Interessante Gespräche: Torben Giese (Direktor des Stadtpalais), Kickers-Fan Anna-Lena Nanz, VfB-Fan Heike Hofmann, Martin Bizer (ehemaliger Rektor am Wirtemberg-Gymnasium), Michael Bofinger (Geschäftsführer Sportregion Stuttgart/v. li.) Foto: red/jüf

Auch während der EM bleiben der VfB und die Kickers in Stuttgart ein Thema. Im Stadtpalais gab’s eine muntere Diskussion zur Rivalität von Rot und Blau. Wir liefern die wichtigsten Aussagen und besten Sprüche des Abends.

Nebenan lief auf Großbildleinwand das EM-Spiel Niederlande gegen Österreich, doch im Stadtpalais in Stuttgart ging es um die Rivalität in der Landeshauptstadt, um die Farbenlehre im Stuttgarter Fußball. Rot oder Blau – ist das eine Glaubensfrage? Wer die klare Nummer eins ist, darüber muss nun wahrlich nicht diskutiert werden. Aber warum fiebert man völlig ligaunabhängig mit seinem Lieblingsverein mit? Warum geht jemand zu den viertklassigen Kickers, wenn unten im Kessel der VfB in der Champions League spielt?

 

Solchen und anderen Fragen rund um den Fußball stellten sich auf die Podium zwei weibliche Fans – die glühende Kickers-Anhängerin Anna-Lena Nanz und Heike Hofmann, die für den VfB schwärmt. Doch auch weitere Protagonisten mit weiß-roter und blauer Vergangenheit kamen zu Wort und diskutierten mit, wie etwa der ehemalige VfB-Finanzvorstand Ulrich Ruf und der frühere Kickers-Manager Dieter Dollmann. Auch Ex-Fifa-Schiedsrichter Knut Kircher äußerte sich zur Rivalität. Wir präsentieren die wichtigsten Aussagen und Sprüche des Abends.

Torben Giese (Moderator und Direktor des Stadtpalais – Museum für Stuttgart): „Für beide Stuttgarter Clubs zu sein ist wohl nicht möglich. Es geht eine virtuelle Linie quer durch Stuttgart.“

Anna-Lena Nanz (Kickers-Fan): „Wir bei den Blauen gehen alle gemeinsam durch dick und dünn. Auch nach Niederlagen. Die Loyalität sitzt so tief. Ich liebe die Kickers. Die guten Zeiten liegen vor uns.“

Heike Hofmann (VfB-Fan): „Die Kickers haben von mir eine faire Chance bekommen. Ich war bei einem Spiel gegen die SpVgg Bayreuth, aber sie haben mich nicht gefangen.“

Guido Dobbratz (Kickers-Ehrenrat): „Dass der VfB II den Kickers den Drittliga-Aufstieg wegschnappte, ist schon unglaublich bitter. Jetzt spielen sie vor 100 Zuschauern in Großaspach gegen Hannover 96 II.“

Heike Hofmann zu den Abgängen beim VfB: „Ich gehe davon aus, dass wir am ersten Spieltag mit elf Spielern auflaufen.“

Ulrich Ruf (ehemaliger VfB-Finanzvorstand): „Ich denke, die dritte Liga wäre für die Kickers angemessen. Ich sehe aber die Infrastruktur in Degerloch als Problem.“

Knut Kircher (früherer Fifa-Schiedsrichter): „Stuttgart hat genug Platz, auch genug Platz für zwei Bundesligisten. Ein EM-Titel für Deutschland ist aber realistischer, als dass die Kickers das schnell schaffen.“

Dieter Dollmann (Ex-Kickers-Manager) dazu: „Ich habe die guten Zeiten mitgestaltet, die zweite Liga müsste für die Kickers möglich sein.“

Anna-Lena Nanz: „Spiele in der Oberliga in Hollenbach oder Mutschelbach haben die Kickers-Familie noch enger zusammenrücken lassen. Jetzt träumen wir natürlich von mehr.“

Heike Hofmann: „Wir träumen von der Champions League und fahren nicht nach Mutschelbach, sondern nach Barcelona oder Madrid. Die Kickers-Fans sind dazu eingeladen – wenn sie eine Karte kriegen.“ (mit einem Augenzwinkern)

Marc Nicolai Schlecht (Ex-Kickers-Torwart, VfB-Vereinsbeirat): „In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Was wäre ich für ein Mensch, wenn ich vergessen würde, was ich den Kickers zu verdanken habe.“

Heike Hofmann: „Zum Auswärtsspiel nach Nürnberg habe ich meinen Sohn im Sonderzug begleitet. Ich wollte vor dem Spiel noch das Städtle anschauen, doch vollbewaffnete Polizisten ins GSG-9-Manier haben uns zum Stadion begleitet.“

Michael Schmücker (Gastronom): „Wir Gastronomen sind grundsätzlich neutral, aber wenn es im Gazi-Stadion auf der Waldau eine rote Wurst statt einer Stadionwurst geben würde, würden wir ein Problem bekommen.“

Heike Hofmann: „Der VfB hat es 124 Jahre nicht auf die Kette gebracht, ein Frauenteam auf die Beine zu stellen. Inzwischen hat man zum Glück verstanden, dass das einfach dazugehört.“

Anna-Lena Nanz: „Da müssen wir nachlegen. Auch die Kickers brauchen absolut ein Frauenteam.“

Martin Bizer (ehemaliger Rektor des Wirtemberg-Gymnasiums, Eliteschule des Fußballs): „Einmal kam der Vater eines Spielers, behangen mit einer dicken Goldkette, und fragte: Was kann die Schule für meinen Sohn tun?“