Das Ende war absehbar: Dem VfB-Spiel fehlte unter Korkut die zündende Idee Foto: dpa

Der VfB Stuttgart trennt sich von Tayfun Korkut. Der Schnitt ist verständlich. Er versäumte es, der Mannschaft eine offensivere Spielidee zu verpassen.

Stuttgart - Wer die Augen nicht verschließen wollte, hat das Ende kommen sehen: Der VfB Stuttgart ziert das Tabellenende der Liga. Was aber noch schwerer wiegt: Selbst die größten Optimisten vermochten im Spiel der Mannschaft unter Tayfun Korkut keinerlei Perspektiven mehr zu erkennen, die Besserung versprachen. Der Fußball-Bundesligist zieht die Konsequenzen, trennt sich von seinem Trainer. Der Schnitt ist nachvollziehbar und verständlich. Dem Coach fehlte der Geist, der Spirit, der eine Mannschaft weiterentwickeln kann.

Der falsche Plan

Der Plan der Club-Bosse war ein anderer: Das Spiel sollte sich in der zweiten Spielzeit nach dem Wiederaufstieg sichtbar aus seiner defensiven Zwangsjacke befreien. Unter dieser Prämisse wurde die Mannschaft von Sportvorstand Michael Reschke verstärkt und ergänzt. Mit einem Aufwand von immerhin 35 Millionen Euro. Der Vertrag von Tayfun Korkut wurde frühzeitig verlängert. Ein Vertrauensbeweis, aber im Nachhinein auch eine Fehleinschätzung der Clubbosse, was den VfB jetzt teuer zu stehen kommt: Rund 3,5 Millionen Euro an Abfindungen dürften nun fällig werden. Michael Reschke wird vor dem Aufsichtsrat Antworten auf die eine oder andere unbequeme Frage finden müssen.

Lag es auch am mangelnden Zutrauen in die Qualitäten der Neuzugänge, dass Korkut die Zielvorgabe in dieser Saison zu keinem Zeitpunkt umsetzen konnte? Die Mannschaft sollte mutig einen Schritt nach vorne machen, das Publikum auf diese Reise mitnehmen. Die Handschrift des Trainers blieb jedoch eine andere: Das Team agierte stur defensiv, behäbig, hasenfüßig und uninspiriert. Dem VfB fehlte vom Saisonstart weg bis zuletzt der Funke, der ein Spiel zum Zünden bringt.

Stur defensiv

Im ersten Jahr nach dem Wiederaufstieg heiligte der Zweck noch die Mittel. Hauptsache oben bleiben. Korkut übernahm nach der Winterpause 2018 von Hannes Wolf, brachte Ordnung ins Spiel und stabilisierte konsequent die Defensive. In der Offensive halfen eine atemberaubende Effizienz vor dem Tor und das Glück im Zehnerpack. Damit sicherte er den Klassenverbleib und führte die Mannschaft um ein Haar in die Europa League. Das wird als sein großer Verdienst in Erinnerung bleiben. Warum er den zweiten Schritt nicht machte und ängstlich auf dem Staus quo beharrte, bleibt dagegen sein Geheimnis. Die Trennung ist bedauerlich, sie ist aber aus Sicht des VfB Stuttgart konsequent.

Raus aus dem Defensiv-Korsett

Und ganz gleich, wer jetzt die Nachfolge von Tayfun Korkut antritt. Er muss der Mannschaft wieder den Spaß am Spiel vermitteln, sie aus dem Defensiv-Korsett befreien, die Intensität der Darbietungen erhöhen und die Neuzugänge möglichst schnell integrieren. Es ist keine leichte Aufgabe, aber auch keine unlösbare.

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