Der VfB hat angekündigt, im Streit um ausstehende Zahlungen mit Ex-Sponsor Winamax den juristischen Weg einzuschlagen. Wie reagiert der Wettanbieter? Und was sagt der VfB dazu?
Auf den Ausgang wetten würde vermutlich niemand. Schließlich ist man vor Gericht und auf hoher See in Gottes Hand, wie es so schön heißt. Und so ist auch die Causa VfB Stuttgart und Winamax derzeit eine völlig offene. Der Bundesligist will bekanntlich den Klageweg beschreiten, nachdem mehrere Mahnungen an den bisherigen Trikot- und Hauptsponsor offen und Schreiben unbeantwortet geblieben sind.
Es geht um Ausstände von deutlich mehr als zwei Millionen Euro, die der VfB bei der Zivilkammer des Landgerichts Stuttgart einklagen will. Der VfB bezeichnet die Klage als unumgänglich. „Es ist als Vorstand einer AG unsere Pflicht, auf die Bezahlung berechtigter Forderungen zu bestehen und unsere Rechte notfalls gerichtlich durchzusetzen“, sagt Vorstandschef Alexander Wehrle. In Paris, am Stammsitz des Wettanbieters, gibt man sich gelassen. Man werde das aus Stuttgart eingegangene Anwaltsschreiben prüfen, heißt es auf Anfrage. Wie man darauf reagieren werde – zum jetzigen Zeitpunkt völlig offen. Winamax betont, weiter an einer außergerichtlichen Einigung interessiert zu sein und beruft sich auf seinen Standpunkt, wonach der VfB „wesentliche Vertragsinhalte“ nicht eingehalten habe. Für das größte Missfallen sorgte die unabgesprochene Ankündigung von Wehrle auf der Mitgliederversammlung 2024, vorzeitig aus dem Vertrag mit Winamax auszusteigen.
Im Vergleich zu den ausstehenden Ratenzahlungen juristisch ein eher weicher Faktor, den es zu prüfen und zu bewerten gilt. So es denn zum Treffen vor Gericht kommt und nicht im letzten Moment doch noch eine außergerichtliche Lösung gefunden wird.
Der VfB zeigt sich demgegenüber zumindest nicht komplett verschlossen. „Wenn Winamax eine außergerichtliche Lösung anstrebt, sind wir weiterhin gesprächsbereit. Aber die Fakten sind klar“, sagte Wehrle am Dienstag gegenüber unserer Redaktion. Er betont: „Wir sind unseren gesetzlichen und vertraglichen Pflichten immer nachgekommen.“
Nach einer außergerichtlichen Einigung sieht es trotz gegenseitiger Beteuerungen eher nicht aus. Denn dass die Gräben tief sind, bestreitet auch bei Winamax niemand mehr. Kommuniziert wird zwischen Stuttgart und Paris nur noch über Anwälte.
Eskaliert war der lange schwelende Konflikt vor dem Pokalfinale am 24. Mai. Dass die Franzosen die Einladung ins Olympiastadion ausschlugen, war das Eine. Das Andere, womit bei Winamax offenbar niemand gerechnet hatte, war der kurzfristig vollzogene Trikotwechsel seitens des VfB.
Wehrle: „Konnte vor zwei Jahren niemand erahnen“
Zur Überraschung aller prangte im größten Spiel der jüngeren Stuttgarter Vereinsgeschichte bereits der Schriftzug des neuen Sponsors auf der weiß-roten Brust, jener der Landesbank Baden-Württemberg. Der Drei-Jahres-Vertrag mit der LBBW garantiert dem VfB Einnahmen von rund acht Millionen Euro jährlich. Zum Vergleich: Bei Winamax waren es 8,5 Millionen Euro.
Eine stattliche Summe, vor allem, wenn man den Zeitpunkt des Einstiegs betrachtet. Das war vor zwei Jahren, als der Club aus Cannstatt eben so dem Abstieg entronnen und er finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet war. Das ist bis heute der französische Blickwinkel auf ein am Ende völlig zerrüttetes Verhältnis. Ob der VfB das Engagement im Nachhinein bereut? Die diplomatische Antwort des VfB-Chefs: „Vor zwei Jahren konnte keiner erahnen, dass wir irgendwann vor einer juristischen Auseinandersetzung stehen.“
Die in der Branche im Übrigen keine Seltenheit darstellt. Immer wieder kam es in der Vergangenheit vor, dass Wettanbieter (aber nicht nur) ihren Sponsorenleistungen zum Ende der Partnerschaft nicht nachgekommen sind. Taktiererei, um ein paar Euro herauszuschlagen. Und eine, die oftmals aufging und in einem Kompromiss endete. Wie das Kapitel VfB und Winamax wohl enden wird? Wie eingangs erwähnt: Eine Wette darauf abgeben würde wohl niemand.