Am Boden: VfB-Keeper Sven Ulreich Foto: Pressefoto Baumann

VfB-Trainer Thomas Schneider schließt einen  Torwartwechsel vor dem Spiel gegen Bayern München kategorisch aus.

Stuttgart - Andreas Menger ist auch am Morgen danach ratlos. „Sven hat eine gute Vorbereitung gespielt“, sagt der Torwarttrainer des VfB, „er hat eine gute Ansprache ans Team gehabt – ich weiß nicht, woran es lag, es hat nichts darauf hingedeutet.“

Darauf – auf den Fehler von Sven Ulreich.

Der VfB-Keeper kam gegen den FSV Mainz (1:2) kurz vor der Pause aus dem Tor gestürmt, krachte mit Außenverteidiger Gotoku Sakai zusammen, woraufhin Ex-VfB-Stürmer Shinji Okazaki den Ball zum 1:1 einschieben konnte. Der Torhüter entschuldigte sich bereits in der Halbzeitpause bei der Mannschaft und gab sich auch nach dem Spiel reumütig („es war mein Fehler, wenn ich rauskomme, muss ich den Ball haben“). Doch all das bewahrte ihn nicht vor der Kritik, die er sich anschließend anhören musste.

Trainer Thomas Schneider bemühte sich zunächst darum, so etwas wie Gelassenheit auszustrahlen. Es sei normal, dass Torhüter auch mal Fehler machen, sagte er. Und: „Der Olli Reck hat früher 15 Eier reinbekommen und war immer Stammkeeper.“

Das soll auch bei Ulreich so bleiben, und von 15 sogenannten Eiern in einer Saison ist der Keeper verdammt weit weg. Was den Strategen des VfB allerdings Sorgen bereitet, ist der Trend bei Ulreich, der eher negativ ist. Schon in den letzten beiden Vorrundenspielen gegen Hannover 96 (4:2) und beim VfL Wolfsburg (1:3) offenbarte Ulreich Schwächen. Der Keeper sagt im Rückblick, „dass ich in diesen beiden Spielen nicht das gezeigt habe, was ich davor gezeigt habe“. Nun gab es sie gegen Mainz wieder, die Abstimmungsprobleme mit den Vorderleuten beim Herauslaufen. Deshalb sprach Schneider davon, „dass wir das normal und sachlich analysiert haben“, zumal es gegen Hannover „ähnliche Probleme gegeben hat“.

Der VfB-Coach schloss einen Torwartwechsel an diesem Mittwoch gegen Bayern München (20 Uhr/Sky) aber kategorisch aus. „Sven hat unser absolutes Vertrauen“, sagte Schneider – ein Vertrauen, das sich Ulreich durch konstant starke Leistungen in den vergangenen Jahren erarbeitet hat. Der Trainer betonte aber auch, in Ulreich und Ersatzmann Thorsten Kirschbaum „zwei Super-Torhüter“ zu haben. Später ergänzte Schneider, „dass Thorsten gezeigt hat, dass er absolutes Potenzial hat“.

Dessen ist sich auch Andreas Menger bewusst. Auch der Torwarttrainer stärkte Sven Ulreich den Rücken – tat das aber nicht, ohne ihn in die Pflicht zu nehmen. „Wir gehen sehr kritisch mit der Situation um“, sagte Menger, „aber der VfB steht für Werte – und einer davon ist, dass wir die Leute in solchen Situationen nicht fallen lassen“.

Menger gab am Ende noch Einblicke in seine Torwartphilosophie und den Trainingsalltag. „Wir legen einen Schwerpunkt auf die Fußtechnik, auf die Strafraumbeherrschung und das Mitspielen“, sagte er. „Das Torwartspiel hat sich verändert.“ Fakt ist: Menger verlangt von Ulreich, dass er offensiv steht und mutig ist beim Rauslaufen. Manchmal aber kann das aber noch nach hinten losgehen – so wie bei der Szene unmittelbar vor dem Mainzer Tor zum 1:1.

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