Dauerläufer: Christian Träsch treibt das VfB-Spiel unermüdlich an. Foto: Pressefoto Baumann

Christian Träsch gehört zu den wenigen Führungsspielern beim VfB - und das soll er bleiben.

Stuttgart - Christian Träsch (23) ist in dieser Saison der Dauerläufer bei den Kickern des VfB. Der Defensiv-Allrounder stand in jeder Bundesligapartie von Beginn an auf dem Rasen, nur einmal wurde er vier Minuten vor Schluss ausgewechselt. Er bestritt alle Spiele im Pokal und musste in der gesamten Spielzeit lediglich viermal in der Europa-Liga passen. Damit ist Träschi, wie ihn die Kollegen nennen, der fleißigste Feldspieler der Roten - und nicht nur deshalb nicht mehr wegzudenken aus Stuttgart.

Auch weil der gebürtige Ingolstädter derzeit eine der wenigen Identifikationsfiguren bei den Roten ist. Einer, der Verantwortung übernehmen kann - und will. Einer, der stets bedingungslose Leistungsbereitschaft zeigt. Und einer, der sich weder auf noch neben dem Platz etwas zuschulden kommen lässt. Kurzum, ein wahrer Musterprofi. Mit Träsch auf der Sechser-Position entspringt aus der VfB-Mitte ein Fluss.

Erst gegen Abstieg kämpfen, dann reden

Logisch, dass Fredi Bobic das Juwel in Stuttgart halten will - um fast jeden Preis. "Er ist eine zentrale Figur in unseren Planungen", sagt der Manager. Dabei gibt es nur ein Problem: Träschs Vertrag läuft im Juni 2012 aus. Die Verhandlungen über eine Verlängerung liegen seit Ende November 2010 auf Eis. Und Träsch denkt zurzeit auch nicht daran, sie in naher Zukunft wiederaufzunehmen. "Wir sind in einer schwierigen sportlichen Situation und haben ganz andere Sorgen. Da will ich nicht noch Unruhe von außen hereintragen", sagt er.

Die Spiele gegen die direkten Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg - VfL Wolfsburg (20. März), Werder Bremen (2. April), 1. FC Kaiserslautern (9. April) und 1. FC Köln (16. April) - will er abwarten. "Dann ist noch genug Zeit, um über einen neuen Vertrag zu reden", findet er. Einer Verlängerung ist Träsch aber nicht abgeneigt: "Meine Frau und ich fühlen uns hier sehr wohl." 

Träsch will Verantwortung übernehmen

Die Verlockungen aus dem In- und Ausland sind allerdings auch nicht zu unterschätzen. Tabellenführer Dortmund hat schon mal Interesse an dem Nationalspieler signalisiert, Bayern München sowieso, sogar der AC Mailand hat ein Auge auf ihn geworfen und zuletzt auch noch der FC Schalke. Zwischen sechs und acht Millionen soll Träsch diesen Clubs wert sein. "Damit beschäftige ich mich zurzeit nicht. Mein Fokus liegt auf dem VfB", kommentiert der Umworbene die angeblichen Avancen.

Eine vorzeitige Trennung nach dieser Saison hat Fredi Bobic ohnehin bereits ausgeschlossen. "Wir wollen mit Christian verlängern. Alles andere ist kein Thema", sagt er. Das bedeutet, Träsch soll seinen Vertrag auf jeden Fall erfüllen - auch auf die Gefahr hin, dass die Roten ihn dann im Sommer 2012 ablösefrei ziehen lassen müssen. Doch so weit will es Bobic nicht kommen lassen. Er wolle bis an die Schmerzgrenze gehen, um Träsch langfristig an den Verein zu binden. Derzeit dürfte der Defensivspezialist rund 1,5 Millionen Euro im Jahr kassieren, für eine Vertragsverlängerung müssten die Roten eine ordentliche Schippe drauflegen - und erstklassig bleiben. Doch zumindest Letzteres beschert Träsch keine schlaflosen Nächte. "Wir sind auf einem guten Weg da unten raus", sagt er, warnt aber auch: "Wir sind zwar jetzt Dreizehnter, aber mit einer Niederlage können wir alles wieder kaputt machen."

Am Sonntag (17.30 Uhr/ Sky, Liga total) im Heimspiel gegen Wolfsburg wird Träsch, der zuletzt als rechter Verteidiger aushalf, wohl zum vorerst letzten Mal Kapitän Matthieu Delpierre ersetzen. Dann hat der Franzose seine Rotsperre abgesessen. Für Träsch kein Problem. "Wir brauchen ja nicht nur einen Kapitän. Ich werde auch ohne Binde Verantwortung beim VfB übernehmen." Wenn es nach den Verantwortlichen und den Fans geht, auch in der kommenden Saison - und darüber hinaus.

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