Es ist zum Verzweifeln: Die VfB A-Junioren um Kapitän Mart Ristl stehen in der Bundesliga nur knapp vor den Abstiegsrängen Foto: Baumann

Trotz vieler Nationalspieler kämpft die U19 des VfB Stuttgart gegen den Abstieg aus der Bundesliga - eine ganz neue Situation für den so erfolgsverwöhnten VfB-Nachwuchs.

Stuttgart - Ilija Aracic war bedient. Richtig bedient. „Wir befinden uns in einer Situation, die für alle ganz neu ist“, stellte der Trainer der A-Junioren des VfB Stuttgart nach der jüngsten 1:2-Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg fest. Der Abstand auf den aktuell von Eintracht Frankfurt belegten ersten Abstiegsplatz beträgt nur noch vier Punkte – und die Eintracht hat auch noch ein Spiel weniger.

Eine ganz neue Situation also für den so erfolgsverwöhnten VfB-Nachwuchs. Mit zehn Titeln sind die Roten Rekordmeister bei den A-Junioren. Die letzte Meisterschaft liegt zwar schon etwas zurück (2005), doch auch in der jüngeren Vergangenheit spielten die Jungs vom Cannstatter Wasen in der ­U-19-Bundesliga stets eine gute Rolle. Im vergangenen Jahr noch Dritter, droht nun erstmals der Sturz in die Oberliga.

Was läuft schief beim VfB-Nachwuchs? Wie so oft spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Ganz sicher nicht ursächlich für das Herumdümpeln im Keller ist die individuelle Qualität der Mannschaft. Für regelmäßige Beobachter handelt es sich um den besten Jahrgang seit vielen Jahren.

Karriere in der Bundesliga prophezeit

Der Kader besteht fast nur aus Nationalspielern; 13 an der Zahl, darunter sechs deutsche Auswahlkicker. Einigen von ihnen wird schon jetzt eine Karriere in der Bundesliga vorhergesagt. Kapitän Mart Ristl (18) etwa gehört ab kommender Saison fest dem Profikader an. Die A-Junioren bilden damit das Kontrastbild zur B-Jugend: Die Mannschaft von Domenico Tedesco und Andreas Hinkel verfügt über keinen einzigen Jugend-Nationalspieler – steht in der Bundesliga aber auf Platz zwei.

Vielleicht liegt aber genau darin einer der Gründe dafür, dass es bei der U 19 nicht läuft: In der vermeintlichen Gewissheit, es schon geschafft zu haben. Getreu dem Motto: Ich spiele beim VfB, bin Nationalspieler, alles Weitere wird sich geben.

Dieser Eindruck drängt sich zumindest auf, wenn man das Team Anfang Januar beim Junior-Cup im Sindelfinger Glaspalast gesehen hat. Das Turnier gilt als wichtigste Bühne für die Stars von morgen. Entsprechend präsentierten sich die Jungs mit dem Brustring den zahlreichen Talentspähern auf der Tribüne: spielstark, kampfstark, als echte Mannschaft eben. Erst im Finale musste sich der VfB Manchester United im Neun-Meter-Schießen geschlagen geben.

Die Krux mit den vielen Nationalspielern

In ziemlichem Kontrast dazu steht so mancher Auftritt in der A-Junioren-Bundesliga. Ganz offensichtlich mangelt es dem einen oder anderen am unbedingten Willen, auch vor 80 Zuschauern im Schlienz-Stadion gegen Waldhof Mannheim oder den 1. FC Saarbrücken alles zu geben.

Ein weiterer Grund für die bislang missratene Saison: Teamgeist und -struktur können sich durch die zahlreichen Abstellungen nur bedingt ausbilden. Die Nationalspieler sind häufig auf Lehrgängen und Turnieren unterwegs oder trainieren wie Ristl und Arianit Ferati regelmäßig bei den Profis mit. So fällt es Aracic schwer, seine Mannschaft Woche für Woche optimal auf die Gegner der Bundesliga vorzubereiten.

"Wir spielen nicht schlecht“

Dass er dies kann, daran besteht im VfB-Lager kein Zweifel. Der Kroate gilt als Fußball-Fachmann, der auch ein Händchen für den richtigen Umgang mit den nicht immer einfachen Heranwachsenden hat. Er selbst sieht die Lage weniger dramatisch. „Wir spielen ja nicht schlecht, was uns fehlt, sind die Tore“, sagt der 44-Jährige. Aracic ist weit davon entfernt, seiner Mannschaft Charakterschwäche zu unterstellen. Der frühere Profi (u. a. Hertha BSC) spricht lediglich von „Leichtsinn“, der sein Team mitunter befalle. „Dass man nach Erfolgen mal nachlässt, ist in dieser Phase der Karriere normal. Erfahrungen, wie wir sie jetzt machen, können für die weitere Karriere sehr wichtig sein.“

Aracic verweist auf die Beispiele Niklas Süle (TSG Hoffenheim), Davie Selke (Werder Bremen) oder Gianluca Gaudino (FC Bayern München). Sie wurden in der A-Jugend im Kampf gegen den Abstieg gestählt – und sind nun fester Bestandteil erfolgreicher Bundesliga-Teams.

Auch Rainer Adrion verfällt trotz der prekären Lage sechs Spieltage vor Schluss nicht in Panik. „Klar machen uns die A-Junioren schon ein bisschen Sorgen, schließlich hält dieser Trend schon etwas länger an“, meint der sportliche Leiter. „Ich bin mir aber sicher, dass Ilija Aracic das hinbekommt.“Die nächste Gelegenheit bietet sich am 8. April (14 Uhr) beim FC Augsburg – einem unmittelbaren Konkurrenten. Es kommt also darauf an. Gute Voraussetzungen, dass die Mannschaft dann ihr bestes Gesicht zeigt.

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