Shinji Okazaki liegt quer in der Luft. Der Stürmer des VfB Stuttgart erzielt gegen Hannover 96 das 2:4 auf besonders spektakuläre Art und Weise. Foto: dapd

Der Japaner kann sich über seinen sehenswerten Treffer in Hannover per Seitfallzieher kaum freuen.

Stuttgart - Für die Kollegen von Shinji Okazaki war es keine Frage, wo dessen Treffer zum 2:4 bei Hannover 96 demnächst zu sehen sein wird: bei der Auswahl zum Tor des Monats. So einen herrlichen Seitfallzieher bekommt man schließlich nicht alle Tage geboten. Dumm nur, dass Okazaki gar nicht wusste, wovon die Kollegen da eigentlich redeten. „Vom Tor des Monats in der ‚Sportschau‘ habe ich noch nie etwas gehört“, sagte der japanische Außenstürmer des VfB Stuttgart am Tag nach der Partie in Hannover.

Vermutlich wird sich das nun ändern. Denn bei solch einem Treffer ist eine Nominierung so gut wie sicher. Gotoku Sakai hatte geflankt, Hannovers Christian Schulz köpfte den Ball unfreiwillig in die Mitte – dann hob Okazaki ab, lag waagrecht in der Luft und traf den Ball perfekt, der rechts oben im Tordreieck einschlug. „Ein absolut schönes Tor“, sagte Okazaki, nachdem er sich seinen Treffer auf Video noch einmal angeschaut hatte. Und vor allem war es eine Premiere. „So ein Tor habe ich noch nie zuvor geschossen“, sagte Okazaki, dem die Wahl zum Tor des Monats dann doch nicht ganz fremd ist.

In Japan nämlich gibt es eine ähnliche Würdigung sehenswerter Treffer – und der jetzige VfB-Angreifer gehörte schon einmal zu den Siegern. „Das war aber ein ganz anderer Treffer als jetzt in Hannover“, erinnert er sich und erzählt von einer Kombination über viele Stationen und einigen Lupfern. Bald könnte es auch in Deutschland so weit sein. Nur: So richtig freuen konnte sich Shinji Okazaki darüber nicht.

„Ich komme so langsam rein“

„Drei Punkte wären wichtiger gewesen als mein Tor“, sagte der 25-jährige Japaner, der sich wie seine Kollegen über die vielen Fehler im Spiel der Roten ärgerte: „Die müssen wir schnell abstellen.“ Etwas anderes dagegen will Okazaki möglichst schnell ausbauen: sein Zusammenspiel mit Gotoku Sakai.

Auf links setzt VfB-Trainer Bruno Labbadia seit dem Spiel gegen Hertha BSC Berlin auf eine rein japanische Besetzung. Hinten verteidigt Neuzugang Gotoku Sakai, den Offensivpart übernimmt Shinji Okazaki, der sagt: „Mit Gotoku zu spielen klappt bereits sehr gut, er weiß, wo meine Stärken liegen, entsprechend können wir uns gegenseitig helfen.“ Und zusammen für Torgefahr sorgen. „Wir wollen über links noch mehr Chancen herausspielen“, sagt Okazaki, und Sakai ergänzt: „Ich würde gerne noch viel mehr Doppelpässe mit Shinji spielen.“ Bis jetzt kann der 20-Jährige mit seinen beiden ersten Bundesligaspielen aber ganz zufrieden sein.

„Ich komme so langsam rein“, sagte er nach der Partie in Hannover, wo er zu den besseren VfB-Spielern gehörte und beinahe an einem zweiten Treffern beteiligt gewesen wäre. Doch seine präzise Hereingabe brachte Vedad Ibisevic beim Stand von 2:4 nicht im Tor unter – weshalb die Aufholjagd schnell wieder beendet war. Und Okazakis Traumtor allenfalls eine Randnotiz der VfB-Nieder­lage. Außer, der Treffer wird tatsächlich das Tor des Monats.

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