Sakai mit Zaungast im Trainingslager in Belek Foto: Pressefoto Baumann

Seit einem Jahr spielt Gotoku Sakai für den VfB Stuttgart. Für den Japaner war es ein Lehrjahr, was nicht bedeutet, dass er am Ende seines Weges angekommen ist: „Meine Leistung muss stabiler werden.“

Stuttgart - Vor einem Jahr war Gotoku Sakai als Neuzugang im Trainingslager in Belek angekommen, und bis auf seinen Landsmann Shinji Okazaki hatte er wenig Anknüpfungspunkte bei seinem neuen Arbeitgeber VfB. Die beiden Japaner gluckten zusammen, die gemeinsame Sprache und Kultur verbanden sie. Jetzt, ein Jahr später, plauderte Sakai erneut in Belek über sein erstes Jahr in Deutschland, er sagte: „Ich brauche keine Hilfe mehr von Shinji. Jetzt braucht er Hilfe von mir.“

Das war geflachst, und es war auch nur die halbe Wahrheit: So richtig freigestrampelt hat sich „Go“ immer noch nicht.

Mit Georg Niedermeier geht er ab und zu in Stuttgart japanisch essen, auch mit Sven Ulreich und Raphael Holzhauser trifft er sich abseits des Trainings. Ansonsten ist er nach wie vor auf Okazaki fixiert – und auf seine Familie. Auf seine Frau Yuka und die Töchter Miina (knapp 2) und Yuno (10 Monate), die seit einem halben Jahr in Stuttgart wohnen. „Die drei sind das Leben in Deutschland noch nicht so gewohnt. Ich müsste eigentlich mehr Zeit mit ihnen verbringen“, sagt Sakai (21). Die vielen Spiele im vergangenen halben Jahr haben ihn davon abgehalten, auch seine Deutschkurse hat er deshalb schleifen lassen. „Ich lerne bald wieder mehr“, verspricht er.

VfB hat bei Sakai die Kaufoption gezogen

Dieser Vorsatz gilt auch für sein Auftreten auf dem Platz. Nach einem starken halben Jahr beim VfB hatte sich Sakai mit Japans U-23-Nationalmannschaft auf die Olympischen Spiele vorbereitet. Im Sommer spielte er das Turnier in London, ging danach mit der A-Nationalmannschaft auf Reisen und verpasste die Saisonvorbereitung in Stuttgart. Das ging nicht spurlos an ihm vorbei. Im zweiten halben Jahr beim VfB tat er sich schwer, an seine früheren Leistungen anzuknüpfen. Das soll sich jetzt ändern, und sein neuer Vertrag gibt dazu den Anstoß.

Bisher war Sakai für 300 000 Euro nur ausgeliehen. Jetzt hat der VfB die Kaufoption gezogen, seinem Ex-Club Albirex Niigata die vereinbarte Ablösesumme von 1,2 Millionen Euro überwiesen und Sakai mit einem Vertrag bis 2016 ausgestattet. „Jetzt fühle ich mich als richtiger VfB-Profi“, sagt der Rechtsverteidiger, „das ist ein anderes Gefühl, als wenn man nur ausgeliehen ist.“ Sakai trägt den VfB jetzt im Herzen, und dieses neue Gefühl der Zugehörigkeit soll sich in seiner Leistung niederschlagen. „Ich muss stabiler werden“, hat er sich vorgenommen.

Sakai will nun endlich seine Oma in Nürnberg besuchen

Ohne optimale Vorbereitung im Sommer kam er durch die englischen Wochen konditionell und mental ins Hintertreffen. Ihm fehlten Tempo, Gespür für die Zweikämpfe und Konstanz, eine gute Leistung auch zu bestätigen. „Ich muss cleverer spielen“, sagt er. Seine Jugend lässt er nicht gelten: „Das ist eine Ausrede. Ich sehe viele junge Profis in der Welt, die konstant gut spielen.“

Daran orientiert er sich, darauf will er sich konzentrieren, sobald seine Sperre für beiden nächsten Bundesligaspiele vorbei ist. Deshalb wird Sakai, in New York geboren und Sohn einer deutschen Mutter, so schnell auch keine Zeit haben, seine Oma in Nürnberg zu besuchen. Das hatte er vor einem Jahr angekündigt, aber bisher noch nicht eingelöst: „Keine Zeit.“ Dabei bleibt es: Jetzt hat das Training wieder Vorrang.

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