Au weia, schon wieder ein Platz auf der Bank: Karim Haggui will endlich von Anfang an ran. Foto: Pressefoto Baumann

Im Fußballgeschäft geht es manchmal rasend schnell. Antonio Rüdiger manövriert sich mit einer Tätlichkeit ins Abseits – weshalb in der Innenverteidigung des VfB nun die Stunde von Karim Haggui schlagen könnte. Er brennt auf sein Startelf-Debüt.

Stuttgart - Karim Haggui (29) wurde gebraucht beim VfB. In der Schlussphase der Partie beim HSV (3:3) war der Innenverteidiger plötzlich unentbehrlich. Endlich, wenn man so will. Konkurrent Antonio Rüdiger sah Rot, und Haggui feierte sein Bundesligadebüt für den VfB – für ganze drei Minuten.

An diesem Freitag gegen den 1. FC Nürnberg (20.30 Uhr/Sky) will Haggui wieder ran, doch dieses Mal bitte schön länger als in Hamburg. 90 Minuten sollen es sein – der Tunesier drängt in die Startelf und will Rüdiger in der Abwehrzentrale ersetzen. „Irgendwann muss die Chance kommen“, sagt Haggui – und der Zeitpunkt könnte besser nicht sein. Rüdiger ist gesperrt, und Georg Niedermeier, der zweite Konkurrent, ist nach einem Innenbandriss im Knie erst seit der vergangenen Woche wieder im Mannschaftstraining. Ob er schon wieder bereit ist für 90 Minuten, ist fraglich. Wenn nicht jetzt, wann dann – gegen den Club könnte Haggui sein Startelf-Debüt für den VfB feiern. Der Neuzugang hofft auf die Wende.

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Bisher war der Tunesier nur eine Rand­figur. Für diesen Zustand hat Haggui, der nach dem vierten Spieltag für rund 1,5 Millionen Euro von Hannover 96 kam und einen Zweijahresvertrag unterschrieb, aber eine Erklärung: „Als ich kam, hat das Team gerade 6:2 gegen Hoffenheim gewonnen, wir sind in einen Lauf gekommen und sind seitdem in der Liga ungeschlagen – da gibt es für einen Trainer keinen Grund zu wechseln.“

Haggui ist keiner, der auf den Putz haut und Ansprüche stellt. Er ordnet die Dinge realistisch ein und will, das ist zu spüren, nur durch Leistung überzeugen – und nicht durch Worte. „Ich musste zuletzt Geduld haben“, sagt er, „wichtig war, dass ich im Training souverän und konzentriert gearbeitet habe, denn wenn eine Chance kommt, musst du auf diese Situation gut vorbereitet sein.“

Haggui sieht die Dinge erstaunlich gelassen

Wichtig für Haggui war in den vergangenen Wochen das Testspiel in der bisher letzten Länderspielpause gegen 1899 Hoffenheim – da konnte der Tunesier gegen einen starken Gegner an der Abstimmung mit seinen Nebenleuten feilen. Allerdings war bei dieser Partie Konkurrent Niedermeier auch schon wieder an Bord – weil Daniel Schwaab nach starken Auftritten in der Innenverteidigung gesetzt zu sein scheint, läuft vor dem Spiel gegen den Club alles auf ein Duell zwischen Niedermeier und Haggui hinaus. „Das muss der Trainer entscheiden“, sagt Haggui, der die Dinge erstaunlich gelassen sieht.

„Wichtig ist für mich, dass ich beim VfB Schritt für Schritt vorankomme“, sagt er: „Das geht nicht von heute auf morgen.“ Wer als Neuzugang zu einem Team stößt, das sich in einen Lauf spielt, hat es eben schwer, das ist Hagguis Erklärung für sein Dasein als Bankangestellter. Nun will er zum Zug kommen – auch außerhalb des Platzes.

Bei Hannover 96 war Haggui jahrelang anerkanntes Mitglied im Mannschaftsrat, beim VfB strebt er wieder eine Führungsrolle an: „Eine positive Rolle in der Mannschaft einzunehmen ist mir schon sehr wichtig, ich hoffe, dass mein Charakter gut ankommt.“

Wenn Haggui so weitermacht wie zuletzt in Hannover, ist er da auf einem guten Weg. Denn wer sich in der niedersächsischen Hauptstadt umhört, bekommt nur positive Rückmeldungen. Absolut integer sei Haggui, ruhig und bescheiden im Auftreten.

Auf dem Platz sei er technisch beschlagen, elegant, kopfball- und zweikampfstark und torgefährlich, heißt es weiter. Allerdings: Haggui war auch mal für einen Aussetzer gut und flog wegen einer Tätlichkeit vom Platz. Und zuletzt war der Abwehrmann, der fließend Deutsch spricht, bei den Niedersachsen nur Ersatz, ebenso wie bei seinem vorherigen Club Bayer Leverkusen. Beim VfB konnte er diesen Kreislauf bisher nicht durchbrechen – doch nun soll alles besser werden.

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