Gut gelaunt: Gotoku Sakai, Abwehrspieler des VfB-Stuttgart Foto: dpa

Der japanische Abwehrspieler hat sich beim VfB Stuttgart gut eingelebt – auch sportlich.

Stuttgart - Takashi Kawagishi verzieht das Gesicht, und auf die Frage, ob es diese Spezialität nicht auch in Japan gebe, schaut der Dolmetscher beinahe entsetzt und hebt abwehrend die Hände. „Nein“, sagt er schnell und bestimmt. Doch da hat sein Nebenmann längst beide Daumen in die Höhe gereckt und sein breitestes Grinsen aufgesetzt. Es ist Gotoku Sakai, der Abwehrspieler des VfB Stuttgart. Und das Thema ist – Milchreis.

Es ist Mittagszeit auf dem Vereinsgelände des VfB, die beiden kommen gerade vom Essen, und Sakai hat wieder zugeschlagen bei seiner neuen Leibspeise, die Kawagishi und Shinji Okazaki, der andere Japaner bei den Roten, lieber nicht anrühren. Sakai aber schmeckt’s – was zweierlei bedeutet. Erstens: Der 20-jährige Abwehrspieler ist keiner, der seinen Landsleuten alles nachmacht. Und zweitens: Er hat sich schon richtig gut eingelebt in Stuttgart. „Das Leben hier macht Spaß“, sagt er. Das Fußballspielen auch – besonders seit zwei Wochen.

„Ich bin nicht von Shinji abhängig“

Vor dem Spiel gegen Hertha BSC Berlin fehlten VfB-Trainer Bruno Labbadia gleich zwei Linksverteidiger. Cristian Molinaro , so etwas wie die A-Lösung auf dieser Position, war gesperrt, Arthur Boka, die B-Variante, weilte beim Afrika-Cup. Also kam Gotoku Sakai zu seinem Debüt – und wirbelt seitdem das Linksverteidiger-Abc der Roten durcheinander. „Er hat seine Sache bisher gut gemacht“, sagt Labbadia, der seinen Schützling in einem Einzelgespräch auf die Aufgaben in der Bundesliga vorbereitet hatte. Schließlich gab es da einige Neuigkeiten.

Sakai kannte das Tempo der Bundesliga nur aus dem Fernsehen, er kannte die Gegner nicht, und auch auf die Spielweise des eigenen Teams konnte er sich noch nicht gerade lange einstellen. Besonders knifflig: das Abwehrverhalten. „Wenn in Japan ein langer Ball geschlagen wurde, hatte ich genug Zeit, um zu meinem Gegenspieler zu laufen“, sagt Sakai, „in der Bundesliga muss der Abstand viel kleiner sein, und ich muss sofort am Mann sein.“ Weil er das noch nicht komplett verinnerlicht hat, „muss ich immer hoch konzentriert sein“. Was die Aufgabe zusätzlich erschwert.

Dennoch hat es in seinen ersten drei Bundesligapartien ordentlich geklappt, auch wenn Gotoku Sakai sein Defensivverhalten noch als Schwäche bezeichnet. Das Spiel nach vorn dagegen ist seine große Leidenschaft. „Ich will Tore vorbereiten“, sagt der 20-Jährige, der schon angedeutet hat, wie gefährlich seine Vorstöße sein können. Und der davon profitiert, dass er die linke Seite im Spiel des VfB gemeinsam mit seinem Landsmann Shinji Okazaki beackert. „Aber auch die anderen Spieler wissen mittlerweile, wie ich spiele“, versichert Sakai und sagt selbstbewusst: „Ich bin nicht von Shinji abhängig.“ Wer Gotoku Sakai außerhalb des Platzes erlebt, glaubt das ohnehin nicht.

Sakais deutsch wird immer besser

Er spricht viel mit anderen Spielern, sein Deutsch wird immer besser, und die Telefonate mit seiner deutschen Mutter nutzt er für weitere Übungseinheiten. Früher sprachen die beiden nur japanisch oder englisch miteinander. So soll die Eingewöhnung weiter vorangehen, weiterer sportlicher Erfolg täte da ein Übriges, weshalb Sakai sagt: „Ich habe Respekt vor meinen Konkurrenten, aber nicht zu großen. Ich will weiter in der Startelf stehen.“ Auch am Samstag (15.30 Uhr) in der Partie beim Hamburger SV – wenn Cristian Molinaro wieder spielberechtigt ist.

Die Zufriedenheit Sakais würde dann wohl weiter wachsen. Perfekt ist dessen Glück aber erst, wenn seine Frau und die beiden Kinder nach Deutschland kommen. Spätestens im April wird es so weit sein, seine Wohnung bezieht Sakai noch in dieser Woche – was allerdings ein kleines Problem mit sich bringt. „Kochen kann ich nämlich nicht“, sagt der Japaner. Milchreis gibt’s ja aber fertig zubereitet zu kaufen.

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