VfB Stuttgart Mehr Özcans braucht der VfB

Von Carlos Ubina 

Für den VfB am Ball: Berkay Özcan, der erst 19 Jahre jung ist und schon 20 Zweitliga-Einsätze vorzuweisen hat. Foto: Baumann
Für den VfB am Ball: Berkay Özcan, der erst 19 Jahre jung ist und schon 20 Zweitliga-Einsätze vorzuweisen hat. Foto: Baumann

Ballsicher, fleißig, lernwillig – der 19-jährige Mittelfeldspieler Berkay Özcan verkörpert, was sich der VfB Stuttgart von seinen Talenten erhofft. Doch ohne mehr Geld wird es schwierig im Nachwuchsbereich.

Stuttgart - Marc Kienle hat einen guten Überblick. Denn wenn er aus dem Besprechungszimmer des Nachwuchsleistungszentrums schaut, dann sieht der Sportkoordinator des VfB Stuttgart die Zukunft. Und die ist schwarzhaarig, hat noch ein jungenhaftes Gesicht, steckt aber schon im robusten Körper eines Mannes. Berkay Özcan. Der junge Mittelfeldspieler trainiert wieder mit den Zweitligafußballern. Wie schon die ganze Zeit über.

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Ballsicher, fleißig und lernwillig – so wird Özcan beschrieben. Weshalb der Chefcoach Hannes Wolf den erst 19-Jährigen gerne lobt. Kienle nennt Özcan sogar ein „Vorbild“. Was zum einen daran liegt, dass er bereits als A-Jugendlicher den Sprung in den erlauchten Kreis der Profis geschafft hat und somit für die gewünschte Durchlässigkeit von unten nach oben steht. Zum anderen liegt es aber auch daran, wie er zuletzt seine eigene Befindlichkeit hintangestellt und sich in den Dienst einer größeren Sache gestellt hat. Abstiegskampf mit der U 19 hieß es für ihn statt Aufstiegsrennen mit dem Zweitligateam.

Özcan wollte der U 19 unbedingt helfen

„Es ist bemerkenswert, wie Berkay Özcan mit der ganzen Situation umgegangen ist“, sagt Kienle. Auf 20 Zweitliga-Einsätze und zwei Tore bringt er es schon. Doch das Toptalent pendelt bei Wolf noch zwischen Startelf, Bank und Tribüne. Zuletzt bot der türkische Juniorennationalspieler dann von sich aus an, in der U 19 auszuhelfen. Um den sportlichen Absturz der kleinen Vorzeigeelf zu verhindern. Mit dem 1:0 in Augsburg wurde das Minimalziel erreicht.

Mehr von diesen Typen mit der richtigen Mentalität braucht der Club also. Denkt sich Kienle und treibt die Planungen des Unterbaus voran: Die im Winter eingesetzten Andreas Hinkel (U 23) und Heiko Gerber (U 19) werden Trainer bleiben. Ihnen sollen jeweils Kader zur Verfügung gestellt werden, die den Ansprüchen genügen, hoffnungsvolle Talente weiter auszubilden und Titelgewinne nicht auszuschließen. „Es war diesmal eng, und in eine solche Situation dürfen wir nicht mehr geraten“, sagt der Sportkoordinator.

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Die zweite Mannschaft wuchtete sich in der Regionalliga mit Hinkel aus dem Tabellenkeller. Und die A-Junioren zitterten sich am letzten Spieltag über den roten Strich. „Der Abstieg der U 19 aus der Bundesliga wäre ein Riesenrückschlag für uns gewesen“, sagt der Präsident Wolfgang Dietrich, „gerade im Hinblick auf unsere Bemühungen, die Nachwuchsarbeit auf ein neues finanzielles Fundament zu stellen.“

Auf Akquisetour befinden sich der Vereinschef und Marketingvorstand Jochen Röttgermann, um neue Sponsoren für die Talentschmiede des Traditionsvereins zu finden, der so stolz auf seine alten Erfolge mit der Jugend ist und sich neu ausrichtet. Auf acht Millionen Euro beläuft sich der Nachwuchsetat, und Dietrich ist bemüht, diese Summe (oder mehr) extra aufzutreiben – um die Jugend nicht immer am Tropf der Profis hängen zu sehen.

Knapp die Hälfte des Geldes hat Dietrich bereits zusammen und ist zuversichtlich, bis zum Jahresende die weiteren Partner noch zu finden. Geld, mit dem der VfB nicht nur das Wildern der Konkurrenz im eigenen Revier verhindern will. Sondern die Stuttgarter wollen selbst wieder auf die Jagd nach den besten Nachwuchskräften gehen. Umkämpft ist der Talentemarkt, weil schon beachtliche Ablösesummen und Gehälter bezahlt werden – und weil es sich die hochbegabten Jugendlichen aussuchen können, wohin sie letztlich gehen.

Neue Trainingsplätze gibt es nur im Falle der Ausgliederung

Hoffenheim und Freiburg gelten als gute Adressen im süddeutschen Raum. Und der FC Bayern ist gerade dabei, eine hochmoderne Nachwuchsakademie zu bauen. Noch mehr Konkurrenz also zu den Leipzigern, Schalkern und Leverkusenern, die es ohnehin noch gibt. Sie alle locken natürlich mit ihrer sportlichen Perspektive und punkten bei Spielern, Eltern und Beratern mit einer nahezu perfekten Infrastruktur.

Lauftunnel, Lichtmessanlagen, Diagnostikräume – das alles und noch viel mehr gehört heute dazu. Am Wichtigsten bleiben aber die Trainingsplätze, und hier muss der VfB für die Jugend nachbessern. Die Bagger stehen auch bereit, wie Präsident Dietrich betont. Ob sie jedoch anrollen werden, hängt von der geplanten Ausgliederung der Profiabteilung aus dem Hauptverein ab.

100 Millionen Euro an Investorengelder soll dieser Schritt dem VfB bringen und ein erster Teil des frischen Eigenkapitals in den Umbau alter Trainingsplätze fließen. Fünf Millionen Euro sind dafür veranschlagt. Kommt die Ausgliederung am 1. Juni jedoch nicht, dann gibt es auch keine Baumaßnahmen. Sie sind schlichtweg in den Lizenzierungsunterlagen nicht vorgesehen, weil sich die Schwaben diesen Teil der Zukunft dann nicht leisten können.

VfB Stuttgart - 2. Bundesliga

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