Der Parkplatz vor der VfB-Geschäftsstelle für den Präsidenten des Vereins bleibt vorerst leer. Foto: Baumann/H. Britsch

Dem neunköpfige Vereinsbeirat fällt die Rolle zu, nach der Abwahl von Claus Vogt den neuen Interimspräsidenten des VfB zu finden. Doch bei der Personalsuche ist sich das Gremium nicht einig.

Es ist eine Operation unter Zeitdruck, welche der neunköpfige Vereinsbeirat des VfB Stuttgart dieser Tage durchzuführen hat. Denn bis Ende dieser Woche, so ist es das ehrgeizige Ziel des Gremiums, soll ein geeignetes, zweites Mitglied für das Präsidium gefunden werden. Dieses soll nach der krachenden Abwahl von Ex-Präsident Claus Vogt sowie seines Vizes Rainer Adrion künftig ein Vakuum füllen: Denn der Neue wird auch interimsweise das Amt des Präsidenten des VfB Stuttgart bekleiden – und so den Mutterverein des Fußball-Bundesligisten führen.

 

Mit Erwin Staudt hat noch niemand gesprochen

Schließlich ist der VfB Stuttgart 1893 e.V. erst dann in seiner Spitze wieder handlungsfähig. Zwei der drei Sessel im Präsidium des e.V., so verlangt es die Satzung, müssen mindestens besetzt sein. Aktuell darf sich aber lediglich der frisch ins Amt gewählte Andreas Grupp VfB-Präsidiumsmitglied nennen.

Mit einem Interimspräsidenten im Amt wäre letztlich auch etwas Zeit gewonnen, ehe entweder auf einer außerordentlichen oder einer vorgezogenen, ordentlichen Versammlung ein neuer Präsident von den VfB-Mitgliedern gewählt werden könnte.

Bei der Kandidatenkür des Interims-Chefs hat zunächst aber der Vereinsbeirat unter der Führung von Rainer Weninger und seinem Stellvertreter André Bühler das Sagen. Doch die Auftritte auf der großen Bühne werden für den Vereinsbeirat seltener. Denn bei der Auswahl künftiger Bewerber wird das Gremium vom frisch ins Leben gerufenen Wahlausschuss bei der Personalsuche abgelöst, agiert nur noch bei Nachrückern selbst.

Nötig wurde dieser Schritt, der von 91,8 Prozent der Mitglieder begrüßt wurde, um die Abhängigkeiten mittels gegenseitigen Besetzungen von Mitgliedern des Vereinsbeirats sowie des Präsidiums zu unterbinden, die es bis zuletzt gegeben hatte.

Noch einmal ist nun aber der Vereinsbeirat beauftragt, sich mit einer gewichtigen Personalie zu beschäftigen – schließlich ist der Präsident des VfB, wenn auch interimsweise sowie in Zeiten der in einer AG ausgegliederten Profisparte, kein Irgendwer. Daher haben die neun Vereinsbeiräte bereits zweimal in dieser Woche getagt, nämlich am Montag sowie am Dienstag.

Rainer Weninger hält im Beirat die Zügel in der Hand. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Doch inhaltlich ist sich das Gremium, das auch bei der Suche nach dem Interimspräsidenten mit einfacher Mehrheit agiert, nicht einig. Längst, so war oft zu hören, gehen Risse durch den Vereinbeirat. Vieles soll dabei mit der dominanten Rolle des Vorsitzenden Weninger und seines Stellvertreters Bühler zu tun haben, die einst zu Zeiten von Claus Vogt und Rainer Adrion bei fast jeder Präsidiumssitzung dabei waren.

Auch jetzt hält das Duo die Fäden in der Hand. Diverse Kandidaten wurden bislang geprüft, wie etwa ein hochrangiger Politiker aus einer Gemeinde im Neckartal. Doch dann stellte sich heraus, das dieser gar kein VfB-Mitglied ist, was für den Job quasi die Minimalanforderung darstellt.

Andere Personalien werden dagegen von der Spitze des Vereinsbeirates bislang ignoriert, obwohl sie reichlich Expertise beinhalten. So ist nach Informationen unserer Redaktion etwa seitens der Königsmacher mit dem Ehrenpräsidenten Erwin Staudt bisher nicht gesprochen worden. In Staudts Amtszeit von 2003 bis 2011 fallen der Stadionumbau in eine reine Fußballarena, sowie die Meisterschaft von 2007 und mehrere Auftritte in der Champions und Europa League.

Staudt will nicht als Bittsteller auftreten

Der ehemalige Chef der IBM Deutschland ist beim VfB obendrein der Ziehvater des heutigen AG-Vorstandschefs Alexander Wehrle, der einst sein Assistent war. Mit Blick auf eine mögliche Zeit als Interimspräsident will der Leonberger aber keinesfalls als Bittsteller auftreten. Dass er allerdings bis dato als vermeintlich geeignetester Kandidat vom Vereinsbeirat nicht einmal angefragt wurde, stößt vielen im Verein sauer auf. Diejenigen, die es mit der Doppelspitze um Rainer Weninger und André Bühler weniger gut meinen, vermuten hinter der Untätigkeit gar ein machtpolitisches Kalkül. So wolle man sich lieber keinen erfahrenen Kandidaten ins Präsidium holen, um den eigenen Einfluss nicht zu schmälern.

Auch eine interne Lösung gibt es

Wie zu hören ist, hat sich die Spitze des Vereinsbeirates einen eigenen Topfavoriten ausgeguckt. Überdies ist auch Marc Nicolai Schlecht noch nicht komplett aus dem Rennen. Er sitzt aktuell ebenfalls im Vereinsbeirat – und wäre quasi ein Mann aus den eigenen Reihen. Schlecht könnte zum Zuge kommen für den Fall, dass man sich im Vereinsbeirat nicht auf einen externen Kandidaten einigen kann. Ob dies allerdings im Sinne der Mitglieder wäre, ist fraglich. Denn Schlecht bekam bei der Entlastung der amtierenden Beiräte das zweitschlechteste Ergebnis.