SPORTLICHER LEITER JUGEND
Name: Marc Kienle
Alter: 38
Beim VfB seit: 2007
Bisherige Funktion: Jugendtrainer (U 17) Foto: Baumann

Marc Kienle, der neue sportliche Leiter der VfB-Jugend muss vielen Rollen gerecht werden.

Stuttgart - Der VfB Stuttgart ist ligaweit bekannt für seine erfolgreiche Jugendarbeit. Nur in den eigenen Profikader haben es in der jüngeren Vergangenheit (zu) wenige Talente geschafft. Daraus ziehen die Roten ihre Lehren: Nichts ist so gut, als dass es sich nicht noch optimieren ließe.

Die Namen Odisseas Vlachimodos, Jeremy Toljan, Sven Mende, Robin Yalcin und Erich Berko müssen dem fußballinteressierten Fan nicht zwingend etwas sagen. Dennoch lohnt ein genauerer Blick auf die fünf - und auf ihre Gemeinsamkeiten. Alle fünf sind 16 und 17 Jahre alt, alle fünf tragen das VfB-Trikot, alle fünf wurden zuletzt Vize-Europameister mit der deutschen U-17-Auswahl, und alle fünf reisen zur WM ihrer Altersklasse vom 18. Juni bis zum 10. Juli nach Mexiko. Das ist die Kür. Der Alltag der fünf spielt sich rund um den VfB ab: Training, Pflichtspiele, Schule, soziale Erziehung. Ein weites Feld. Da spielen viele Interessen und Einflüsse hinein: Verein, Eltern, Lehrer, Berater, Freunde. "Wir tragen eine große Verantwortung. Wir müssen behutsam mit unseren Talenten umgehen", sagt Marc Kienle, der neue sportliche Leiter der VfB-Jugend.

Das haben die Roten zuletzt schon getan, dennoch blieb in sportlicher Hinsicht ein unbefriedigendes Gefühl zurück. Seit 2006, als Serdar Tasci und Sami Khedira zu den Profis aufrückten, hat kein Feldspieler den Sprung aus der eigenen Jugend geschafft. Ob das den fünf U-17-Spielern und anderen Talenten gelingt, ist offen. Zumindest soll Kienle ihnen dabei Hilfestellung geben, indem er den passenden Rahmen schafft. Dabei ist er in vielen Rollen gefordert.

Das fängt damit an, dass Frieder Schrof als Jugendleiter und Thomas Albeck als Jugendkoordinator diesen Bereich bisher allein verantwortet haben. Sie arbeiten in ihren Funktionen weiter, doch jetzt ist Marc Kienle den beiden übergeordnet. Anders gesagt: Schrof und Albeck müssen Kompetenzen abgeben, was noch zu der einen oder anderen Zerknirschung führen könnte und Kienles diverse Rollen, nicht nur in diesem Bereich, schon gut umschreibt: Er muss Chef, Pädagoge und Diplomat sein. "Wir müssen künftig noch mehr kommunizieren", sagt er, "bisher haben wir uns nur in Nuancen unterschieden." Aber klar ist auch: Kienle hat das letzte Wort, und zwar von der U15 bis zur zweiten Mannschaft in der dritten Liga - und bestenfalls für den Übergang der Talente zu den Profis. "Wir hatten zuletzt an den Schnittstellen etwas Probleme, unsere Talente durchzubringen", räumt Sportdirektor Fredi Bobic ein. 


Ex-Profi Kienle, der die Fußball-Lehrer-Lizenz besitzt und seit vier Jahren die U 17 des VfB betreut hat, soll künftig jeden Jugendspieler auf seine Fähigkeiten prüfen. Er soll beurteilen, welcher Spieler in welcher Mannschaft am besten aufgehoben ist. Er soll prüfen, wer einen Platz in der Jugendakademie bekommt. Er soll über die Einstellung der Jugendtrainer entscheiden und die Einhaltung der vor Jahren beschlossenen, zuletzt aber verwässerten Spielphilosophie wachen: "Unsere Jugendmannschaften sollen mutig, ballsicher und offensiv auftreten. In der U-17-Bundesliga ist der VfB häufig Favorit, dort richten sich die Gegner nach uns. Das bedeutet, dass wir Lösungen im Spiel nach vorn erarbeiten müssen." Das System der Jugendteams orientiert sich am 4:2:3:1 der Profis, "doch wenn wir einen überragenden Spieler in einer Mannschaft haben, kann das System auch auf ihn ausgerichtet sein". 

Zur Rundumbetreuung gehört auch, dass Kienle sich künftig in Absprache mit dem Pädagogischen Leiter Markus Rüdt um die schulischen Belange der jungen Spieler kümmern und auch bei Vertragsgesprächen mit am Tisch sitzen soll. "Es gibt heute fast keinen B-Jugend-Spieler mehr ohne Berater", sagt er. Dass die zuweilen andere Interessen verfolgen als der Verein, liegt auf der Hand. "Ich habe hohe Ansprüche, was die Qualität und die Persönlichkeit unserer Spieler betrifft", sagt der zweifache Familienvater - zusammen mit seiner Frau Evelyn, die eine Pension in Mauren betreibt, hat er die Töchter Kiara (6) und Mara (sieben Monate).

Bei Serge Gnabry kam er zu spät. Der 15-Jährige Mittelfeldspieler wechselt zur neuen Saison zum FC Arsenal. "Das Geschäft ist schon in diesem Bereich gnadenlos, manche Vereine gehen aggressiv an Talente heran." Kienle weiß also um die raue Gangart. Um genau solche Fälle in der Zukunft zu verhindern, ist er jetzt auch im Amt. "Wir stellen für jeden Spieler einen Ausbildungsplan auf, der dazu beitragen soll, dass sie oben ankommen", sagt Marc Kienle, "denn als Verantwortlichem geht einem das Herz auf, wenn das passiert, wenn man die Talente eines Tages in einem großen Stadion erlebt - am besten natürlich in unserem."

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