VfB-Torhüter Sven Ulreich (links) steht vor dem Comeback. Sein Stellvertreter Thorsten Kirschbaum rückt trotz guter Leistungen wieder ins zweite Glied. Foto: Montage/Baumann

Sven Ulreich steht seit drei Jahren fast ununterbrochen im Tor des VfB, Thorsten Kirschbaum kam im Sommer von einem Zweiligisten. Ulreich kennt die Philosophie von Torwarttrainer Andreas Menger, Kirschbaum muss sie verinnerlichen – zwischen den Keepern gibt es noch weitere Unterschiede.

Stuttgart - Wenn der Platzhirsch vor der Rückkehr steht, darf der Stellvertreter dessen Aufgaben nicht mehr übernehmen. So ist das im normalen Arbeitsleben – und so ist es in der Regel auch auf der Torhüterposition in der Bundesliga. Beim VfB ist das nicht anders, weshalb Sven Ulreich, der Platzhirsch, nach überstandener Handgelenksverletzung vor der Rückkehr ins Tor steht. Stellvertreter Thorsten Kirschbaum (26) dagegen steht nach vier Pflichtspielen im VfB-Tor vor der Rückkehr auf die Bank.

Ob es schon an diesem Freitag gegen den 1. FC Nürnberg (20.30 Uhr/Sky) so weit sein wird, ist allerdings noch offen. Ulreich (25) trainiert nach seiner Verletzung am Handgelenk seit Montag wieder mit der Mannschaft. Er ist schmerzfrei, die Ärzte haben grünes Licht gegeben, faktisch steht einem Einsatz also nichts mehr im Wege. Doch Torwarttrainer Andreas Menger betont, „dass wir da kein Harakiri veranstalten“.

Man könne als Torhüter nicht gleich von null auf hundert wieder durchstarten, und man werde von Tag zu Tag schauen, wie sich Ulreich im Training präsentiere, sagt Menger: „Und dann entscheidet Trainer Thomas Schneider, ob er ihn gegen Nürnberg aufstellt. Klar ist aber eines: Ulle ist unsere Nummer eins – und wenn er wieder fit ist, wird er spielen.“

Ein Duell, das noch keines ist

Wenn es am Freitag gegen Nürnberg noch nicht reicht, dann wird es eine Woche später im Auswärtsspiel an Allerheiligen bei Borussia Dortmund (20.30 Uhr) so weit sein.

Beim VfB gibt es keine Diskussionen darüber, dass Kirschbaum seinem Konkurrenten die Nummer eins streitig machen kann.

Ulreich gegen Kirschbaum – es ist ein ­Duell, das noch keines ist.

Der Neuzugang, der im Sommer von Zweitligist Energie Cottbus kam, zeigte in den vergangenen Wochen gute Leistungen im Tor. An Ulreichs Niveau kommt er aber noch nicht heran. „Kirsche hat ordentlich gespielt, wir sind sehr zufrieden mit ihm“, sagt Andreas Menger, „er hatte eine gute, ruhige Ausstrahlung, fußballerisch war es gut von ihm, und die Weitschüsse hat er sehr gut pariert.“ Es sei aber längst nicht alles überragend gewesen, sagt Menger. Und: „Es gibt immer Entwicklungspotenziale.“

Konkret bedeutet das, dass sich Kirschbaum , wenn man so will, auf die Spuren von Ulreich begeben muss. Denn die Nummer eins setzte die von Menger geforderte Spielweise zuletzt immer besser um und entwickelte sich zu einem kompletteren Keeper.

Philosophie des Torwarttrainers noch nicht verinnerlicht

Ulreich spielt mutig mit, er steht mittlerweile offensiv im Raum – und ist aggressiv beim Rauslaufen und bei Flanken. „Das hat viel mit Erfahrung und Routine zu tun“, sagt Menger, „Ulle steht seit drei Jahren fast ununterbrochen im Bundesligator, er kennt die Abläufe.“ Und er kennt Mengers Ansprüche des offensiven Torwartspiels aus dem Effeff. Kirschbaum dagegen ist erst seit knapp drei Monaten beim VfB. Er könne noch gar nicht so weit sein wie Ulreich, sagt Menger. Zudem hat die Nummer zwei die Vorgaben Mengers in der Kürze der Zeit noch nicht komplett verinnerlicht. Ulreich ist Kirschbaum einen Schritt voraus – mindestens.

Der Neuzugang machte in seinen vier Partien als Stellvertreter einen souveränen Eindruck, er machte keine Fehler – doch bei genauerem Hinsehen wurden die Unterschiede zu Ulreich deutlich. Kirschbaum bleibt bei gefährlichen Standards eher mal auf der Linie, während Ulreich mutig rauskommt. Kirschbaum faustet die Bälle nach Flanken gerne weg, während Ulreich sie fast immer fängt. Und auch beim Mitspielen nach Rückpässen schlägt Ulreich die Nummer zwei noch um Längen und bringt die Bälle präziser zum Mann. „Kirsche muss jetzt in der täglichen Trainingsarbeit die nächsten Schritte machen“, sagt Andreas Menger.

Und sich damit seinen Konkurrenten Sven Ulreich zum Vorbild nehmen.