Der VfB Stuttgart wird zu einer Asienreise aufbrechen und verzichtet dafür auf ein klassisches Trainingslager in der Saisonvorbereitung. Zwar sind auch Testspiele geplant, doch der Club will mehr als eine Marketingreise aus dem Trip machen.
Mit einem Jahr Verspätung geht es los. Der VfB Stuttgart reist vom 26. Juli bis 2. August nach Japan. Eigentlich hätte es schon letztes Jahr auf die große Reise nach Fernost gehen sollen. Doch die sportliche Situation passte mit. Der VfB musste bekanntlich in die Relegation. Jegliche Planbarkeit war dahin. Doch nun stehen alle Ampeln auf Grün. Der zukünftige Champions-League-Club wird die Reise antreten. Offiziell ist es die dritte „Bundesliga Japan Tour“ der Deutschen Fußball-Liga (DFL).
Für den VfB geht ausschließlich in das Land der aufgehenden Sonne. Intern war nach Informationen unserer Redaktion eine Zeit lang auch über Südkorea (wo der VfB mit Woo-yeong Jeong einen Repräsentanten im Kader hat) und China (der größte Markt in Asien) diskutiert worden, diese Ideen wurden verworfen. Doch auch Japan hat eine Menge zu bieten für den Club, der nach seinem einst kläglich gescheiterten Experiment mit der 2018 geschlossenen Kooperation mit dem chinesischen Club Guangzhou FC die Fehler der Vergangenheit nicht mehr wiederholen will. Der Ansatz des Clubs ist ganzheitlich angelegt. Federführend geplant wurde alles von Rouven Kasper, dem Marketingvorstand des VfB Stuttgart, der einst für den FC Bayern die Internationalisierungsbemühungen der Münchner in Asien aufgebaut hat und der als in Fernost exzellent verdrahtet gilt.
Mehr als nur ein Marketingtrip
Kasper weiß, wie Asien tickt. „Wir freuen uns sehr, dieses Jahr der offizielle Botschafter der Bundesliga in Japan zu sein und gemeinsam mit unseren Partnern und den Partnern der DFL den deutschen Fußball dort vor Ort zu präsentieren“, sagt der Marketingchef, der die Reise der Weiß-Roten anders aufgebaut hat als die klassischen Asientrips der großen europäischen Namen. Diese laufen ansonsten nach einem Muster ab: Anreisen, möglichst großen medialen Wirbel in der Megastadt Tokio erzeugen, möglichst große Einnahmen mit dem geringstmöglichen Aufwand erzielen, abreisen.
Der VfB plant jedoch anders, was sich schon an den Reisezielen ablesen lässt. Der Reisestart ist für den 26. Juli terminiert, mit dem Flieger begibt sich die Delegation nach Kyoto. Die alte Kaiserstadt gilt als kulturelles Herz Japans. Sie ist mit Hunderten von Schreinen und buddhistischen Tempeln, stimmungsvollen Gärten, kleinen alten Gassen, historischer Architektur und hochkarätigen Museen auch ein absoluter Höhepunkt für viele Japanreisende.
Dort steht neben repräsentativen Terminen auch ein Spiel an – der VfB testet am 28. Juli gegen Kyoto Sanga FC. Der Club gilt als der älteste des Landes. Hier will der VfB anknüpfen und eine interkulturelle Geschichte erzählen – von Traditionsverein zu Traditionsverein. So will man das Herz der Japaner erreichen und an die über 160 Jahre gemeinsamer Beziehungen zwischen den beiden Nationen anknüpfen. „Der VfB Stuttgart erfährt in dieser für den Club sensationell laufenden Saison und als großer Traditionsverein der Bundesliga einen weltweit steigenden Zuspruch der Fußballfans – gerade auch in Japan, wohin der Verein seit jeher gute Beziehungen pflegt“, sagt Peer Naubert von der DFL über das Engagement.
Mit dabei helfen sollen die VfB-Markenbotschafter Guido Buchwald und Cacau, die beide mitreisen, einst beide in Japan spielten und dort noch große Popularität genießen. Dazu kommen noch Hiroki Ito, Rinto Hanashiro und Anrie Chase (beide U 21), die in ihrer Heimat Aushängeschilder sind.
VfB will gesellschaftlicher Verantwortung gerecht werden
Weiter geht es dann an den Ort des größten Schmerzes der Japaner. Nach Hiroshima, wo am 6. August 1945 die erste Atombombe abgeworfen wurde. Dort will man Zeichen setzen. Für Frieden und Menschlichkeit und so auch der gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden, der sich der VfB in den letzten Jahren intensiv stellt. Eine starke emotionale Aufladung der Reise, die neben allen guten Absichten selbstverständlich auch wirtschaftliche Ziele verfolgt. Denn schlussendlich sollen dadurch neue Zielgruppen erschlossen und Umsätze generiert werden, die mittelfristig mehr abwerfen als nur die Refinanzierung des Trips.
Zum Abschluss und als Höhepunkt des Trips geht es am 1. August gegen Sanfrecce Hiroshima. Der J-League-Rekordsieger (letzter Titel 2022, insgesamt acht Meisterschaften) mit dem deutschen Trainer Michale Skibbe ist Gründungsmitglied der ersten japanischen Liga und aktuell Tabellendritter. Am 2. August geht es dann zurück nach Stuttgart. Dort wird man direkt in die Vorbereitung auf die erste Pokalrunde einsteigen, die am Wochenende 16. bis 19. August ansteht. Eine Woche später geht dann die Bundesliga los. Eine Vorbereitung im klassischen Sinne soll es in diesem Jahr dafür nicht geben. Der Club verzichtet für den Asientrip auf ein Trainingslager.