In Fürth hat VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo drei Teenager eingewechselt, darunter Alexis Tibidi Foto: Baumann

Die sportliche Führung des VfB Stuttgart setzt auch im Kampf gegen den Abstieg kompromisslos auf junge Spieler. Der eingeschlagene Weg wird fortgesetzt, auch wenn er in die zweite Liga führen sollte.

Fürth - Der Frust, der Marc Kempf beim Aufwärmen der Ersatzspieler trotz eines dicken Schals deutlich anzusehen war, dürfte im Laufe des Samstagnachmittags nicht kleiner geworden sein. Bis zum Schluss musste der selbstbewusste Abwehrspieler des VfB Stuttgart gegen die SpVgg Greuther Fürth tatenlos auf der Reservebank sitzen – und ein weiteres Mal erkennen: Der Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft.

 

Zum Saisonstart hatte Marc Kempf (26) zwei Kopfballtore zum 5:1-Sieg gegen den fränkischen Aufsteiger beigesteuert – beim 0:0 zum Auftakt der Rückrunde wurde ihm ein Mann vorgezogen, von dem man in den vergangenen Monaten leicht hätte vergessen können, dass auch er noch zum VfB-Kader gehört: Pascal Stenzel (25). Erstmals in dieser Saison stand er in der Startelf, bot eine grundsolide Leistung – und bekam anschließend ein Sonderlob von Sportdirektor Sven Mislintat: „Wir wissen, was Kalle kann. Wenn du ihn brauchst, ist er da.“

Marc Kempf ist in der Hierarchie der Verteidiger auf Rang fünf abgerutscht

Die Dienste von Marc Kempf hingegen scheinen nun endgültig nicht mehr gebraucht zu werden. Bereits im Laufe der Vorrunde hatte der ehemalige VfB-Kapitän seinen Stammplatz an den japanischen Emporkömmling Hiroki Ito (22) verloren, jetzt ist er in der Hierarchie der Verteidiger sogar auf Rang fünf zurückgefallen. Noch wahrscheinlicher ist damit geworden, was sich schon länger abzeichnet: dass Kempf den VfB nicht erst nach Vertragsende im kommenden Sommer verlässt, sondern noch im Laufe des Januars zur Berliner Hertha BSC, bei der nach der 1:3-Heimniederlage gegen den 1. FC Köln der Bedarf an Abwehrstabilität noch größer geworden ist. Sven Mislintat hätte nichts einzuwenden – auch wenn der jungen VfB-Mannschaft verloren ginge, was im Kampf gegen den Abstieg als besonders wertvoll gilt: (Führungs-)Erfahrung. Neben Daniel Didavi (184 Bundesligaspiele), in dieser Saison erst zweimal in der Startelf, hat nur Waldemar Anton (119) mehr Erstligaeinsätze aufzuweisen als Marc Kempf (110).

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Wie kompromisslos die sportliche Führung trotz aller Abstiegssorgen auf den Nachwuchs setzt, wurde auch in Fürth deutlich. Um in der Schlussphase noch den Sieg zu erzwingen, nahm VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo drei Spielerwechsel vor – und schickte in Ömer Beyaz (18), Alexis Tibidi (18) und Lilian Egloff (19) drei Nachwuchskräfte aufs Feld. Am Ende lag das Durchschnittsalter der VfB-Elf bei 22,6 Jahren.

Dass die Teenager, zu denen auch Naouriou Ahamada (19), Enzo Millot (19) und Wahid Faghir (18) gehören, großes Potenzial besitzen, steht außer Frage. Ungewiss jedoch ist, ob sie auch jetzt schon bestehen können, wenn der Druck immer größer wird.

Drei bis vier Spieler sollen den VfB im Winter verlassen

Komme, was wolle – der grundsätzliche Weg des VfB wird sich nicht ändern, auch wenn er in die zweite Liga führt. „Wir können und wollen unsere Prinzipien nicht aufweichen“, sagt Mislintat, „wir möchten diesen Club so gesund wie möglich führen.“ Was bedeutet, dass statt panischer Neuverpflichtungen im Winter nicht zuletzt ältere Spieler abgegeben werden sollen. Neben Marc Kempf zählen auch Philipp Klement (29) und Hamadi Al Ghaddioui (31) zu jenen Profis, bei denen Mislintat gegen einen Wechsel nichts einzuwenden hätte. Bei Egloff, Ahamada und Millot hingegen gibt es keinerlei Verhandlungsbereitschaft: „Das sind die Jungs, die mit Sicherheit hier bleiben.“