Timo Werner (li., gegen Darmstadts Junior Diaz Campbell) Foto: Baumann

Der VfB Stuttgart muss im Spiel beim unbequemen Neuling Darmstadt 98 konsequent in die Zweikämpfe gehen, doch gerade die Duelle Mann gegen Mann sind seine größte Schwäche.

Stuttgart - Timo Werner hat dieser Tage über sein Spiel sinniert. Einfacher, so der Torjäger, hätte er es, wenn er an vorderster Front mehr Unterstützung hätte – etwa durch einen zweiten Stürmer. Das mag aus seiner Sicht eine tolle Sache sein – Jürgen Kramny indes hält gar nichts davon. Schon gar nicht vor dem Duell gegen Darmstadt 98 an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky). „Timo hat da vorne doch genug Nebenleute“, sagt der Trainer, „zudem bietet Darmstadt nicht viele Räume. Vielleicht brauchen wir da eher einen zusätzlichen Mittelfeldspieler auf dem Platz.“ Weil die Partie in Darmstadt eine ­besondere werden dürfte.

Eine besondere für Kramny, der als Profi selbst einmal ein halbes Jahr bei den Lilien aktiv war. Eine besondere für Timo Werner, der gegen den robusten Aufsteiger Mühe ­haben dürfte, sich zu behaupten. Und eine besondere für den VfB, der auf einen giftigen und aggressiven Gegner trifft, der ihm im Normalfall so gar nicht liegt. „Darmstadt macht eine gute Defensivarbeit, steht ­kompakt und eng zusammen. Da ist es für uns nicht einfach, in den Rhythmus zu kommen“, sagt Kramny, „wir müssen höllisch aufpassen.“

Und die aktuell größte Schwäche umkehren in eine Stärke, die den VfB in die Lage versetzt, die drei Punkte mitzunehmen.

VfB mit der schlechtesten Zweikampfquote der Bundesliga

Von allen 1. Bundesliga-Mannschaften hat der VfB die schlechteste Zweikampfquote. Die Mitarbeiter des Statistik-Dienstes „Inside 11“ haben genau mitgezählt. Demnach hat der VfB in dieser Saison 5669 Zweikämpfe geführt, die fünftmeisten der ganzen Liga. Davon hat er aber 3013 verloren – die zweitmeisten. Unterm Strich kommt die Mannschaft damit auf eine Erfolgsquote von 46,9 Prozent – das ist der schlechteste Wert in der Bundesliga. Gegner Darmstadt 98 rangiert mit einer Quote von 48,3 Prozent zwar auch nur auf Platz 16, doch die Vorzeichen sind für Robin Dutt eindeutig. „Wir müssen wieder in den Kampfmodus schalten“, fordert der Sportvorstand, „diesem Gegner muss man kämpferisch begegnen.“

Hart, aber herzlich.

Dutt erwartet „eine gefährliche Mischung“ beim Gegner. In Spielern wie Sandro Wagner und einigen anderen habe Darmstadt bundesligaerfahrene Spieler und in Dirk Schuster einen Trainer, „der mit allen Wassern gewaschen ist“. Das sei zusammengenommen „sogar hochexplosiv“.

Mit spielerischen Mitteln wird der VfB am Böllenfalltor jedenfalls nicht weit kommen. „Wir müssen total energisch nachsetzen, und alle müssen sich an der Defensivarbeit beteiligen“, sagt Jürgen Kramny, „von der Körpersprache her müssen wir klar signalisieren, dass wir die Bedingungen annehmen.“ Nicht zurückstecken, sondern draufgehen – und die eigene Statistik widerlegen, das ist der Auftrag, den wohl auch Toni Sunjic umsetzen soll.

Toni Sunjic hat die Nase vor Timo Baumgartl und Federico Barba

Der Bosnier hat die Nase vorn als Ersatz für den gelbgesperrten Georg Niedermeier. Der Münchner lebt die gefragten Tugenden wie Kopfballstärke, Zweikampfhärte und Herzblut vorbildlich vor, seit er unter ­Kramny wieder in der Stammelf steht. Sunjic kommt ihm am nächsten. Die lange verletzten Timo Baumgartl und Federico Barba sind wieder fit, doch sie müssen sich hint­anstellen. „Beide werden voraussichtlich im Kader stehen“, sagt Kramny – spielen soll aber Sunjic, auch wenn der drei Millionen teure Neuzugang noch viele Wünsche offen lässt. Die Begegnung in Darmstadt aber, da ist sich Robin Dutt sicher, ist „wie gemalt“ für den 1,92 Meter großen Abwehrspezialisten, weil Darmstadt sich gern mit weiten und hohen Bällen dem gegnerischen Strafraum annähert: „Da wird Toni durchaus mal ­seinen Kopf hinhalten dürfen.“

Sollte sich das auszahlen und der VfB drei Punkte mitnehmen, wäre der VfB dem vorzeitigen Klassenverbleib sehr nahe gekommen. „Das ist ein wichtiger Spieltag“, sagt Jürgen Kramny, „wir können einen großen Schritt machen.“ Im Falle eines Sieges liegt der VfB sieben Punkte vor Darmstadt.

Dafür lohnt es sich doch, keinem Zweikampf aus dem Wege zu gehen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: