Der 26-Jährige, der von Stade Rennes kommt, weist eine beachtliche Torquote auf – und er darf sich auf Flanken von Borna Sosa freuen.
So richtig überraschend war es nicht, dass der VfB Stuttgart bei seiner Stürmersuche ausgerechnet in Frankreich fündig wurde. Immer wieder hatte Sportdirektor Sven Mislintat in der Vergangenheit Profis aus dem größten Nachbarland Deutschlands an den Neckar geholt – 2019 zum Beispiel Silas Katompa vom Zweitligisten FC Paris und Tanguy Coulibaly aus der Jugend von Paris Saint-Germain, vergangenes Jahr dann Enzo Millot von AS Monaco.
Und auch in dieser Transferperiode stieß wieder ein Profi aus der Ligue 1 zu den Stuttgartern, wenn auch in allerletzter Minute: Kurz vor dem Ende der Transferperiode holte der VfB am Donnerstagabend Serhou Guirassy (26) von Stade Rennes als Ersatz für Sasa Kalajdzic, der unter der Woche zu den Wolverhampton Wanderers in die englische Premier League gewechselt war. Guirassy erhält das Trikot mit der Rückennummer neun und wird vorerst für eine Saison ausgeliehen. Der VfB hat aber eine Kaufoption, die in etwa neun Millionen Euro betragen soll.
Früher beim 1. FC Köln
Lange hatte es am letzten Tag der Transferperiode zunächst danach ausgesehen, als ob die Stuttgarter den Stoßstürmer Ludovic Ajorque (28) von Racing Straßburg als Kalajdzic-Ersatz verpflichten würden. Letztlich aber führten wohl auch finanzielle Abwägungen zu einem Umdenken: Ajorque wäre nur per Kauf für eine feste Ablösesumme zu haben gewesen, die nach Informationen unserer Redaktion neun Millionen Euro plus Boni betragen hätte. Die Leihe von Guirassy stellte damit das weitaus geringere Risiko dar.
In Deutschland ist Guirassy kein Unbekannter: 2016 kam der mehrfache französische Juniorennationalspieler in den Anfängen seiner Profikarriere zum 1. FC Köln – fasste dort aber nie so richtig Fuß. Aus mehreren Gründen: Die Konkurrenz war mit Stürmern wie Anthony Modeste und Simon Terodde namhaft, die allgemeine Gemengelage durch den Abstieg der Kölner 2018 schwierig. Zudem ließen ihn muskuläre Probleme und eine Knöcheloperation nie dauerhaft fit werden.
Fast ein Tor pro 90 Minuten
So ging es im Januar 2019 zum französischen Erstligisten SC Amiens, wo Guirassy wieder aufblühte: Stade Rennes waren seine Dienste im Sommer 2020 ganze 15 Millionen Euro wert. Allerdings sanken die Einsatzzeiten ein Jahr später, als das Team aus der Bretagne Guirassy in Gaetan Laborde einen weiteren Stürmer vor die Nase setzte. Dennoch: Guirassys Torquote als Reservist blieb beachtlich, in der vergangenen Spielzeit gelangen ihm neun Tore in rund 1000 Einsatzminuten für den Tabellenvierten Frankreichs. Fast ein Tor pro 90 Minuten also.
Diese Treffer könnte auch der VfB nach dem Kalajdzic-Abgang gut gebrauchen. Mit 1,87 Metern hat Guirassy zwar nicht ganz die Körpergröße des Zwei-Meter-Manns aus Österreich, gilt aber als durchsetzungsfähig und antrittsschnell gleichermaßen. In Stuttgart jedenfalls sind die Verantwortlichen sicher, dass der Neue der Mannschaft auf Anhieb zu mehr Torgefahr verhelfen kann: „Serhou hat in verschiedenen Ligen wichtige Erfahrungen gesammelt“, sagt Sportdirektor Sven Mislintat, „wir sind davon überzeugt, dass er schnell ein wichtiger Faktor in unserem Spiel werden kann.“ Der neue Stürmer selbst freut sich bereits auf die Heimspiele. „Über Stuttgart und den VfB habe ich nur Gutes gehört, die super Atmosphäre hier im Stadion kenne ich noch aus meiner Zeit in Köln“, sagte Guirassy, der im März dieses Jahres sein Debüt für die A-Nationalelf Guineas gab, dem Heimatland seiner Eltern.
Borna Sosa bleibt
In Stuttgart kann er sich zudem wie sein Vorgänger Kalajdzic auf präzise Vorlagen von der linken Seite freuen: Auch am letzten Tag der Transferperiode kam ein Wechsel des umworbenen Außenverteidigers Borna Sosa nicht zustande , an dem vor allem Inter Mailand und Atalanta Bergamo starkes Interesse gezeigt hatten. Der Kroate stand am Donnerstagnachmittag gemeinsam mit seinen Teamkollegen vom VfB auf dem Trainingsplatz – und wird damit zumindest bis zur Winterpause weiterhin für die Stuttgarter auflaufen. „Borna hat maximalen Respekt vor diesem Club“, hatte Sven Mislintat bereits am vergangenen Sonntag betont. Sosa habe ihm einen Verbleib beim VfB zugesichert, falls kein passendes und finanziell adäquates Angebot von einem anderen Verein eingehen sollte. Das scheint jetzt der Fall gewesen zu sein.