gut getan. „Es gab immer Menschen, die mich verstanden haben“, sagt er, „ich habe immer alles für die Mannschaft gegeben, vielleicht kam das ab und zu gut an.“ Leise spricht er und ernst. Die Botschaft ist klar: Er will es gut sein lassen. Nur noch nach vorne schauen.

Ob er jubelt, wenn er trifft? Das weiß er noch nicht

Aber nach vorne heißt auf Samstag. Was passiert, wenn er trifft gegen den alten Club, wird er dann jubeln oder sich fein zurückhalten? Auch diese Vorlage will er nicht verwandeln. „Wichtig ist, dass die Mannschaft jubeln kann. Und wenn ich treffe“, sagt er und zögert doch ein bisschen, „dann wird man sehen, was passiert.“

Kann es zu diesem Szenario kommen, das den VfB ins Herz treffen würde? Wenn, dann erst in der Schlussphase des Spiels. Der 31-Jährige gehört nicht zur Startelf. Das macht der Trainer gleich klar. Salomon Kalou ist sein Konkurrent. Und der hat schon zweimal in dieser Saison getroffen. Kein Grund für Veränderungen. „Vedad kann später reinkommen,“sagt Dardai.

Der Ungar ist ein Mann klarer Worte. Er hat dem Bosnier klar gemacht, was er von ihm erwartet. „Ein Stürmer muss Tore machen, das habe ich ihm gesagt. „Ich glaube nicht, dass er aus der Stuttgarter Zeit einen Rucksack mitschleppt oder dass er sich zu sehr unter Druck setzt.“ Dardai hält viel von Ibisevic. „Er weiß, wo das Tor steht, er ist ein Box-Spieler, das brauchen wir.“

Druck – das ist ein Thema. Ibisevic will ihn nicht heranlassen. Er fühlt ihn trotzdem. „Ich rede nicht über Ziele, ich will nicht übermotiviert sein“, sagt er. Kein Spruch, keine Ansage. Stattdessen viel Lob für den Konkurrenten Kalou. „Ein sehr guter Spieler“. Nur „das Beste aus sich herauszuholen“ – das verspricht er schon. Hoffentlich nicht schon am Samstag. . .

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