Erst die Trennung, jetzt die Empfehlung? RB-Leipzig-Sportchef Ralf Rangnick (li.) und sein Ex-Trainer Alexander Zorniger Foto: dpa

Ralf Rangnick und Robin Dutt werden so schnell wohl keine Freunde mehr. Die Plauderlaune des Red-Bull-Sportchefs über die mögliche Zukunft von Alexander Zorniger in Stuttgart hat dem VfB-Sportvorstand gehörig die Stimmung verhagelt.

Stuttgart - Langeweile dürfte bei Ralf Rangnick derzeit kaum aufkommen. Die Sportdirektoren-Tätigkeit bei Red Bull Salzburg und RB Leipzig ist kein Job, in dem man um 17 Uhr den Bleistift fallen lässt. In diesen Tagen erst recht nicht.

Der Bundesliga-Aufstieg des bedeutenderen der zwei Projekte ist in Gefahr, Rangnick musste seinen Trainer Alexander Zorniger entlassen und hat seither alle Hände voll zu tun, Thomas Tuchel davon zu überzeugen, dass es sich bei RB Leipzig trotz alledem um eine erstklassige Adresse handelt.

Zu Gast bei „Sport und Talk aus dem Hangar 7“

Für einen TV-Auftritt fand der 56-Jährige am Montag aber dennoch Zeit. Rangnick war zu Gast bei „Sport und Talk aus dem Hangar 7“, eine spätabendliche, launige Talkrunde auf Servus TV, dem hauseigenen Kanal. Titel der Sendung: „Die Fußball-Welt der Roten Bullen“.

Der Backnanger war bester Dinge und plauderte munter drauflos. Es ging hauptsächlich um den ambitionierten Zweitligisten, so kam die Sprache schnell auf den am 11. Februar geschassten Zorniger. „Es gab keinen wirklichen Bruch, sondern eine Einschätzung, dass die Entwicklung ab Sommer in Richtung erster Liga gehen soll . . . Diesen Schritt wollten wir mit einem anderen Trainer gehen“, sagte Rangnick.

So weit, so unverfänglich. Doch Rangnick ging noch weiter. „Wir haben mit Roger Schmidt (jetzt Bayer Leverkusen; d.Red.) einen Trainer entwickelt, der inzwischen zu den interessantesten Trainern in Deutschland zählt. Und wir haben mit Alexander Zorniger einen Trainer, der vielleicht sogar ab spätestens der neuen Saison beim VfB Stuttgart Trainer wird.“

Vielleicht sogar ab spätestens – der dreifachen Möglichkeitsform zum Trotz schlug die Aussage am Morgen danach auf dem Wasen hohe Wellen. VfB-Sportvorstand Robin Dutt wollte die Einlassungen des in Stuttgart nach wie vor gut vernetzten Rangnick zunächst gar nicht glauben. Wenig später dann, als klar war, dass der frühere VfB-Trainer sich vor Fernsehpublikum tatsächlich so geäußert hatte, sah sich der Verein zu einer Stellungnahme gezwungen:

Rangnick rechtfertigt sich: Es ging nicht um den VfB

„Es ist nicht nachvollziehbar und respektlos von ihm, sich in dieser Art und Weise gegenüber dem VfB und unserem Trainer so zu äußern“, sagte Dutt. Der 50-Jährige war stinksauer. Was aus seiner Sicht durchaus verständlich ist. Die Lage im Kampf gegen den Abstieg ist dramatischer denn je, am Freitag (20.30 Uhr/Sky) steht das richtungweisende Heimspiel gegen Hertha BSC an. Die Diskussion um Trainer Huub Stevens verschafft dem Club keine Atempause, das leidige Dopingthema nicht zu vergessen.

Und jetzt auch noch Ralf Rangnick!

Das Störfeuer aus Salzburg kommt Dutt so gelegen wie ein Gegentor in der Nachspielzeit. Ist er doch seit Tagen mit wenig anderem beschäftigt, als Fragen nach Stevens Zukunft wie ein Politiker zu umschiffen. Vor dem Hertha-Spiel will er gar nichts mehr sagen. Es scheint jedoch klar, dass der Niederländer bei einer Niederlage und selbst bei einem Unentschieden kaum mehr zu halten sein wird. Zu einer ähnlichen Auffassung dürfte auch der Aufsichtsrat gelangen, der am Dienstagabend tagte (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe war die Sitzung noch nicht beendet).

Sollte es so weit kommen, gilt Alexander Zorniger nach wie vor als Topkandidat auf den Trainerposten. Er selbst hielt sich auf Anfrage bedeckt, doch glaubt man seinem Umfeld, wäre der Gmünder kaum abgeneigt, dabei mitzuhelfen, den schwäbischen Fußballstolz wieder aufzurichten.

Die Aussagen Rangnicks sind zumindest ein weiteres Indiz dafür. Er selbst beteuerte am Dienstag, dem VfB weder reinreden noch in irgendetwas vorweg greifen zu wollen. „Ich habe mich auf den Artikel in Ihrer Zeitung bezogen und außerdem das nicht ganz unbedeutende Wörtchen ,vielleicht‘ benutzt“, erklärte er auf Anfrage. Im Übrigen sei es ihm nur darum gegangen, die Entwicklung von Spielern und Trainern bei RB in den letzten Jahren aufzuzeigen.

Es ging also gar nicht um den VfB. Rangnick wollte seinen Zögling nur adeln. Unwahrscheinlicher macht dies ein baldiges Engagement in Stuttgart allerdings nicht.

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