Sven Ulreich (re.) patzt gegen Mainz. Foto: Baumann

Der Torhüter des VfB Stuttgart steht im Spiel heute Abend gegen den FC Bayern München unter Druck.

Zuletzt leistete sich Sven Ulreich Schwächen – an diesem Mittwoch soll gegen  Bayern München (20 Uhr/Sky) alles besser werden. Jens Lehmann und Franz Wohlfahrt jedenfalls trauen dem VfB-Torwart den Umschwung  zu.

Stuttgart - Thomas Schneider lässt weiter keinen Zweifel an seiner Nummer eins aufkommen. Es sei ein Stück weit normal, dass Torhüter über eine ganze Saison gesehen auch mal Fehler machen, sagt der VfB-Coach. Und: „Sven Ulreich spielt eine überdurchschnittlich gute Saison.“

Auch Torwarttrainer Andreas Menger versucht vor dem Duell gegen den FC Bayern München an diesem Mittwoch (20 Uhr/Sky), so etwas wie Gelassenheit auszustrahlen. „Wir analysieren die Dinge, wir trainieren, und wir bereiten uns aufs Spiel vor“, sagt er.

Die Strategen des VfB versuchen also, die Aufregung rund um Ulreich herunterzufahren, die auch wegen der offenen Kritik der sportlichen Leitung aufgekommen war. Klar ist aber, dass der Keeper nun unter besonderer Beobachtung stehen wird.

Denn in den vergangenen drei Partien leistete sich Ulreich, der sich am Tag vor dem Spiel gegen den FC Bayern nicht mehr äußern wollte, einige Schwächen. Nun sollte er zumindest nicht wieder patzen, um die Diskussionen um ihn nicht zu verschärfen.

Ulreich im Fokus: Schafft er die Wende?

„Sven war drei Spiele nicht so gut, er hat davor aber zweieinhalb Jahre stark gehalten“, sagt Menger, „wichtig ist, dass wir Konstanz reinbekommen.“ Kleinere Schwankungen seien da ein Stück weit normal. Menger betont auch, dass die jüngsten Schwächen seines Schützlings beim Herauslaufen nichts mit den Trainingsinhalten zu tun habe. „Wir arbeiten seit zweieinhalb Jahren an dem offensiven Spiel“, sagt Menger, „Sven hat das aufgenommen und verfeinert – zuletzt hatte er beim Rauslaufen einfach die falsche Wahrnehmung im Spiel.“

Dabei zeigt auch der Blick auf die Statistik, dass Ulreich durchaus Verbesserungspotenzial hat. So wehrte der Torhüter in dieser Saison bisher nur 64 Prozent der Torschüsse ab, die auf seinen Kasten kamen. Ligadurchschnitt sind 68 Prozent. Manuel Neuer vom FC Bayern kommt sogar auf 84 Prozent, Marc André ter Stegen (Mönchengladbach) auf 79. Auffällig ist auch, dass Ulreich bisher nur einmal in dieser Saison zu null spielte (beim 1:0 bei Hertha BSC am fünften Spieltag). Andererseits vereitelte er schon acht Großchancen des Gegners – nur Oliver Baumann (SC Freiburg), Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt) und Raphael Schäfer (1. FC Nürnberg) haben bessere Werte.

„Ich kenne die Statistiken“, sagt Andreas Menger, „aber man muss sie immer im Zusammenhang betrachten.“ Zum Beispiel komme es bei der Quote der abgewehrten Torschüssen auch immer darauf an, von wo aus der Gegner schieße. Im Klartext: Manuel Neuer hat in der Regel leichteres Spiel, weil seine starke Abwehr den Gegner eher vom Tor fernhält und der oft auf unkontrollierte Verzweiflungsschüsse aus der Distanz angewiesen ist.

Schwächere Defensivreihen ermöglichen es dem Gegner dagegen eher, sich in gute Schusspositionen zu bringen, was die Aufgabe für den Torhüter erschwert. Dass der FC Bayern dem VfB in diesem Punkt überlegen ist, ist kein Geheimnis – auch deshalb erklären sich Ulreichs schlechtere Werte im Vergleich zu Neuer.

Fernab der Zahlen und Fakten gibt es bei der aktuellen Diskussion aber auch noch eine andere Ebene. Auf der geht es um so etwas wie Emotion und Leidenschaft. Die neue Torhüter-Generation muss spielerisch stark sein, modern agieren und am besten auch noch mutig sein beim Rauslaufen – was den aktuellen Keepern in den Augen von Jens Lehmann (44) aber oft abgeht, ist die Aggressivität auf dem Platz.

„Ein Gegenspieler muss wissen, dass er sich wehtut, wenn es zum direkten Duell kommt“, sagt der Ex-VfB-Keeper, der zurzeit als Sky-Experte tätig ist. Die Körpersprache sei wichtig, ergänzt er, „man muss als Torwart auch mal arrogant sein“. Lehmann traut es Ulreich zu, sich aus dem Zwischentief zu befreien: „Er kann das, er hat das in der Vergangenheit öfter gezeigt.“

Auch Franz Wohlfahrt (49) hält die Wende für möglich. „Sven muss das Spiel gegen Bayern jetzt als Riesenchance sehen“, sagt der Ex-Keeper, der 1997 mit dem VfB Stuttgart DFB-Pokalsieger wurde. „Er weiß ja, was bei so einem starken Gegner auf ihn zukommt.“ Auch Wohlfahrt vermisst bei der heutigen Torhüter-Generation oft den Killerinstinkt. „Manchmal muss man die Mitspieler auf dem Platz auch mal mehr zusammenstauchen und Zeichen setzen“, sagt der Österreicher. Aber das sei nun mal so. Als Typ, sagt Wohlfahrt, sollten sich Ulreich und seine Kollegen nicht ändern. „Das wäre erzwungen und ist nicht zu empfehlen.“

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