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Tasci ist neuer Kapitän des VfB. Teamkollegen wählen Cacau nicht mehr in den Mannschaftsrat.

Belek - Natürlich versuchten sie beim VfB Stuttgart, die Sache möglichst kleinzureden. Und natürlich sprach Bruno Labbadia, der Trainer der Roten, schnell seine Wertschätzung für Cacau aus. „Er ist ein wichtiger Spieler für uns“, betonte der Coach – und ergänzte: „Auch ohne Amt.“ Was die Sache dann doch wieder brisant macht.

Am Mittwochabend jedenfalls saß das VfB-Team im Trainingslager im türkischen Belek zusammen und wählte – wie schon im Vorjahr zu diesem Zeitpunkt – einen neuen Mannschaftsrat. Und da ist es nicht gerade gewöhnlich, dass es derjenige, der zuletzt immer die Kapitänsbinde am Arm trug, gar nicht mehr in dieses fünfköpfige Gremium schafft. Doch genau das ist Cacau passiert. Die Teamkollegen sprachen Serdar Tasci, Christian Gentner, Matthieu Delpierre, Martin Harnik und Georg Niedermeier ihr Vertrauen aus, der deutsche Nationalstürmer dagegen wurde entmachtet – was einiges über seine Rolle im Team der Roten sagt.

Immer wieder gab es in der Hinrunde Diskussionen über Cacaus angeblich zu sehr ausgeprägten Egoismus. Zwar versicherte der gebürtige Brasilianer, der Teamgedanke stehe für ihn über allem, die Kollegen trauten dem erfahrenen Stürmer aber wohl nicht ganz – und straften ihn nun indirekt ab. „Ich bin natürlich schon etwas enttäuscht“, sagte Cacau, betonte aber, er werde dennoch weiterhin „auf und neben dem Platz Verantwortung übernehmen“. Wer den 30-Jährigen kennt, kann sich aber vorstellen, wie sehr ihn diese neue Situation kränkt.

Wohlfühlfaktor so groß wie nie

Labbadia versuchte denn auch, das wenig Positive an der neuen Lage herauszustreichen. „Cacau kann sich jetzt wieder mehr auf sich und seine Leistung konzentrieren“, sagte der Trainer, der zudem Delpierres Bitte entsprach und den Franzosen nicht mehr zum Kapitän bestimmte. Wobei: Das kam Labbadia womöglich gerade recht. Schließlich ist die Zukunft des Innenverteidigers beim VfB so unsicher wie nie. In der Vorrunde kam er wegen einer Verletzung nicht zum Einsatz, der Vertrag des Franzosen läuft im Sommer aus, dass er verlängert wird, ist eher unwahrscheinlich. Der neue starke Mann im Team ist daher nun ein anderer: Serdar Tasci.

Labbadia hat den Deutsch-Türken, der bereits als Zwölfjähriger zum VfB kam, zum neuen Kapitän bestimmt – was im Grunde eine folgerichtige Entscheidung des Trainers war. Denn schon zu Beginn seiner Amtszeit bei den Roten nahm der Coach Tasci zur Seite und beschwor ihn: „Ich setze auf dich, ich will, dass du Verantwortung übernimmst.“ Was der Abwehrspieler zuvor – zumindest neben dem Platz – noch abgelehnt hatte. Unter Ex-Trainer Christian Gross verweigerte er sich. Der Schweizer hatte Tasci anfangs den Stammplatz verwehrt und ihn auch sonst klein gehalten. Unter Ex-Manager Horst Heldt war ihm auch die eigentlich schon seinerzeit versprochene Kapitänsrolle verwehrt geblieben. Tasci zog sich zurück, stürzte nach seiner WM-Teilnahme in Südafrika in ein sportliches Tief, verlor seinen Platz im Kader der Nationalmannschaft und mühte sich beim VfB. „Damals habe ich ernsthaft über einen Vereinswechsel nachgedacht“, räumt er offen ein.

Hoffen auf die EM 2012

Doch dann kam Labbadia, Tasci ließ sich wieder in den Mannschaftsrat wählen, und als im Sommer die Chance kam, ins Ausland zu wechseln, lehnte er ab: „Ich habe mich frühzeitig für den VfB entschieden, weil jetzt alles passt. Es macht Spaß, ein Teil dieser Mannschaft sein zu können.“ Der Wohlfühlfaktor, versichert er, sei nie größer gewesen als jetzt: „Diese Phase ist optimal für mich. Ich spüre das Vertrauen des Trainers. Das ist das Wichtigste für einen Spieler.“ An einen Transfer verschwende er keinen Gedanken mehr – was nicht bedeutet, dass er nicht schwach werden könnte, wenn ein Topclub anklopfen würde: „Das wäre eine andere Situation, dann müsste man überlegen.“

Die Gefahr wird umso kleiner, je erfolgreicher der VfB spielt. Der Anspruch, wieder international zu spielen, ist so groß wie immer. Für seinen Part hat Serdar Tasci die Voraussetzungen geschaffen, um ihn zu erfüllen. Ein Beispiel: Anders als früher hat er sich und seinem Körper ein Programm verordnet, das ihn über das tägliche Training hinaus fordert. Vor jeder Einheit macht er im Kraftraum Übungen zur Kräftigung der Rumpf-, Bauch- und Rückenpartien. „Nach 144 Bundesligaspielen habe ich die Pflicht, Verantwortung zu übernehmen, für mich und für die Mannschaft.“ Erst recht im neuen Jahr – als neuer Kapitän mit großen Zielen.

Über allem steht die Hoffnung, zur EM 2012 ins Nationalteam und mit dem VfB ins internationale Geschäft zurückzukehren. Sei es über die Bundesliga oder über den DFB-Pokal, in dem der VfB am 8. Februar im Viertelfinale den FC Bayern empfängt. „Für dieses Spiel haben wir uns etwas vorgenommen“, sagt Tasci, der seit Mittwochabend aber noch ein anderes Ziel verfolgt: „Ich werde alles dafür tun, ein guter Kapitän zu sein.

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