Gentner und der VfB liegen mal wieder am Boden Foto: Baumann

VfB-Stuttgart-Kapitän Christian Gentner versucht die aktuelle Krise zu erklären und kritisiert dabei indirekt Ex-Trainer Alexander Zorniger.

Stuttgart - Christian Gentner weiß wohl selbst nicht so genau, die wievielte Krise er beim VfB Stuttgart gerade erklären muss. Es waren auf alle Fälle schon ganz schön viele, seit er 2010 aus Wolfsburg zurückgekehrt ist. Insofern hat sich eine gewisse Routine eingeschlichen, als der Mannschaftskapitän am Donnerstag das aktuelle Dilemma beim roten Krisen-Club zu erörtern versucht.

Gentners Ansatz: „Es war nicht alles schlecht!“ Wäre der Start glücklicher verlaufen, mit Siegen statt fahrlässigen Niederlagen gegen Köln und Hamburg, dann müsste er jetzt nicht Rede und Antwort stehen – und Alexander Zorniger sich keinen neuen Job suchen, ist sich der 30-Jährige sicher.

Nun findet die Fußball-Bundesliga leider nicht im Konjunktiv statt. Vor dem Spiel am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) bei Borussia Dortmund steht dem Tabellen-16. das Wasser bis zum Hals – ganz real. Wie es – unabhängig vom unglücklichen Saisonstart – so weit kommen konnte? Gentner muss aufpassen, was er sagt, will er der verunsicherten Mannschaft nicht weiteres Selbstvertrauen nehmen. Offen nachtreten gegen den entlassenen Trainer will er auch nicht. Also formuliert er in die Zukunft gerichtet: „Das neue Trainerteam muss wieder mehr bei unseren Stärken ansetzen.“ Oder anders gesagt: Wieder das spielen lassen, was die Mannschaft kann, und nicht das, was sie offenbar nicht kann. Was dann durchaus als Kritik an Zornigers wildem Stil verstanden werden kann. Der Mittelfeldspieler spielt vor allem auf die 31 Gegentore an, die den VfB zur Schießbude der Liga machen. Angesichts dessen erwartet Gentner von Interimstrainer Jürgen Kramny, dass er die Abwehr wieder tiefer stellt. So erhofft er sich in der eigenen Hälfte mehr Kompaktheit und bessere Ergebnisse in Eins-gegen-eins-Situationen.

Abschied war kein schöner Moment

Mit Kramny erlebt Genter bereits den achten Trainer seit seiner Rückkehr zum VfB. Seine Mannschaftskollegen nimmt er gegen den Vorwurf in Schutz, nicht nur Zorniger mutwillig verschlissen zu haben. Niemand habe gegen den Trainer gespielt, versichert der Nürtinger, auch nicht beim 0:4 gegen den FC Augsburg. Dort sei nach den frühen Gegentoren einfach eines zum anderen gekommen. Auch widerspricht Gentner der Einschätzung, dass die Mannschaft gar keine Mannschaft sei, sondern eine unharmonische Ansammlung von Einzelspielern. Von Harmonie will er nicht sprechen, aber: „Wir haben immer gut und respektvoll zusammengearbeitet.“ Das habe ihm auch Zorniger bei der Verabschiedung versichert.

Der Abschied sei kein schöner Moment gewesen, aber für Gentner und das Team auch ein Neuanfang. Davon hatte der Kapitän mindestens schon genauso viele wie Krisen.

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